Wirtschaft

Vier Tage Chaos Pilotenstreik bei der Lufthansa

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Lufthansa und Germanwings veröffentlichten Notfall-Pläne.

(Foto: dpa)

Lufthansa steckt seit Mitternacht im größten Pilotenstreik der deutschen Luftfahrtgeschichte. Der letzte Vermittlungsversuch von Verkehrsminister Ramsauer bleibt ebenso erfolglos wie das Angebot der Pilotenvereinigung Cockpit. Zehntausende Passagiere werden betroffen sein.

Bei der Deutschen Lufthansa hat um Mitternacht der größte Pilotenstreik ihrer Geschichte begonnen. Ein vorerst letzter Vermittlungsversuch von Verkehrsminister Peter Ramsauer hatte am Abend keine Annährung in dem Tarifkonflikt gebracht. Nach Angaben der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ist damit der Streik zumindest für Montag unumkehrbar. Die Gewerkschaft will die Lufthansa sowie ihre Töchter Germanwings und Lufthansa Cargo bis einschließlich Donnerstag bestreiken.

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Der Streik könnte dem Konzern 100 Mio. Dollar kosten.

(Foto: AP)

Die Lufthansa stehe "jederzeit für einen Dialog bereit, auch heute Nacht, auch während des Streiks", sagte ein Sprecher der Gesellschaft. Die Airline fordere die Gewerkschaft zur Rückkehr an den Verhandlungstisch und zu realistischen Tarifverhandlungen.

Der Pilotenstreik könnte sich zum größten Arbeitskampf auswachsen, den die Lufthansa je gesehen hat. Gut 4000 Piloten wollen ihre Arbeit bis Donnerstag niederlegen. Allein bei Lufthansa würden damit zwei Drittel der geplanten Flüge ausfallen. Der Konzern stellt sich auf unmittelbare Umsatzeinbußen von 100 Millionen Euro ein und hat Sonderflugpläne aufgelegt.

Den schwarzen Peter will sich die Piloten-Gewerkschaft aber nicht zuschieben lassen. Ein VC-Sprecher sagte, ein Streik sei nicht gewollt. "Wir sind jederzeit gesprächsbereit, aber zu einem fairen und offenen Dialog ohne Vorbedingungen."

Die VC-Forderung nach einer Beschäftigungsgarantie unter dem Konzerntarifvertrag auch für die zugekauften und neu gegründeten Töchter ist der Knackpunkt in dem Konflikt. Die Gewerkschaft befürchtet einen sukzessiven Abbau der hoch bezahlten Lufthansa-Piloten und die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Die Lufthansa wirft der Gewerkschaft wiederum eine Einmischung in die Geschäftspolitik vor.

"Wir sind bereit, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2012 zu geben", sagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Konzern könne sich jedoch nicht auf die Forderung einlassen, deutsches Tarifrecht auch für Unternehmensteile im Ausland durchzusetzen.

Notfallpläne veröffentlicht

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Gut 4000 Piloten wollen ihre Arbeit bis Donnerstag niederlegen.

(Foto: dpa)

Lufthansa und die ebenfalls betroffene Lufthansa-Tochter Germanwings veröffentlichten Notfall-Pläne. Bei Lufthansa einschließlich der nicht bestreikten Regionaltöchter sollen täglich noch rund 1000 statt 1800 Flieger abheben. Bei Germanwings sieht der Plan vor, zwei Drittel der insgesamt in dieser Zeit geplanten 600 Flüge anzubieten - etwa dank gemieteter Kapazitäten anderer Airlines. Lufthansa-Regionaltöchter wie Cityline werden nicht bestreikt. Die Fluggesellschaften bieten betroffenen Passagieren kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an.

Die Vorbereitungen der Lufthansa, der Flughäfen und auch der Konkurrenten liefen am Wochenende auf Hochtouren. Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf Flughäfen konzentrierten. Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.

Informationen im Internet: www.lufthansa.com, www.germanwings.com; Sonderflugplan Lufthansa: https://dpaq.de/ovHMD)

Kostenlose Rufnummern: 0800-8506070 (Lufthansa) und 0800-6644935 (Germanwings)

Quelle: ntv.de, ddi/dpa/rts/AFP