Wirtschaft

"Schwachpunkt der Weltwirtschaft" OECD sieht Eurozone als Wachstumsgefahr

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(Foto: REUTERS)

Reformstau, Ukraine-Krise und Dämpfer aus Fernost: Die OECD streicht ihre Wirtschaftsprognosen zusammen. Der Eurozone stellt sie ein schwaches Zeugnis aus. Auch für Deutschland trüben sich die Aussichten ein - die Experten haben jedoch Ratschläge parat.

Der Euroraum bleibt nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) das Sorgenkind der Weltwirtschaft. Der gemeinsame Währungsraum trete auf der Stelle und "ist zu einem großen Risiko für das weltweite Wachstum geworden", heißt es im jüngsten Wirtschaftsausblick der OECD. Zugleich halbierten die Experten Wachstumserwartung für Deutschland im kommenden Jahr auf nur noch 1,1 Prozent. Als Gründe nannte der Direktor für wirtschaftspolitische Studien bei der OECD, Christian Kastrop, kriselnde EU-Handelspartner, eine sinkende Investitionsnachfrage in China und die Ukraine-Krise mit Russland.

Im Euroraum wird die Wirtschaft laut OECD in diesem Jahr um lediglich 0,8 Prozent wachsen. Im Mai waren noch 1,2 Prozent angenommen worden. Für 2015 senkte die Organisation ihre Prognose von 1,7 auf 1,1 Prozent. "Die Eurozone ist der Schwachpunkt der Weltwirtschaft", sagte Kastrop. Die US-Wirtschaft dürfte dagegen dieses Jahr um 2,2 und kommendes Jahr um 3,1 Prozent zulegen. Für die Weltwirtschaft insgesamt sagte die Organisation 3,3 und dann 3,7 Prozent voraus.

"Bei zu schneller Etat-Sanierung droht Rezession"

OECD-Chefökonomin Catherine Mann rät daher zu weiteren Reformen in wichtigen Wirtschaftsnationen, um das Wachstumspotenzial in Europa zu erhöhen. In Italien und Spanien sollten staatliche Einnahmen und Ausgaben wachstumsfreundlicher gestaltet werden. Für Frankreich forderte Mann eine Reduzierung der Arbeitskosten.

Zugleich sicherte die Organisation Frankreich und Italien die Rückendeckung für eine langsamere Haushaltssanierung zu. Dies sei angesichts der wirtschaftlichen Lage "gerechtfertigt", hieß es. Zu große Haushaltsbemühungen in einigen großen EU-Staaten würden die Wirtschaftstätigkeit "wahrscheinlich" noch weiter dämpfen und könnten den Euroraum "sogar in eine weitere Rezession stürzen". Paris und Rom hatten mehr Zeit beim Defizitabbau gefordert, um das schwache Wirtschaftswachstum nicht durch zu strenge Sparmaßnahmen vollends abzuwürgen.

Reformbedarf in Deutschland - auch ohne Schulden

Für Deutschland warb die OECD für mehr Investitionen in die Kinderbetreuung und den Bildungssektor sowie in die Verkehrsinfrastruktur. Auch müssten Regulierungen im Dienstleistungssektor abgebaut werden, um neues Wachstumspotenzial freizusetzen. Zur Finanzierung schlug sie eine Umstrukturierung der Staatsausgaben vor. "Was gut ist für Wachstum, muss nicht mit Krediten finanziert werden." Auch in Deutschland müsse eine intensive Diskussion über Prioritäten bei den Staatsausgaben geführt werden. OECD-Experte Kastrop sagte, in "Kernländern" der Eurozone wie Deutschland und Frankreich gebe es bei den Strukturreformen "deutlich mehr zu tun".

Mit Blick auf die Europäische Zentralbank (EZB) hieß es, dass diese ihren geldpolitischen Stimulus verstärken sollte. Dazu riet die Organisation der Zentralbank zu einer Politik der "Quantitativen Lockerung", was sie mit der "überaus schwachen Konjunktur" und dem "Deflationsrisiko" begründet. Die OECD-Prognosen sind bereits pessimistischer als die der EZB vom September. Ein direkter Vergleich der Prognosen zeigt, welche "Fallhöhe" die EZB-Stabsprojektionen haben, die am 4. Dezember anstehen und die den Hintergrund der dann zu treffenden geldpolitischen Entscheidungen bilden werden.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa/DJ