Wirtschaft

"Stinkende WC-Häuschen" Lkw-Fahrer fürchten Brexit-Chaos

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Großbritannien hat die EU am 31. Januar verlassen.

(Foto: dpa)

Für Lkw-Fahrer könnte das Ende der Brexit Übergangsphase zu einem Albtraum werden. Eine britische Gewerkschaft warnt vor stundenlangem Warten, hohen Strafen und mangelhaften hygienischen Bedingungen.

Der nahende Brexit dürfte zu langen Warteschlangen für Lkw führen, die in Großbritannien auf Abfertigung warten - die Fahrer müssen sich auf jede Menge Unannehmlichkeiten einstellen. Eine der größten britischen Gewerkschaften sagt "Bloomberg" zufolge "Chaos und Durcheinander" an den Häfen voraus, wenn die Übergangsphase Ende des Jahres beendet wird. Der Grund: Die Regierung von Premier Boris Johnson habe angesichts der dann erforderlichen Bürokratie nicht ausreichend vorgesorgt.

Die Fahrer müssten sich darauf einstellen, auf provisorischen Parkplätzen stundenlang in den Kabinen festzusitzen, so die Gewerkschaft - ohne geeigneten Zugang zu sauberen Toiletten, Waschgelegenheiten und ohne passende Möglichkeiten, zu essen oder auszuruhen. "Stinkende WC-Häuschen, ein paar Waschbecken unter freiem Himmel und ein Imbisswagen", reichten nicht aus, so Adrian Jones von der Gewerkschaft Unite.

Nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase droht ein harter Bruch mit Zöllen und hohen Handelshürden. Aber selbst wenn sich EU und Großbritannien noch auf ein Abkommen einigen, dürfte es wegen der erforderlichen Grenzkontrollen und der nötigen Bürokratie zu deutlichen Verzögerungen kommen.

Die britische Regierung setzt deshalb auf neue IT-Systeme, um die Abfertigung flüssig zu gestalten. Diese befinden sich allerdings noch in der Entwicklung und wurden bisher nicht getestet. Den Plänen Londons zufolge werden LKWs mit einer Strafe von umgerechnet 325 Euro belegt, wenn die Fahrer nicht die erforderlichen Papiere präsentieren können - auf den provisorischen Parkplätzen müssen sie dann außerdem so lange warten, bis die neuen Dokumente vorliegen.

Johnson fordert die EU heraus

Großbritannien hat die EU am 31. Januar 2020 verlassen. Die Verhandlungen zwischen beiden Seiten um ein Freihandelsabkommen nach Ende der Brexit-Übergangsphase am Jahresende stecken derzeit in einer Sackgasse.

Die Fronten in den Brexit-Gesprächen haben sich zuletzt verhärtet. Premierminister Johnson hat angekündigt, sich in einem geplanten Gesetz für den britischen Binnenhandel in Teilen über den von ihm selbst ausgehandelten und unterschriebenen Scheidungsvertrag mit der EU hinwegzusetzen. Die EU pocht aber darauf, dass sich London an den Vertrag und die Zusage halten muss, keine sogenannte harte Grenze zwischen der britischen Provinz Nordirland und dem EU-Land Irland zuzulassen.

Quelle: ntv.de, jga/rts