Wirtschaft

Staat wird immer ärmer Privatvermögen stark gestiegen

In den letzten 20 Jahren hat sich das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland mehr als verdoppelt. Doch die große Mehrheit merkt das kaum, die Werte konzentrieren sich bei den oberen zehn Prozent. Auch von der Lohnentwicklung profitieren vor allem die Besserverdienenden. Das belegt eine Analyse des Bundesarbeitsministeriums.

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50 Prozent der Haushalte teilen sich ein Prozent des gesamten Nettovermögens.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der private Reichtum in Deutschland wird nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" immer größer, das Vermögen des Staates hingegen kleiner. Gleichzeitig würden die Reichsten immer reicher. Die Zeitung beruft sich auf den Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Analyse, die alle vier Jahre herauskommt, wurde vom Bundesarbeitsministerium vorgelegt. Gestern sei sie zur Abstimmung an andere Ressorts in der Bundesregierung gegangen.

Der Wohlstand in Deutschland hat dem Bericht zufolge zuletzt kräftig zugenommen. Maßgeblich sei dabei das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehörten. Das Arbeitsministerium schreibt dazu: "Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt." Das Abschmelzen der Vermögenswerte der öffentlichen Haushalte sei bereits seit zwei Jahrzehnten zu beobachten. Im Zuge der Rettungsmaßnahmen anlässlich der Finanz- und Wirtschaftskrise sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar".

Ostdeutschland holt auf

Das private Nettovermögen hat sich nach den Regierungsangaben allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erhöht. Hinter diesen Zahlen stecke jedoch auch "eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen". So vereinten "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich". Der Anteil dieses obersten Zehntels sei dabei "im Zeitverlauf immer weiter gestiegen". 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland habe sich dabei verringert, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen seien es nur 55.000 Euro.

Inflation frisst Löhne

Große Unterschiede verzeichnet die Analyse auch bei der Lohnentwicklung: Sie sei "im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend" gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", wird dazu angemerkt.

Trotzdem werde in dem Bericht der Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung verteidigt. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

Quelle: n-tv.de, rts

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