Wirtschaft

Schwächer als die Konkurrenz"Worst-Case-Szenario" bei Novo Nordisk eingetreten - Aktie schmiert ab

23.02.2026, 16:29 Uhr
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Die Zeiten, in denen Novo Nordisk das wertvollste europäische Unternehmen war, sind vorbei. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

In einer Vergleichsstudie erreichen die Probanden mit dem neuen Abnehmmittel von Novo Nordisk etwas weniger Gewichtsverlust als mit dem Konkurrenzprodukt von Eli Lilly. Der Unterschied ist zwar nicht groß, doch für das Unternehmen ist das Ergebnis trotzdem eine Katastrophe. Das wird auch an der Börse deutlich.

Schwerer Rückschlag für Novo Nordisk im Wettstreit um den milliardenschweren Markt für Abnehmmittel: Der als wirksamerer Nachfolger für den Verkaufsschlager Wegovy positionierte Hoffnungsträger CagriSema ist in einer direkten Vergleichsstudie dem Konkurrenzmedikament von Eli Lilly unterlegen. Markus Manns, Portfoliomanager beim Novo-Aktionär Union Investment, sprach von einem "Worst-Case-Szenario". Die Unterlegenheit sei eine völlige Überraschung, denn die Basisannahme sei Gleichstand gewesen: "Niemand hatte auf der Rechnung, dass CagriSema schlechter sein würde."

An der Börse brachen die Novo-Aktien um 15 Prozent ein und fielen auf den tiefsten Stand seit 2021. Damit sind die Kursgewinne seit der Markteinführung des Verkaufsschlagers Wegovy ausradiert. Dessen Erfolg hatte Novo zeitweilig zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht.

In der Studie konnte Novo Nordisk nicht nachweisen, dass CagriSema mindestens ebenso wirksam ist wie der Konkurrenzwirkstoff Tirzepatid von Eli Lilly. Die mit CagriSema behandelten Teilnehmer verloren nach 84 Wochen 23 Prozent ihres Körpergewichts, während die Vergleichsgruppe mit Tirzepatid auf einen Gewichtsverlust von 25,5 Prozent kam. Obwohl der Unterschied beim Gewichtsverlust gering erscheine, sei er für Investoren von entscheidender Bedeutung, sagte Per Hansen vom Broker Nordnet. Eli Lilly habe damit seine Vormachtstellung gefestigt. An der Studie nahmen 809 Menschen mit Fettleibigkeit und mindestens einer Begleiterkrankung teil. Die Papiere von Eli Lilly legten im vorbörslichen US-Handel um vier Prozent zu.

"Ziemlich großer Rückschlag"

Die strategische Dimension des Fehlschlags für Novo Nordisk ist enorm. CagriSema sollte die Geschäfte nach dem Auslaufen der Patente für den Wegovy-Wirkstoff Semaglutid Anfang der 2030er Jahre stützen und dem Konsens zufolge 60 Prozent des künftigen Wachstums ausmachen. Henrik Hallengreen Laustsen, Analyst bei der Jyske Bank, sprach daher von einem "ziemlich großen Rückschlag". Die Experten von J.P. Morgan schrieben, die Unterlegenheit gegenüber dem Lilly-Präparat bedeute, dass es Novo "wahrscheinlich nicht helfen wird, Marktanteile bei Adipositas zurückzugewinnen".

Forschungs- und Entwicklungschef Martin Holst Lange erklärte zwar, man sei mit dem Ergebnis "zufrieden", räumte jedoch ein, von der Leistung des Konkurrenzprodukts "ein wenig überrascht" worden zu sein. Der Konzern setze nun auf eine weitere Studie mit einer höheren Dosierung in der zweiten Jahreshälfte. Analysten zeigten sich jedoch skeptisch: "Die Debatte wird sich nun darauf verlagern, ob eine höhere Dosis von CagriSema die Lücke zu Zepbound schließen kann, aber das ist ungewiss", sagte Emily Field von der Barclays Bank.

CagriSema kombiniert Semaglutid - den Wirkstoff von Novo Nordisks Abnehmspritze Wegovy - mit dem Amylin-Analogon Cagrilintid und soll durch zwei Wirkmechanismen den Appetit stärker zügeln. Jedoch hatten bereits frühere Studienergebnisse bei Anlegern für Enttäuschung gesorgt. Tirzepatid ist bereits auf dem Markt und wird von Eli Lilly unter den Namen Mounjaro und Zepbound vermarktet.

Novo Nordisk hatte im Dezember die Zulassung von CagriSema bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt; eine Entscheidung wird für Ende 2026 erwartet. Der Wettbewerb auf dem Markt für Adipositas-Behandlungen, der bis 2030 ein Volumen von 150 Milliarden Dollar erreichen könnte, verschärft sich zusehends. Auch Konzerne wie Amgen, Roche und AstraZeneca arbeiten an entsprechenden Medikamenten.

Quelle: ntv.de, rog/rts

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