Wirtschaft

Anleihen fast Ramsch Russland verliert an Kreditwürdigkeit

Der Konflikt mit der Ukraine hat Konsequenzen für die Kreditwürdigkeit Russlands. S&P senkt die Bonität, die sich damit Ramschniveau nähert. Sollte das Land mit weiteren Sanktionen belegt werden, sind weitere Abstufungen wahrscheinlich.

Russlands Kreditwürdigkeit gerät wegen der Ukraine-Krise zusehends unter Druck. Nun senkte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) den Daumen: Die Bonitätsnote wurde um eine Stufe auf "BBB-" reduziert. Das ist nur eine Stufe über dem sogenannten "Ramschbereich" (Non Investment Grade), der spekulative Anlagen kennzeichnet.

Russland hatte in den vergangenen Wochen mehrere Auktionen von Staatsanleihen abgesagt. Die Nachfrage war zu gering und die von Investoren verlangte Rendite damit zu hoch. Die Abstufung durch S&P könnte die Refinanzierungskosten des Landes weiter in die Höhe treiben. Mit Moody's und Fitch haben auch die beiden anderen großen Ratingagenturen in Aussicht gestellt, die Bonität Moskaus zu senken. Russische Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentieren derzeit knapp über neun Prozent.

Anleger ziehen Kapital ab

Der Ausblick für das S&P-Rating ist negativ, was weitere Abstufungen erwarten lässt. Auslöser dafür könnten etwa schärfere Sanktionen des Westens sein, schreibt die Agentur. Wegen der Ukraine-Krise haben die USA und die EU bereits erste Sanktionen gegen Russland verhängt, die US-Regierung drängt die Europäer derzeit auf eine Verschärfung dieser Maßnahmen. S&P hat recht schnell auf die jüngste Zuspitzung der Lage in der Ukraine reagiert. Erst Mitte März hatte die Agentur Russland mit einer Abstufung gedroht, als sie den Ausblick für das Rating auf negativ senkte.

Den jetzigen Schritt begründen die Bonitätsprüfer vor allem mit dem gewaltigen Kapitalabfluss aus Russland. In den ersten drei Monaten 2014 hätten Investoren insgesamt 51 Milliarden Dollar aus dem Land abgezogen, so S&P. Das erhöhe das Risiko für die ohnehin lahmende Wirtschaft des Landes. Die angespannte geopolitische Situation zwischen Russland und der Ukraine könnte für weitere Abflüsse sowohl ausländischen als auch heimischen Kapitals sorgen und die schwachen Wachstumsaussichten weiter unterminieren.

Moskau hatte nach einem international nicht anerkannten Referendum Mitte März die Halbinsel Krim in sein Staatsgebiet aufgenommen. Derzeit halten zudem in mehreren Städten im Osten der Ukraine prorussische Gruppen Verwaltungsgebäude besetzt. Das ukrainische Militär hatte jüngst einen Einsatz in der Region gestartet. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Russland drohte der Regierung in Kiew mit "Konsequenzen".

Quelle: ntv.de, jga/dpa/AFP/DJ