Wirtschaft
Im ersten vollen Geschäftsjahr seit der Fusion von Lafarge und Holcim hat der Konzern die Gewinnzone erreicht.
Im ersten vollen Geschäftsjahr seit der Fusion von Lafarge und Holcim hat der Konzern die Gewinnzone erreicht.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 02. März 2017

Empfänger nicht ermittelbar: Lafarge zahlte Schutzgeld in Syrien

Angesichts des bewaffneten Konflikts in Syrien gerät auch das dortige Lafarge-Werk in Bedrängnis. Die lokalen Verantwortlichen greifen zum Schutz in die Kasse - wie der Konzern nun zugibt. Berichten zufolge soll Geld auch an den IS geflossen sein.

Der Zementriese LafargeHolcim räumt ein, dass zeitweise in Syrien Gelder zum Schutz des dortigen Werkes an Kriegsparteien gezahlt wurde. Dies hätten interne Untersuchungen ergeben, teilten die Schweizer mit. So habe das "lokale Unternehmen Gelder an Dritte" gezahlt. Auf diesem Wege seien "Vereinbarungen mit gewissen bewaffneten Gruppen, einschließlich sanktionierter Parteien" geschlossen worden. Gründe seien gewesen "den Betrieb weiterführen zu können und sowohl für Mitarbeitende als auch Waren einen sicheren Zugang zum Werk zu gewährleisten". Die Untersuchung habe indes nicht klären können, wer das Geld erhalten habe.

Recherchen unter anderem der französischen Tageszeitung "Le Monde" hatten ergeben, dass Schutzgelder an den IS geflossen sein sollen. Dafür soll die lokale Geschäftsführung von Lafarge Syrien von der Terrormiliz unter anderem Passierscheine für die Mitarbeiter und die Lkw des Unternehmens erhalten haben. Der ehemalige Sicherheitsmanager des Werkes in Nordsyrien gab in Interviews an, es sei Lafarge vor allem darum gegangen, die Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro in die Anlage zu retten.

Wie der Konzern nun mitteilte, kann aus "heutiger Sicht" festgestellt werden, dass "die für den weiteren Betrieb des Werks erforderlichen Maßnahmen nicht akzeptierbar waren". Zwar gesteht der Konzern den Handelnden zu, in guter Absicht agiert zu haben. Doch hätten "erhebliche Fehleinschätzungen" vorgelegen, "die nicht mit dem geltenden Verhaltenskodex vereinbar waren".

Weiter führte LafargeHolcim an, dass das Werk in Syrien im fraglichen Zeitraum von 2013 bis 2014 nicht nur defizitär gewesen sei, sondern auch "weniger als ein Prozent zum Konzernumsatz" beigetragen habe. Im Konzern ist im Ergebnis der Untersuchung "die Bildung eines neuen Ethik-, Integritäts- und Risikoausschusses genehmigt" worden. Das Werk in Syrien war den Angaben zufolge 2014 evakuiert worden.

Unterdessen hat der aus dem französischen Unternehmen Lafarge und dessen Schweizer Konkurrenten Holcim neu geschaffene Zementriese LafargeHolcim im ersten vollen Jahr seines Bestehens Tritt gefasst. Der Konzern verdiente 2016 gut 2,1 Milliarden Franken. 2015 hatte ein Großreinemachen nach der Fusion von Holcim und Lafarge noch zu einem Verlust von 1,36 Milliarden Franken geführt. Im operativen Geschäft profitierte der Weltmarktführer von Kostensenkungen und Preiserhöhungen. Das bereinigte Betriebsergebnis kletterte um 8,7 Prozent auf 5,8 Milliarden Franken und übertraf damit die Analystenerwartungen leicht. Im laufenden Jahr peilt LafargeHolcim ein zweistelliges Ergebniswachstum an. 

Quelle: n-tv.de