Wirtschaft

Chinesen wollen Aldi-Lieferanten Lenovo greift nach Medion

Der Elektronik-Großhändler Medion wird chinesisch. Der Großaktionär trennt sich von seinen Anteilen, Lenovo wendet sich nun mit einem Barangebot an die übrigen Anteilseigner. Damit das Geschäft gelingt, müssen allerdings die Kartellbehörden zustimmen - und den Chinesen mehr als die Hälfte der Aktien angetragen werden.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der chinesische Computerkonzern Lenovo hat eine Offerte für den Elektronik-Großhändler Medion abgegeben und bietet 13 Euro je Aktie in bar. Damit wird das deutsche Unternehmen mit 581 Mio. Euro bewertet. Ziel sei es, alle Medion-Papiere zu erwerben, zumindest jedoch 51 Prozent des Grundkapitals, teilte der weltweit viertgrößte PC-Hersteller mit. Es sei bereits ein Kaufvertrag über knapp 36,7 Prozent des Grundkapitals mit dem Mehrheitsaktionär Brachmann geschlossen worden, der insgesamt 54 Prozent an Medion hält.

Die Offerte für den Aldi-Lieferanten steht nach Angaben von Lenovo noch unter Vorbehalt der wettbewerbsrechtlichen Genehmigung und Erreichung der Mindestannahmeschwelle. Bereits am Dienstag hatten Übernahmegerüchte die Medion-Aktie beflügelt. Sie war mit einem Plus von mehr als sieben Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Hoch von 11,23 Euro gestiegen. Lenovo-Papiere gaben in Hongkong knapp 0,9 Prozent nach.

Viel Symbolik

Nun greift erstmals ein chinesischer Investor nach einem sehr bekannten deutschen Unternehmen. Über einen solchen Schritt war zuletzt wegen der vollen chinesischen Kassen immer wieder spekuliert worden. In den vergangenen Jahren waren Investoren aus China unter anderem bei angeschlagenen deutschen Unternehmen wie Opel oder Dresdner Bank im Gespräch. Aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen waren diese Versuche aber gescheitert.

Stattdessen griffen Chinesen bei weniger bekannten Unternehmen zu, wie beispielsweise beim angeschlagenen Autozulieferer Saargummi oder den Werkzeugmaschinenherstellern Schiess und Waldrich Coburg.

Beim weithin bekannten Elektronikspezialisten Medion dürfte es jetzt klappen: Denn der 1984 gegründete und inzwischen weltweit viertgrößte PC-Hersteller Lenovo hat Erfahrung mit Auslandsübernahmen. Bereits 2005 schlug Lenovo spektakulär zu und übernahm die PC-Sparte des amerikanischen IT-Konzerns IBM für 1,75 Mrd. Dollar. Dies war die erste größere Übernahme eines chinesischen Unternehmens in den Vereinigten Staaten. Lenovo will zudem bei der PC-Produktion künftig mit dem japanischen Konzern NEC zusammenarbeiten. Bei seiner Expansion hat Lenovo mächtige Rückendeckung: Hinter dem Konzern steht mit Legend ein vom Staat kontrollierter Großaktionär.

Großaktionär verkauft

Medion mit Hauptsitz in Essen hat sich vor allem um die Jahrtausendwende durch billige Computer für die Handelskette Aldi einen Namen gemacht. Nach wie vor ist der Discounter einer der wichtigsten Kunden von Medion. Das 1983 gegründete und 1998 an die Börse gebrachte Unternehmen schlitterte Mitte des vergangenen Jahrzehnts - unter anderem wegen der hohen Abhängigkeit von Aldi - in eine Krise, von der es sich nur langsam erholt.

Auf dem Weg zur angestrebten Medion-Mehrheitsübernahme hat Lenovo bereits einen großen Schritt gemacht: Der Unternehmensgründer, Mehrheitseigentümer und Vorstandschef Gerd Brachmann nahm das Angebot zu großen Teilen bereits an - er wird laut der Mitteilung knapp 17,75 Mio. Aktien für rund 230,7 Mio. Euro an die Chinesen abgeben. Brachmann erhält 80 Prozent davon in bar und 20 Prozent in Form von Lenovo-Aktien.

2010 setzte Medion 1,64 Mrd. Euro um und verdiente vor Zinsen und Steuern 28,1 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 hatte der Erlös noch knapp drei Mrd. Euro betragen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei 179,9 Mio. Euro. Medion beschäftigte zuletzt etwas mehr als 1000 Mitarbeiter.

Der Angebotspreis für die Medion-Aktionäre liegt knapp 18 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Dienstagabend und rund 30 Prozent über dem Kurs vom vergangenen Freitag. Vorbörslich lag der Medion-Kurs am Mittwoch rund 19 Prozent im Plus.

Medion soll an der Börse bleiben

Medion soll nach der angekündigten Übernahme durch den chinesischen PC-Riesen nicht von der Bildfläche verschwinden. Medion solle komplett selbstständig und die Marke erhalten bleiben, sagte ein Lenovo-Sprecher. Auch sollten Medion-Aktien weiter an der Börse gehandelt werden können.

Ein Stellenabbau sei zudem nicht zu befürchten. Die beiden Konzerne ergänzten sich, Überschneidungen gebe es kaum. "Der eine profitiert vom anderen". Während Medion im Privatkundengeschäft stark sei, habe Lenovo bei Firmenkunden eine herausgehobene Marktposition, so der Sprecher.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP/dpa

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