Wirtschaft

Anleger hoffen auf NahostfriedenRally an der Wall Street legt kleine Pause ein

16.04.2026, 22:51 Uhr
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Nach den Höchstständen am Mittwoch fragen sich die Analysten, wie es jetzt weitergeht. (Foto: AP)

Der Krieg im Nahen Osten bleibt das Hauptaugenmerk der US-Anleger. Nach der Rally vom Mittwoch kehrt an der Wall Street etwas Ruhe ein, doch die Hoffnungen auf einen Friedensschluss sind hoch. Die Konjunkturdaten lassen die Analysten kalt.

Die US-Börsen haben sich etwas fester gezeigt und die Kursrallye hat eine Pause eingelegt. Die Vereinbarung auf eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon sorgte bei Anlegern für vorsichtigen Optimismus. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump haben die beiden Länder einer zehntägigen Waffenruhe zugestimmt. Dies könnte einen Stolperstein für ein Friedensabkommen im Nahen Osten beseitigen. Nachdem der S&P-500-Index und der Nasdaq-Composite am Mittwoch eine rasante Rallye mit Rekord-Schlusständen hingelegt hatten, fragten sich die Marktteilnehmer nun, wie es weitergeht.

Kleinere tägliche Schwankungen könnten nach Einschätzung von Frank Cappelleri, Gründer des Analyseunternehmens Cappthesis, sogar "gesund" sein. "Wenn die Geschichte als Maßstab dient, wäre die nächste Phase idealerweise ein langsamerer und geordneterer Aufwärtstrend nach diesem anfänglichen Schub", sagte er und schätzte, dass sich das Tempo nun zwangsläufig gegenüber dem verlangsamen wird, was die US-Börsen gerade gesehen hätten. Es komme nun darauf an, wie die nächste Phase der Gewinnmitnahmen ablaufe und im besten Fall finde der Markt auf einem höheren Niveau Boden, so Cappelleri. Das wäre eine Bestätigung für einen intakten Aufwärtstrend, was zeigt, dass der Optimismus so groß ist, dass Investoren nicht mehr warten, bis der Preis ganz unten ist, sondern schon früher zugreifen. Wenig Einfluss hatten die veröffentlichten US-Konjunkturdaten wie etwa die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung oder die Lage der US-Industrie in der Region Philadelphia, letzterer hatte sich im April wider Erwarten leicht aufgehellt.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,2 Prozent auf 48.579 Punkte, der S&P-500 sah ein Plus von 0,3 Prozent und der Nasdaq-Composite stieg um 0,4 Prozent. Den 1363 (Mittwoch: 1483) Kursgewinnern an der Nyse standen 1351 (1236) Verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 96 (95) Titel. Die als "Magnificent Seven" bekannten großen Tech-Aktien notierten größtenteils im Minus, wobei Tesla (-0,8 Prozent) und Apple (-1,1 Prozent) die deutlichsten Verluste verzeichneten. Da diese sieben Firmen einen überproportionalen Einfluss auf den S&P-500 haben, hielten sie den Index in Schach.

Ölpreise steigen kräftig

Bei den Einzelwerten gab erneut die Berichtssaison den Takt vor. Die Maßnahmen zur Neuausrichtung der Snack-Sparte haben sich für Pepsico ausgezahlt. Der US-Konzern steigerte im ersten Quartal Gewinn und Umsatz stärker als erwartet und bekräftigte den Ausblick. Die Aktie gewann 2,3 Prozent. Der Versicherer Travelers hatte zwar für das erste Quartal einen höheren Gewinn gemeldet, allerdings zeigten sich Anleger bei der Dividende etwas enttäuscht. Der Aktienkurs reduzierte sich um 0,2 Prozent. Abbott Laboratories hatte den Ergebnisausblick für das Gesamtjahr gesenkt, um einer jüngsten Übernahme Rechnung zu tragen. Der Kurs von Abbott rutschte um 6 Prozent ab. J.B. Hunt Transport Services (+6,3 Prozent) hatte im ersten Quartal, gestützt durch höhere Umsätze im Intermodalgeschäft, einen höheren Umsatz und Gewinn verbucht. Nach US-Börsenschluss folgen unter anderem noch Netflix und Alcoa.

Die Ölpreise legten wieder deutlicher zu. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zur Schlussglocke um 3,2 Prozent auf 98,09 US-Dollar. Die USA haben erklärt, dass sie mit dem Iran in Verbindung stehende Schiffe auch außerhalb des Nahen Ostens verfolgen und die Blockade so lange wie nötig fortsetzen werden. "Die USA erhöhen den Druck auf den Iran, indem sie seine Ölexporteinnahmen unterbinden", so die Analysten von DNB. Unterdessen gebe es "immer noch keine Garantie, dass der Waffenstillstand verlängert wird".

Der Dollar stieg ebenfalls und der Dollar-Index legte um 0,2 Prozent zu. Marktteilnehmer verwiesen darauf, dass noch Unsicherheit herrsche über den Zeitpunkt der erwarteten neuen Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran. Gold hatte sich im Handelsverlauf zwar von dem Vortagesminus erholt, zeigte sich aber zur Schlussglocke dann unverändert bei 4790 Dollar je Feinunze. "Die Bewegung bei Gold wurde durch ein Umfeld unterstützt, in dem Anleger ein Gleichgewicht zwischen Risikoanlagen und sicheren Anlageinstrumenten suchen", meinte Antonio Di Giacomo von XS.com. Er fügt hinzu, Gold habe in den letzten Wochen bei höherer Handelsvolatilität Widerstandsfähigkeit gezeigt. Die Haltung gegenüber Edelmetallen sei jedoch nach wie vor eher spekulativ als eine Entscheidung für einen sicheren Hafen.

Die Renditen am US-Anleihemarkt zogen zum Handelsende etwas an und die Zehnjahresrendite kletterte um 3 Basispunkte auf 4,31 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen dürfte kaum über 4,5 Prozent steigen, meinte Chip Hughey von Truist. Die Renditen sind im vergangenen Monat stark gestiegen, da der Krieg im Iran die Ölpreise in die Höhe getrieben hat. Die Zehnjahresrendite hat am 27. März mit 4,44 Prozent ihren Höchststand erreicht und liegt weiterhin über dem Vorkriegsniveau. "Die Festschreibung länger laufender festverzinslicher Wertpapiere wurde mit diesem wirklich abrupten Anstieg der Renditen attraktiver", sagte Hughey. Er fügt hinzu, dass die Art von Inflationssorgen, die die Benchmark-Rendite über 4,5 Prozent treiben würden, auch Wachstumssorgen auslösten, die typischerweise den gegenteiligen Effekt hätten. Dieses hohe Niveau könnte Anleger auch dazu veranlassen, Aktien zu verkaufen und Anleihen zu kaufen, was die Renditen ebenfalls begrenzen würde.

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Quelle: ntv.de, mau/DJ

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