Wirtschaft

Thiele-Witwe hält nur 10 Prozent Lufthansa-Großaktionär stieß Anteile ab

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Großaktionär Thiele sah den Einstieg des Staates bei der Lufthansa als Problem.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Lufthansa-Großaktionär Thiele stemmte sich zunächst gegen die staatliche Rettung der deutschen Vorzeigeairline. Erst nach seiner Zustimmung war der Weg für das Neun-Milliarden-Paket frei. Nach dem überraschenden Tod des Milliardärs wird klar: Er hat sein Investment zurückgefahren.

Der vor einem Monat gestorbene Milliardär Heinz Hermann Thiele hat offenbar noch vor seinem Tod seine Beteiligung an der Lufthansa reduziert. Als das Aktienpaket an seine Witwe Nadia Thiele überging, umfasste es nur noch 10,04 Prozent an der angeschlagenen Fluggesellschaft, wie aus einer in der Nacht veröffentlichten Stimmrechtsmitteilung hervorgeht. Das Paket ist gut 630 Millionen Euro wert.

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Thiele war in der Corona-Krise in größerem Stil bei der Lufthansa eingestiegen. Er hatte den Einstieg des Staates zur Rettung der Fluggesellschaft zunächst kritisiert, dann im vergangenen Juni aber doch zugestimmt. Zugleich prognostizierte Thiele, dass die Sanierung der deutschen Fluglinie "fünf bis sechs Jahre" dauern werde und sagte der Lufthansa einen "schmerzhaften Weg" voraus. Das staatliche Hilfspaket hatte ein Volumen von neun Milliarden Euro.

Weiter Mehrheitseigner bei Knorr Bremse und Vossloh

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Im Juli 2020 hatte die KB Holding, in der Thiele seine Aktien an börsennotierten Unternehmen gebündelt hatte, noch einen Anteil von 12,42 Prozent gemeldet. Die Anteile an der Lufthansa sollen ebenso wie Thieles Mehrheitsbeteiligungen an dem Lkw- und Bahn-Zulieferer Knorr-Bremse und dem Bahntechnik-Konzern Vossloh bis zum Jahresende in eine Stiftung eingebracht werden. Das habe Thiele in seinem Testament festgelegt. Der Familienstiftung und Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff gehören dann 59 Prozent an Knorr-Bremse und 50,1 Prozent an Vossloh. "Heinz Hermann Thieles Wunsch war es, sein Lebenswerk langfristig abzusichern", erklärte Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller, ein Vertrauter Thieles. "Genau das wird durch die Gründung der Familienstiftung umgesetzt."

Der Selfmade-Milliardär Thiele hatte bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begonnen, kaufte seinen Arbeitgeber in der Krise 1985 und baute den Münchner Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen aus. 2018 brachte Thiele den Konzern an die Börse. 2011 stieg er bei Vossloh aus dem sauerländischen Werdohl ein. Das "Manager Magazin" zählte ihn mit seiner Familie 2020 zu den acht reichsten Deutschen, mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, mau/rts