Wirtschaft

Draghi und die Griechenland-Bilanzen Notenbanker in Erklärungsnot

Italiens Notenbankchef Mario Draghi gerät in den Strudel der Affäre um gefälschte Statistiken Griechenlands. Für Aufsehen sorgt ein pikantes Detail in Draghis Lebenslauf, das dem Ökonomen nun bei seiner Hoffnung auf den Chefsessel bei der Europäischen Zentralbank zum Verhängnis werden könnte.

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Was wusste Mario Draghi von Bilanztricksereien bei Goldman Sachs für den Euro-Beitritt Griechenland?

(Foto: REUTERS)

Italiens oberster Notenbanker Mario Draghi war zwischen 2002 und 2005 stellvertretender Verwaltungsratschef von Goldman Sachs in London. In dieser Zeit war Draghi zuständig für die Geschäfte mit Staaten und staatlichen Agenturen. Die US-Bank soll dem griechischen Staat durch fragwürdige Finanztransaktionen bei der Verschleierung seines enormen Haushalsdefizits geholfen haben.

Für Draghi kommen diese Details zur Unzeit auf den Tisch, denn er kandidiert gegen Bundesbank-Präsident Axel Weber um den Chefposten des EZB-Präsidenten, der im kommenden Jahr frei wird. Eine mögliche Verwicklung in die dubiosen Griechenland-Deals dürften seine Chancen, Nachfolger von Jean-Claude Trichet zu werden, erheblich schmälern.

Die italienische Notenbank versucht derweil, ihren Chef aus der Schusslinie zu nehmen. "Mario Draghi hatte nichts mit diesen Geschäften zu tun", sagte eine Sprecherin der Zentralbank. Entsprechende Geschäfte hätten vor Draghis Zeit bei der US-Investmentbank stattgefunden. Die Sprecherin betonte, Draghi sei auch in seiner Zeit als Chef des italienischen Schatzamtes in den 90er-Jahren nicht an eventuellen Bilanztricksereien und kreativer Buchführung beim Staatshaushalt beteiligt gewesen. "Transaktionen, die in den 90ern in Italien gemacht wurden, dienten dazu, die Kosten der Verschuldung der öffentlichen Hand zu reduzieren. Sie waren nicht dazu gedacht, die Größe des nationalen Budgets zu maskieren", sagte die Sprecherin. Alle Geschäfte unter der Ägide Draghis seien öffentlich vom europäischen Statistikamt Eurostat überprüft worden.

Die Statistik spielt auch in der Affäre um den auf Basis falscher Angaben erschlichenen Beitritt Griechenlands zur europäischen Währungsunion eine Rolle. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou erklärte derweil am Mittwoch vor dem Parlament in Athen, die 2001 abgewickelten Geschäfte des Staates und Goldman Sachs seien völlig legal und gemäß der Regeln von Eurostat gewesen. Die EU-Kommission hat von Griechenland Aufklärung über die Details der Transaktionen verlangt, die dem Land die Aufnahme in die Währungsunion erst ermöglichten. Eurostat bekommt infolge der Affäre mehr Macht und Kontrollbefugnisse. Griechenland steht wegen seiner massiven Haushaltsprobleme unter Kuratel der EU.

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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