Wirtschaft

Bayer als "Weißer Ritter"? Onyx lehnt Amgens Milliardenangebot ab

Der weltgrößte Biotech-Konzern Amgen will seinen Wachstumsappetit mit dem Konkurrenten Onyx stillen. Das US-Unternehmen wehrt sich aber, will sich nicht unter Wert verkaufen. Der liegt laut Amgen bei knapp 10 Mrd. Dollar. Jetzt sind andere Interessenten am Zug.

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Für Amgen könnte die Onyx-Übernahme richtig teuer werden.

In der US-Pharmaindustrie bahnt sich eine der größten Übernahmen der vergangenen Jahre an. Der größte Biotech-Konzern der Welt, Amgen, will für rund 10 Mrd. Dollar den kleineren Rivalen Onyx Pharmaceuticals schlucken. Bei der Onyx-Führung beißt Amgen-Chef Bob Bradway mit dem Vorstoß aber auf Granit: Die Offerte spiegele nicht das Potenzial des Unternehmens wider, teilte die Biotechfirma mit.

Die auch in Frankfurt gehandelte Amgen-Aktie büßte im Zuge der Nachricht zu Wochenbeginn rund 1 Prozent ein. Bayer notierten in einem leicht positiven Marktumfeld unverändert. In der Vergangenheit war auch Bayer als möglicher Interessent für Onyx gehandelt worden.

Onyx zählt zu den Biotech-Unternehmen, die bereits umsatzstarke Medikamente auf den Markt gebracht haben. Die auf Krebsmedizin spezialisierte Firma arbeitet bereits seit Jahren mit Deutschlands größtem Pharmakonzern Bayer bei den Krebs-Präparaten Nexavar gegen Nieren- und Leberkrebs sowie Stivarga gegen Darmkrebs zusammen. Darüber hinaus hatte Onyx 2012 das Blutkrebsmittel Krypolis auf den Markt gebracht, dem manche Analysten Umsätze von drei Milliarden Dollar zutrauen.

Auch andere Interessenten

In Reaktion auf die Amgen-Offerte erklärte Firmenchef Anthony Coles, Onyx habe auch Avancen von anderen Unternehmen erhalten. Der Konzern habe seine Finanzberater beauftragt, mit weiteren möglichen Interessenten Kontakt aufzunehmen. "Wir sondieren aktiv das Potenzial der Option, Onyx mit einem anderen Unternehmen zusammenzuführen, um für Onyx-Aktionäre zusätzlichen Wert zu schaffen", so Coles. Bei Amgen aus dem kalifornischen Thousand Oaks war zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Bayer wollte sich nicht zum Thema Onyx äußern.

Amgen will den Onyx-Aktionären 120 Dollar je Aktie in bar bieten. Das entspricht einem Aufschlag von rund 38 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag, als Onyx-Papiere den Handel mit einem Kurs von 86,82 Dollar beendeten. Der Börsenwert von Onyx liegt aktuell bei rund 6,32 Mrd. Dollar. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 362 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Amgen hat derzeit einen Börsenwert von 74 Mrd. Dollar und erwirtschaftete im vergangenen Jahr Erlöse von 17,3 Mrd. Dollar.

Onyx passt zu Amgen

Nach Einschätzung von Analysten würde Onyx gut zu Amgen passen. Laut Mark Schoenebaum von der ISI Group könnte insbesondere das Onyx-Krebspräparat Krypolis gut in die Vermarktungs- und Vertriebsstrukturen eingegliedert werden. Das Mittel war im Juli 2012 in den USA zugelassen worden. Nach Meinung von Robin Karnauskas von der Deutschen Bank könnte Onyx einem Fusionspartner bis zu 148 Dollar je Aktie wert sein.

Größere Arzneimittel-Hersteller sondieren aktuell verstärkt den Markt nach geeigneten Zukaufszielen, mit denen sie ihren Nachschub an neuen Medikamenten ausbauen können. Denn derzeit laufen bei vielen großen Pharma-Konzernen Patente umsatzstarker Arzneien aus. Aktuell stehen Firmen hoch im Kurs, die Krebspräparate produzieren. Denn der Bedarf an neuen Arzneien in diesem Bereich ist hoch. Zudem lassen sich damit gute Preise erzielen.

Das Fusions- und Übernahmekarussell dreht sich inzwischen in der Gesundheitsbranche wieder schneller. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr Fusionen und Übernahmen im Volumen von 93,6 Mrd. Dollar auf den Weg gebracht - das ist ein Plus von 30,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Zu den bislang größten Transaktionen zählen die 8,5 Mrd. Dollar schwere Übernahme der Pharma-Firma Warner Chilcott durch den Generika-Produzenten Actavis und der 3 Mrd. Dollar teure Kauf von Human Genome Sciences durch den britischen Pharma-Riesen GlaxoSmithKline.

Quelle: n-tv.de, rts

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