Wirtschaft

Deutsche Tochter bleibt außen vor Kodak flüchtet in die Pleite

Der Kampf ums Überleben führt für Eastman Kodak in die Insolvenz. Das US-Unternehmen beantragt Gläubigerschutz, die Geschäfte laufen weiter. Der Schritt bewegt die Wall Street: Eine namhafte Großbank eilt dem Foto-Pionier zu Hilfe. Bei Kodak in Deutschland änderte sich nichts, heißt es am Stammsitz in Stuttgart.

Der US-Kamerakonzern Eastman Kodak ist pleite. Das Traditionsunternehmen leitete ein Verfahren nach Neustart statt Abwicklung ein. Die Geschäfte sollen während der Insolvenzphase weiterlaufen, teilte Kodak mit. Dafür sei eine Finanzierung von fast einer Milliarde Dollar vereinbart worden.

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Werbung am Times Square in New York: Seit 100 Jahren zählt Kodak zu den großen Namen der US-Wirtschaft.

(Foto: REUTERS)

Die Citigroup gewährte dem legendären Kamerahersteller eine Kreditlinie über 950 Mio. Dollar. Damit sei genügend Liquidität vorhanden, um den Geschäftsbetrieb während des Gläubigerschutzes aufrechtzuerhalten, hieß es weiter. Bei Kodak rechnet man damit, die Insolvenzphase im kommenden Jahr abschließen zu können.

Für die knapp 1000 Kodak-Mitarbeiter in Deutschland hat der Insolvenzantrag vorerst keine Konsequenzen. Der Antrag betreffe nur die USA. "Er hat keine direkten Auswirkungen auf die deutsche Tochtergesellschaft", sagte ein Kodak-Sprecher.

Eastman Kodak
Eastman Kodak 2,21

Die Mitarbeiter wie auch die Kunden müssten nicht befürchten, dass sich etwas ändere, hieß es am Hauptsitz von Kodak Deutschland in Stuttgart. Die Produkte würden weiter vertrieben, Kodak Deutschland werde weiter beliefert, auch die Produktion von Druckplatten am Standort Osterode gehe weiter, ergänzte der Sprecher. Die Entwicklung des Geschäfts sei 2011 im Vergleich zu 2010 positiv gewesen, der deutsche Standort sei der umsatzstärkste von Kodak in Europa.

Insgesamt beschäftigt Kodak nach einem Personalabbau dem Sprecher zufolge noch 990 Mitarbeiter in Deutschland. Davon arbeiten 220 in Stuttgart in Vertrieb, Verwaltung und Unternehmenssteuerung, 560 Mitarbeiter am Produktionsstandort Osterode, weitere 60 Mitarbeiter in Kiel und München und die restlichen im Außendienst.

Der Schritt des Mutterkonzerns in die Insolvenz löste bei den Beschäftigten in Deutschland Bedenken aus. "Wir machen uns Sorgen", sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Eisele. "Momentan sind die deutschen Gesellschaften von dem Insolvenzantrag nicht betroffen." Was das aber langfristig bedeute sei noch völlig unklar.

Die Zeichen der Zeit nicht erkannt

Am Stammsitz wurde eine Betriebsversammlung angesetzt, um die Beschäftigten über den aktuellen Stand zu informieren. Abgesehen vom Hauptsitz in Stuttgart dem Werk in Osterode gibt es noch einen Entwicklungsstandort in Kiel sowie eine chemische Fertigung in München. Am Kodak-Stammsitz waren zu Hochzeiten einmal 4500 Mitarbeiter beschäftigt, berichtete Eisele. Dort wurden einst Projektoren, Kameras und Kopierer hergestellt. Heute sei dort der Vertrieb, die Verwaltung und der Kundendienst ansässig. Seit 1983 habe es bei Kodak in Deutschland immer wieder einen Personalabbau gegeben.

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Elektronikmesse in Las Vegas: Ein Hauch von Pleitegerüchten umwaberte den Stand von Eastman Kodak.

(Foto: AP)

Eisele sagte: "In der jüngsten Zeit hatte der Konzern die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt." Er habe viel zu spät auf die "digitale Revolution" reagiert. Ab dem Jahr 2005 habe der Niedergang eingesetzt. Im letzten Jahr wurden am Stammsitz in Stuttgart erneut Stellen gestrichen, berichtete Eisele, der auch Betriebsratsvorsitzender am Hauptsitz ist. Ein aktuelles Sparprogramm sei infolge der Schwierigkeiten der Muttergesellschaft zunächst ausgesetzt worden.

Kodak hatte einst die analoge Fotografie entscheidend geprägt. Im Jahr 1888 brachte das Unternehmen die erste Kamera für Endverbraucher auf den Markt und galt viele Jahrzehnte als eine Ikone der Fotografie. Der Wechsel zur Digitaltechnik konfrontierte den Hersteller mit erheblichen Schwierigkeiten. Die Anpassung an den technologischen Wandel erfolgte nur zögerlich. Mittlerweile fotografiert die Masse der Kundschaft fast nur noch mit Digitalkameras. Mit aktuell knapp 19.000 Mitarbeitern reagierte Kodak offensichtlich zu spät. Erst nach dem Einbruch im klassischen Geschäft mit Filmen, versuchte das Unternehmen mit moderneren Kameras wieder eine breite Kundschaft zu erreichen.

Über eine Kodak-Insolvenz war bereits Kodak-Insolvenz im Januar? , die ersten konkreten Hinweise gab es schon im Oktober. Eine Serie von Verlustjahren hatte die Bargeldreserven angegriffen. Das rund 130 Jahre alte Unternehmen hatte selbst gewarnt, dass ohne neue Mittel binnen zwölf Monaten das Aus kommen könnte. Kodak sucht jetzt Schutz vor den Forderungen seiner Gläubiger nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts. Beispiele für eine erfolgreiche Sanierung mit Hilfe des Gläubigerschutzes nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts gibt es reichlich.

Kodak hat wegen weltweit verteilter Standorte und seiner großen Mitarbeiterzahl hohe Fixkosten. Seit 2007 schrieb das Unternehmen keinen Gewinn mehr. Um wirtschaftlich zu gesunden, setzte vor allem darauf, ein Paket aus rund 1100 Patenten zu verkaufen, um sich das dringend benötigte frische Geld zu besorgen. Ein Deal kam jedoch trotz monatelanger Gespräche nicht zustande.

Die Erfindung des Fotofilms und des Kleinbildformats hatten den Konzern aus der Nähe von New York einst reich gemacht. Kodak war zudem an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt und hält deswegen auch dort diverse grundlegende Patente.

Zuletzt griff Kodak mit einer Serie von Patentklagen um sich. Binnen einer Woche wurden Apple, Samsung, der Smartphone-Spezialist HTC und der Erzrivale Fujifilm verklagt. Nach Einschätzung von Experten versuchte Kodak mit den Klagen, potenziellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios zu demonstrieren.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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