Experten skeptischOpec+ beschließt höhere Förderquoten

Der Iran-Krieg treibt die Preise für Rohöl auf den höchsten Stand seit Jahren. Die Organisation erdölexportierender Länder will die Barrel-Menge hochschrauben. Doch so lange die Straße von Hormus geschlossen ist, könnte dies eher ein Tropfen auf dem heißen Stein sein.
Die in der Opec+ zusammengeschlossenen Öl-Länder haben inmitten der durch den Iran-Krieg ausgelösten Mangel-Versorgung an den Energiemärkten eine Erhöhung ihrer Förderquoten beschlossen. Experten zufolge dürfte der Schritt zunächst aber nicht zu einer Verbesserung der Lage führen. Die Mengen sollten im Mai um 206.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag angehoben werden, teilte die Opec+ mit.
Die wichtigsten Mitglieder können ihre Produktion wegen des Krieges aber nicht steigern. Der Iran blockiert seit Ende Februar die Straße von Hormus. Die Meerenge gilt als die weltweit wichtigste Route für Öltransporte. Dadurch fallen die Exporte der Opec+-Mitglieder Saudi-Arabien, Kuwait, Vereinigte Arabische Emirate und Irak aus. Diese Länder waren vor dem Krieg als einzige in der Lage, ihre Produktion deutlich auszuweiten.
Die Rohölpreise sind infolge der Einschränkungen auf fast 120 Dollar pro Barrel gestiegen, den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Das verteuert unter anderem Kraftstoffe weltweit und setzt Verbraucher sowie Unternehmen unter Druck. Regierungen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung zu sichern. Derzeit fehlen dem Markt Schätzungen zufolge zwölf bis 15 Millionen Barrel pro Tag. Dies entspricht bis zu 15 Prozent des weltweiten Angebots.
Erhöhung macht nur kleinen Anteil aus
Die US-Bank JPMorgan warnte am Donnerstag vor einem Preisanstieg auf ein Allzeithoch von über 150 Dollar, sollten die Störungen bis Mitte Mai anhalten. Die beschlossene Quotenerhöhung entspricht weniger als zwei Prozent der ausgefallenen Liefermenge. Sie signalisiere jedoch die Bereitschaft, die Förderung nach einer Wiedereröffnung der Wasserstraße hochzufahren, verlautete aus Opec+-Kreisen.
Das Beratungsunternehmen Energy Aspects bezeichnete die Erhöhung als akademisch, solange die Störungen andauern. In der Realität bringe der Beschluss kaum zusätzliche Mengen auf den Markt, sagte Jorge Leon vom Analysehaus Rystad Energy. "Wenn die Straße von Hormus geschlossen ist, werden zusätzliche Barrel der Opec+ weitgehend irrelevant", erklärte der ehemalige Opec-Mitarbeiter.
Reparaturen dauern Monate
Ein Ausschuss der Opec+ äußerte sich heute besorgt über Angriffe auf Energieanlagen. Deren Reparatur sei teuer und zeitaufwendig, hieß es. Mehrere Vertreter der Golfstaaten erklärten, eine Rückkehr zum Normalbetrieb werde selbst bei einem sofortigen Kriegsende Monate dauern.
Neben den Golfstaaten können zudem andere Länder wie Russland ihre Produktion nicht steigern. In Moskau liegen die Gründe in westlichen Sanktionen und Infrastrukturschäden durch den Krieg mit der Ukraine.
Die Opec+ umfasst 22 Mitglieder, darunter den Iran. An den monatlichen Produktionsentscheidungen sind in den vergangenen Jahren jedoch nur acht Länder beteiligt gewesen. Diese hatten bereits für April eine Erhöhung beschlossen. Die Gruppe hatte 2025 damit begonnen, frühere Förderkürzungen zurückzunehmen, um Marktanteile zurückzugewinnen. Zwischen April und Dezember 2025 hoben die acht Staaten ihre Quoten um etwa 2,9 Millionen Barrel pro Tag an. Für die Monate Januar bis März 2026 legten sie eine Pause ein. Das nächste Treffen der acht Länder ist am 3. Mai.