Wirtschaft

"Feuert diesen Schwachkopf"Musk und O'Leary veranstalten "Idioten"-Streit

21.01.2026, 13:32 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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Ryanair nutzt den Streit für eine Werbeaktion. (Foto: REUTERS)

"Wer ist hier eigentlich der größere Idiot?" Was wie eine Schulhof-Pöbelei klingt, ist die aktuelle Kommunikationsebene zwischen dem reichsten Menschen des Planeten und dem Chef von Ryanair. Zumindest für die Airline zahlt sich der Zoff aus.

Wenn der reichste Mann der Welt und der König der Billigflieger aufeinandertreffen, bietet es sich an, das Popcorn hervorzuholen. Elon Musk und Ryanair-Chef Michael O'Leary sind jeweils für sich schon recht unterhaltsam. Wenn sie sich öffentlich zoffen, wird es noch kurzweiliger.

Der Grund für den Streit der Alpha-Tiere: Ryanair will die Flugzeuge nicht mit dem Satelliten-Internet Starlink ausrüsten, das von Musks Firma SpaceX angeboten wird. O'Leary argumentiert, durch die Starlink-Antennen würden die mehr als 600 Flugzeuge durch höheren Luftwiderstand Kerosin für bis insgesamt zu 250 Millionen Dollar mehr verbrennen. Diese Kosten müssten auf die Ticketpreise umgelegt werden - und viele Passagiere seien nicht bereit, das für die durchschnittlich eine Stunde dauernden Flüge zu bezahlen.

Musk hat dafür kein Verständnis und meinte, O'Leary sei schlecht informiert. Starlink zufolge seien die Antennen für die eigene Wlan-Technik kleiner als andere Antennen und der Luftwiderstand deshalb auch. O'Leary bezeichnete Musk daraufhin in einem Interview als "sehr reichen Idioten" und ergänzte: "Was Elon Musk über Flüge und Luftwiderstand weiß, ist gleich null ... Ich würde ehrlich gesagt nichts beachten, was Elon Musk auf seiner Jauchegrube namens X veröffentlicht."

Das brachte den Multimilliardär mit dem Riesen-Ego auf die Palme. "Der CEO von Ryanair ist ein kompletter Idiot", schrieb er auf X. In einem weiteren Beitrag warf er O'Leary vor, die Auswirkungen des Treibstoffverbrauchs von Starlink "um den Faktor 10" falsch eingeschätzt zu haben, und fügte hinzu: "Feuert diesen Schwachkopf."

Der X-Account von Ryanair legte nach und verspottete Musk während einer gemeldeten Störung auf seiner Plattform mit der Antwort: "Vielleicht brauchen Sie Wlan, @elonmusk?" Derweil ließ Musk auf X darüber abstimmen, ob er die Billigairline kaufen sollte. Später fragte er, ob er dann "Ryan" als wieder als "rechtmäßigen" Boss einsetzen solle. Ryanair-Gründer Tony Ryan war 2007 gestorben. Das Ergebnis: In der Umfrage sprachen sich gut drei Viertel der mehr als 900.000 Teilnehmer für den Kauf der Fluggesellschaft aus.

"Sehr glücklich damit"

Es ist völlig unklar, wie ernst Musk das meint. Er hatte immer wieder den Kauf von Twitter ins Spiel gebracht, kaufte das Netzwerk für rund 44 Milliarden Dollar und benannte es in X um. Leisten könnte sich Musk Ryanair bei einem geschätzten Vermögen von 668 Milliarden Dollar locker - die Airline wird an der Börse mit umgerechnet knapp 43 Milliarden Dollar bewertet.

Für O'Leary ist der Zoff eine Steilvorlage. Er lanciert gerne völlig absurde Ideen, die Schlagzeilen machen - darunter etwa Gebühren für die Toilettennutzung an Bord, die Einführung von Stehplätzen oder der Vorschlag, weniger Piloten pro Flug einzusetzen. O'Leary weiß, dass sich das nicht umsetzen lässt. Aber all das ist kostenlose PR für Ryanair mit dem Ziel, die Fluggesellschaft in der öffentlichen Wahrnehmung als billigsten Anbieter zu verankern.

Ryanair lud also zu einer Pressekonferenz, um den "Twitshit" von Musk einzuordnen. "Musk weiß noch weniger über die Eigentümer-Regeln von Fluggesellschaften als über den Luftwiderstand von Flugzeugen", hieß es in der Ankündigung. Der Hintergrund: In der EU dürfen nur Europäer Mehrheitseigentümer von Fluggesellschaften sein. Ryanair kommt aus Irland.

Zugleich kündigte die Airline auf X eine "Big Idiot Sale" genannte Verkaufsaktion an, bei der 100.000 Sitze zum Preis für "Elon Musk und die anderen Idioten auf X" ab umgerechnet 19,50 Euro angeboten werden. Das Motto: "Buchen Sie heute, bevor Musk einen kriegt!"

Auf der Pressekonferenz verkündete O'Leary, dass sich der Zoff für Ryanair ausgezahlt habe. Die Buchungen seien zwischen zwei und drei Prozent gestiegen. Daher sei er "sehr glücklich damit, die Kontroverse fortzusetzen", sagte er und stichelte in Richtung Musk: "Wenn es hilft, den Umsatz von Ryanair zu steigern, können Sie mich jeden Tag und den ganzen Tag lang beleidigen."

Quelle: ntv.de