Wirtschaft

Teilweise bis zu 15 Wochen Kunden warten immer länger auf Handwerker

249893126.jpg

Baustoffe wie zum Beispiel Holz sind deutlich teurer geworden.

(Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Der Rohstoffmangel wird in der Baubranche zunehmend zum Problem. Das Angebot ist knapp, und der Preis geht durch die Decke. Das bekommen auch die Verbraucher deutlich zu spüren: Sie müssen sich auf Lieferverzögerungen und höhere Kosten einstellen.

Im Handwerk müssen sich Kunden auf längere Wartezeiten und höhere Preise einstellen. "Nicht nur Holz ist derzeit knapp und teurer, sondern alles, was man braucht, um ein Haus zu bauen oder zu renovieren, und vieles mehr. Auch elektronische Teile für unsere Elektroniker und Kabel und all das fehlt. Das macht unseren Betrieben in diesen Bereichen im Moment ganz schwer zu schaffen", sagt Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer.

Er warnt vor einem Einbruch des privaten Wohnungsbaus. "Kunden müssen inzwischen wegen der Lieferengpässe noch länger auf einen Handwerker warten, auch wenn das natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich ist. Unsere Betriebe tun da gerade ihr Bestes, damit sich das nicht oder nur in Maßen auf Kundenseite auswirkt. Im Gesamthandwerk liegt die durchschnittliche Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen."

Die Auftragsreichweite gibt an, wie lange der Auftragsbestand noch ausreicht. "Im Bau- und Ausbaubereich jedoch ist es so, dass man aktuell mit mindestens zehn und manchmal sogar bis zu 15 Wochen rechnen muss, bis ein Auftrag begonnen und abgearbeitet wird", so Wollseifer. Vor allem der Bau- und Ausbaubereich drohe durch die Materialknappheit und Preisexplosion in eine Krise zu schlittern. "Erhebliche Engpässe sehen wir nach wie vor bei bestimmten Metallen und Kunststoffen, zudem melden die Betriebe uns, dass auch Vorprodukte wie Schrauben langsam knapp werden." Auch in den nächsten Monaten werde die Versorgung mit den für die Elektrohandwerke wichtigen Halbleiterprodukten weiter problematisch bleiben.

Einbruch des privaten Wohnungsbaus droht

Im privaten Wohnungsbau drohe die aktuelle Entwicklung eine Bremse für die Konjunkturerholung zu werden. "Durch die Preiserhöhungen verteuern sich Bauten so stark, dass es auf die Kredite von Bauherrinnen und Bauherren ausstrahlt, und es zunehmend Finanzierungsengpässe gibt", sagt Wollseifer. Zudem führten die höheren Baupreise dazu, dass Förderprogramme zum Erwerb von Wohneigentum und für Sanierungen nur zu einem geringeren Anteil zur Finanzierung der Baukosten beitragen. "Deswegen sollte die Politik hier dringend mit einer Erhöhung der Förderbeträge nachsteuern. Andernfalls droht ein Einbruch des privaten Wohnungsbaus und auch der klimapolitisch erforderlichen Sanierungsdynamik."

Wollseifer bezeichnet die momentane Situation als absurd. "Unsere Betriebe haben volle Auftragsbücher, aber es lohnt sich in vielen Bereichen angesichts der derzeitigen Einkaufspreise für Material gar nicht, die Aufträge auszuführen. Denn die Betriebe wissen, dass sie dann ein Minus machen." Zwar würden Produktionskapazitäten wieder aufgebaut, aber das dauere seine Zeit.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.