Wirtschaft

Wegen Krieg droht Rezession Konjunktur-Erwartungen brechen ein wie nie

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Der ZEW-Index bricht um 93,6 Punkte ein.

(Foto: dpa)

Der Ukraine-Krieg schockt die Anleger - die Konjunkturerwartungen für die nächsten sechs Monate brechen so stark ein wie nie zuvor. Ökonomen hatten für den ZEW-Index einen wesentlich schwächeren Rückgang erwartet. Laut Analysten droht eine Rezession.

Der Ukraine-Krieg lässt die Konjunkturzuversicht der Börsianer einbrechen wie nie und schürt Rezessionsfurcht in Deutschland. Das Barometer für die wirtschaftlichen Aussichten in den nächsten sechs Monaten fiel im März um 93,6 auf minus 39,3 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 162 Analysten und Anlegern mitteilte. Dies ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991.

"Eine Rezession wird immer wahrscheinlicher. Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland verschlechtern den wirtschaftlichen Ausblick für Deutschland ganz erheblich", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Wirtschaft war hierzulande bereits vor der Jahreswende im Sog der Omikron-Welle in einen Abwärtsstrudel geraten: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal um 0,3 Prozent.

Wegen des Ukraine-Krieges, der den Westen zu umfassenden Sanktionen gegen Russland veranlasste, müssen die Unternehmen nun mit weiterem Gegenwind fertig werden. Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe sagte: "Die Wirtschaft bewegt sich am Rande einer Rezession. Auch wegen drohender neuer Nackenschläge von der Pandemie ist der Konjunkturblick klar nach unten gerichtet." Laut DZ Bank-Analyst Christoph Swonke könnten die Sanktionen auch dafür sorgen, dass sich die nach wie vor angespannte Lieferkettenproblematik global weiter verschärft: "Das sind keine guten Aussichten für die kommenden sechs Monate."

Stärkerer Schock als Corona-Krise

Laut ZEW fiel der Schock für die Anleger nun noch weit stärker aus als zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020: Damals fiel der Indikator 58,2 Punkte: "Die Erwartungen liegen jetzt ähnlich niedrig wie etwa im Sommer 2019", teilten die Mannheimer Forscher weiter mit.

Die befragten Experten gingen davon aus, dass eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung bereits im März spürbar werde. Auch Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank sieht die Umfragedaten als Warnsignal: "Die ZEW-Konjunkturerwartungen lassen sogar auf eine Rezession schließen. Die für Deutschland ursprünglich prognostizierten Wachstumsraten im Bereich von 4 Prozent sind längst Makulatur."

Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaft um 2,9 Prozent zugelegt, konnte damit den Einbruch aus dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 von 4,6 Prozent aber nicht ausgleichen. Die Volkswirte der Deutschen Bank haben ihre Prognose für das laufende Jahr zuletzt unter dem Eindruck des Ukraine-Konflikts zurückgeschraubt. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach nur zwischen 2,5 und 3,0 Prozent zulegen, so die Experten um Deutschland-Chefvolkswirt Stefan Schneider. Zuvor waren sie von plus 4,0 Prozent ausgegangen.

Quelle: ntv.de, chl/rts

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