Wirtschaft

Streckennetz ausgedehnt Lkw-Maut gilt jetzt auf allen Bundesstraßen

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Kontrollstelle zur Erfassung der Lkw-Maut an der Bundesstraße 87 zwischen Frankfurt (Oder) und Müllrose.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit über zehn Jahren zahlen Lkw-Unternehmen Mautgebühren auf deutschen Autobahnen. Ab heute gilt das auch für alle Bundesstraßen. Damit sichert sich der Bund eine zuverlässige Quelle für Investitionen in strapazierte Fahrbahnen und Brücken.

Mehr als 13 Jahre nach ihrer Einführung auf den Autobahnen gilt die Lkw-Maut ab Juli auch auf allen Bundesstraßen in Deutschland. Der Betreiber Toll Collect schaltete um Mitternacht ein deutlich erweitertes Streckennetz für sein Abrechnungssystem frei. Bisher mussten Lastwagen ab 7,5 Tonnen bereits für rund 2300 Kilometer auf den Bundesstraßen zahlen. Nun wurde die Mautpflicht auf das gesamte, 39.000 Kilometer lange Bundesstraßen-Netz ausgedehnt.

Der Bund erwartet aus der Lkw-Maut künftig Einnahmen von im Schnitt 7,2 Milliarden Euro pro Jahr, wenn zum 1. Januar 2019 auch neue Tarifsätze gelten. Das sind rund 2,5 Milliarden Euro mehr als bisher. Abzüglich der Kosten für den Systembetrieb ist das Geld für Investitionen in die Straßen reserviert. Da etwa acht Prozent der Bundesstraßen in der Regie der jeweiligen Länder liegen, bekommen sie den entsprechenden Einnahme-Anteil. Die Ausdehnung auf alle Bundesstraßen hatte noch die vorige große Koalition beschlossen.

Neuer Betreiber gesucht

Toll-Collect-Chef Hanns-Karsten Kirchmann sagte, die Ausweitung unter laufendem Betrieb habe gezeigt, wie flexibel das Mautsystem ist. Das gebührenpflichtige Netz wächst nun auf einen Schlag von rund 15.000 auf 52.000 Kilometer. Der Betreiber schaltete dafür in seinem System ein Streckenmodell mit 140.000 Tarifabschnitten aktiv, das auch kurzfristige Änderungen wie Baustellen abbildet. Überwacht wird die Maut von mobilen Kontrollen des Bundesamts für Güterverkehr. Daneben gibt es 300 Kontrollbrücken an Autobahnen. An den Bundesstraßen sollen nun zudem 600 Kontrollsäulen automatisch überprüfen, ob Lastwagen die Nutzungsgebühr entrichten.

Toll Collect rechnet damit, dass durch die Ausdehnung des Netzes zusätzliche 140.000 Lkw aus dem In- und Ausland zahlen müssen. Fahrzeuge von Straßenreinigung und Winterdienst bleiben davon befreit, nicht aber Müllwagen und Fahrzeuge für die öffentliche Strom-, Gas- und Wasserversorgung. Das Transportgewerbe protestiert scharf gegen die Mehrbelastungen und warnt vor höheren Preisen für Verbraucher. Die Bundesregierung widersprach dieser Prognose.

Zur Zukunft des Lkw-Mautsystems stehen in naher Zukunft weitere wichtige Entscheidungen an. Der Vertrag mit Toll Collect endet am 31. August. Dann gehen dessen Anteile zunächst für sechs Monate an den Bund. Noch in diesem Jahr soll dann ein neuer Betreiber den Zuschlag bekommen, der ab 1. März 2019 den Mautbetrieb übernehmen wird.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

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