Wirtschaft

Protestaktion bei Hyundai Koreaner besetzen Strommast

2012-10-18T091923Z_01_SEO02_RTRMDNP_3_KOREA.JPG5334862276065995224.jpg

Mit warmer Kleidung, Fahne und Plastiktüten.

REUTERS

Zwei frühere Hyundai-Mitarbeiter nehmen es mit dem fünftgrößten Autolkonzern der Welt auf: Am Standort Ulsan, 400 Kilometer südöstlich der südkoreanische Hauptstadt Seoul, sieht sich Hyundai mit einer lebensgefährlichen Protestaktion konfrontiert. Der Konzern steuert derweil neue Rekordzahlen an.

37pe3133.jpg5536941708671715870.jpg

Choi Byung Seung und Chun Ui Bong in den stählernen Streben ihres Hochspannungsmastes.

(Foto: dpa)

Der südkoreanische Autohersteller Hyundai sieht sich trotz weltweiter Absatzkrise weiter auf Rekordkurs. Nach knapp 3,2 Mio. verkauften Fahrzeugen in den ersten drei Quartalen könne der Absatz die Erwartung von 4,29 Mio. für das Gesamtjahr übertreffen und auf 4,38 Mio. Einheiten kommen, prognostizierte Südkoreas Branchenführer.

Besonders in China lege Hyundai derzeit kräftig zu, sagte eine Unternehmenssprecherin in Seoul. Finanzchef Lee Won Hee habe die Prognose für den Verkauf im Nachbarland von 790.000 für das ganze Jahr auf 820.000 bis 830.000 Fahrzeuge nach oben korrigiert. Aber auch in den etablierten Märkten wie den USA und Europa steigerten die Südkoreaner nach eigenen Angaben in den ersten neun Monaten dieses Jahres die Verkaufszahlen deutlich.

Im vergangenen Jahr hatte Hyundai mit knapp 4,06 Mio. verkauften Fahrzeugen zum ersten Mal die Vier-Millionen-Schwelle überschritten. Zusammen mit seiner Schwesterfirma Kia Motors nimmt Hyundai den fünften Platz unter den größten Autobauern ein.

Während der Konzern seine Absatzzahlen weiter zu steigern versucht, nehmen die Proteste gegen die dauerhafte Beschäftigung von Leiharbeitern in der Automobilindustrie zum Teil groteske Formen an: Um ihren Forderungen nach Umwandlung der befristeten Verträge in dauerhafte Anstellungsverhältnisse Nachdruck zu verleihen, halten derzeit zwei ehemalige Hyundai-Mitarbeiter einen werkseigenen Hochspannungsmast besetzt.

27,83

Choi Byung Seung und Chun Ui Bong harren bereits seit einer vollen Woche in einer Höhe von rund 45 Metern auf selbstgebastelten Plattformen aus. Ihre rote Protestfahne ist weithin zu sehen. Mit jedem Tag ihres ungewöhnlichen Aufenthalts ziehen die beiden Arbeitsnehmervertreter mehr Medieninteresse auf sich. Zuletzt kündigten die beiden an, sie würden erst wieder herabsteigen, wenn Hyundai die Verträge tausender Leiharbeiter in feste Verträge umwandle.

Choi sagte, er habe jahrelang versucht, dieses Ziel vor Gerichten zu erreichen und sich bei Politikern beschwert. Nun sei es Zeit für "drastischere Schritte". Bei Hyundai, dem fünftgrößten Autohersteller der Welt, arbeiten 7000 Menschen in Leiharbeit, die schlechter bezahlt werden und weniger Rechte haben als Festangestellte. Das Arbeitsministerium hatte dies scharf kritisiert; Hyundai verpflichtete sich daraufhin, 3000 der Leiharbeiter bis 2016 einen festen Vertrag zu geben.

Nach Streik gekündigt

Auch Choi und Chun waren als Zeitarbeiter bei Hyundai angestellt. Choi war entlassen worden, nachdem er 2005 an einem Streik für die Festanstellung von Leiharbeitern teilgenommen hatte.

Auf dem Strommast werden die Männer von Gewerkschaftern mit Lebensmitteln und Getränken versorgt. Dringliche Bedürfnisse verrichten sie in Plastiktüten.

Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Hyundai veröffentlichte am Donnerstag seine Quartalszahlen von Juli bis September. Danach steigerte der Konzern seinen Gewinn um 13 Prozent auf umgerechnet 1,5 Mrd. Euro.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

Mehr zum Thema