Wirtschaft

Exekutionen in Nordkorea Kim lässt Devisenhändler hinrichten

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Machthaber Kim will die völlige Kontrolle über den Devisenhandel zurückgewinnen.

(Foto: via REUTERS)

Wegen der Corona-Pandemie macht Nordkorea die Grenzen auch für Waren aus China weitgehend dicht. Die Wirtschaftskrise in dem Land verschärft sich - und das Regime greift zu drastischen Maßnahmen.

Nordkorea geht drastisch gegen den Verfall der eigenen Währung vor: Ein Devisenhändler wurde exekutiert. Das berichtet die "Financial Times" und beruft sich dabei auf den südkoreanischen Geheimdienst. Demnach will das Regime von Kim Jong Un die Verwendung von ausländischen Währungen unterbinden - und schreckt dabei offenbar selbst vor Exekutionen nicht zurück.

In den vergangenen Jahren hatte Kim den privaten Geldwechsel geduldet. Doch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie stürzt die nordkoreanische Währung ab. Laut der südkoreanischen Nachrichtenseite NK News, die den Tauschkurs in verschiedenen nordkoreanischen Städten beobachtet, hat sie in den vergangenen Monaten zum Dollar rund 20 Prozent an Wert verloren.

Dieser Absturz beunruhigt das Regime in Pjöngjang. Außerdem droht er, das ohnehin fragile Wirtschaftssystem zu schwächen. Nun geht es Kim darum, die volle Kontrolle über den Devisenhandel zurückzugewinnen. Die Exekution signalisiert, wie ernst es ihm ist.

2009 war der Won dramatisch abgestürzt. Seitdem nahm die Verwendung von ausländischen Währungen - dem Dollar und dem chinesischen Yuan - zu. Kim, der 2011 das Erbe seines Vaters antrat, tolerierte das. Sein Regime ermunterte sogar die Privat- und Schattenwirtschaft, die auch vom Zugang zu Devisen profitierte, weil sie das Leben von vielen Nordkoreanern verbesserte. Die vorsichtige Öffnung trug maßgeblich dazu bei, dass zwischen 2010 und 2017 die Importe und Exporte des Landes zunahmen. Doch nun geht dem Regime das Geld aus - und es reagiert heftig.

Handel kommt nahezu zum Erliegen

Die Schwierigkeiten haben vor allem mit der Corona-Pandemie zu tun. Das ohnehin schon weitgehend isolierte Land hatte sich noch weiter abgeschottet und die Grenzen frühzeitig noch undurchlässiger gemacht. Damit kam auch der Handel mit China, dem weitaus wichtigsten Partner, nahezu zum Erliegen. Der chinesischen Zollbehörde zufolge hat China im Oktober lediglich Waren im Wert von umgerechnet 253.000 Dollar nach Nordkorea exportiert - das sind 99 Prozent weniger als im September. Die Einfuhren von Nordkorea in die Volksrepublik lagen demnach im Oktober um 74 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Dieser Einbruch des für Nordkorea essenziellen Handels zeigt, wie weit Kim zu gehen bereit ist, um zu verhindern, dass das Virus sich in seinem Land verbreitet. Er nimmt in Kauf, die ohnehin schlechte Versorgung mit Lebensmitteln und Benzin weiter einzuschränken. Und das, obwohl China die Pandemie offenbar im Griff hat und Nordkorea - zumindest nach eigenen Angaben - derzeit keine Infektionen verzeichnet.

Die drastischen Maßnahmen treffen nicht nur Devisenhändler: CNN zufolge wurde auch an einem Zöllner ein Exempel statuiert. Er wurde exekutiert, weil er angeblich bei der Kontrolle einer Lieferung aus China die Corona-Regeln nicht ausreichend befolgt hatte. Nordkoreas Staatsmedien kündigten derweil an, dass die Vorsichtsmaßnahmen weiter verschärft würden. Dazu gehören: Noch mehr Kontrollen an den Grenzen, erschwerter Zugang für Schiffe aus China - außerdem seien die Behörden angewiesen, jeglichen Müll zu verbrennen, der über das Meer an die Strände des Landes gespült wird.

Quelle: ntv.de