2026 könnte Wendpunkt werdenKonjunkturzuversicht der Börsenprofis steigt - ZEW-Index legt zu

Die Hoffnung ist groß. 2026 könnte zu einem Wendejahr für die Wirtschaft werden, urteilt das Mannheimer ZEW. Analysten blicken optimistisch wie lange nicht auf die nächsten sechs Monate. Doch die USA sind weiterhin das größte Risiko.
Börsenprofis blicken zu Jahresbeginn mit einer großen Portion Optimismus auf die deutsche Wirtschaft. "Der ZEW-Index legt kräftig zu. 2026 könnte den Wendepunkt markieren", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Trotz der positiven Konjunkturerwartungen sollte aber weiterhin daran gearbeitet werden, die Standortattraktivität zu stärken, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. Das Barometer für die Konjunkturaussichten in den kommenden sechs Monaten stieg im Januar um 13,8 auf 59,6 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter 172 Investoren und Analysten mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 50,0 Punkte gerechnet.
Erst am vorigen Wochenende waren die jüngsten Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Deutschland und weitere europäische Länder im Zusammenhang mit dem Streit um Grönland bekannt geworden. Am Montag, dem letzten Tag der am 12. Januar gestarteten Umfrage unter den Börsianern, trudelten laut ZEW nur rund fünf Prozent der Antworten ein: "Unsere Ergebnisse sind von dieser Ankündigung also kaum beeinflusst", sagte ZEW-Expertin Lora Pavlova. Die am Montag hereingekommenen Antworten hätten im Bezug auf die Einschätzung der zukünftigen Lage keinen vermehrten Pessimismus gezeigt: "Im Gegenteil, im Laufe des Montags hat sich die positive Beurteilung noch verstärkt."
Die jüngsten Zolldrohungen werfen nach Einschätzung von VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel aber einen großen Schatten auf die aufgehellten Konjunkturperspektiven. Der Experte der Liechtensteiner Bank verweist darauf, dass die deutschen Exporte in die USA bereits im Zeitraum Januar bis November 2025 um fast ein Zehntel zurückgegangen sind. "Die Zölle hinterließen also bereits deutliche Bremsspuren. Würden sich die Zölle noch erhöhen, würde sich einerseits der Exportrückgang fortsetzen und anderseits sogar auch noch beschleunigen", sagte Gitzel. Darunter würde die gesamte Wirtschaft leiden.
Auch das ZEW sieht "die unberechenbare US-Handelspolitik" als zusätzlichen Belastungsfaktor für die deutsche Exportwirtschaft. Doch dürfte das Mercosur-Abkommen die Perspektiven für exportintensive Branchen verbessert haben. Trotz der positiven Konjunkturerwartungen sollte aber weiter daran gearbeitet werden, die Standortattraktivität zu stärken, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, mahnte Wambach.
Deutschland dürfte laut der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr wirtschaftlich wieder Tritt fassen und um 1,1 Prozent wachsen, 2027 dann um 1,5 Prozent. Die Bundesregierung hat die Abschreibungsmöglichkeiten für Firmen ausgeweitet, um Investitionen anzuschieben. In den nächsten Jahren sollen auch die Unternehmenssteuern schrittweise sinken. Außerdem hat die schwarz-rote Koalition Maßnahmen zur Senkung der hierzulande hohen Energiepreise beschlossen.
Laut Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank gibt es jedoch keinen Grund, in Konjunktureuphorie zu verfallen. Nach wie vor bestünden erhebliche Standortnachteile und das Risiko, Unternehmen ans Ausland zu verlieren: "Es bleibt dabei, dass politische Reformen durch das Fiskalpaket nicht ersetzt werden."