Wirtschaft

"Portugal geht unter" Schuldenkrise ist zurück

Alles nur Panikmache? Oder ist doch etwas dran: Aus EU-Kreisen mehren sich Stimmen, die Portugal wieder tief in der Schuldenkrise sehen. Bereits in wenigen Wochen könnte es unter den Euro-Rettungsschirm Zuflucht suchen. Die Regierung des südeuropäischen Landes versucht zu beruhigen.

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Portugal braucht jeden Euro.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ruhe währt nur kurz, nun scheint die Euro-Schuldenkrise wieder mit voller Wucht zuzuschlagen: Die Länder der Europäischen Union sind Kreisen zufolge zunehmend beunruhigt über die Schuldenkrise Portugals. Sie gingen davon aus, dass das südeuropäische Land bis April wohl doch unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss, hieß es in Kreisen der Euro-Zone. "Portugal geht unter. Es wird sich nicht über Ende März hinaus halten können", sagte eine nicht näher bezeichnete Quelle der Nachrichtenagentur Reuters. An den Finanzmärkten herrsche bereits Konsens darüber, nun auch bei den EU-Finanzministern.

Portugal wehrt sich bislang vehement gegen Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) und will die Schuldenkrise aus eigener Kraft bewältigen.

Verschiedene Aussagen

Die portugiesische Zeitung "Jornal de Negocios" berichtete ohne Angabe von Quellen, Deutschland habe Portugal zu einer schnellen Annahme der Finanzhilfe noch vor dem EU-Gipfel im März geraten. Bereits Ende vorigen Jahres hatte die Bundesregierung nach dem Auftauchen ähnlicher Gerüchte mitgeteilt, sie dränge niemanden unter den Rettungsschirm. Dies entspreche nicht ihrer Strategie.

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Jose Socrates und seine Regierung fahren einen rigiden Sparkurs.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der portugiesische Kabinettsminister Pedro Silva Pereira betonte unterdessen, sein Land unternehme alle Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise. Falls Europa jedoch mit einer umfassenden Antwort auf die Krise zögere, werde dies den Euro und alle EU-Mitgliedstaaten beschädigen. "Deshalb lautet unsere Botschaft: Portugal macht seine Arbeit. Aber Europa muss auch seinen Part übernehmen", sagte der Minister.

Krisentief noch nicht erreicht?

Der im Mai geschaffene Euro-Rettungsschirm EFSF über 440 Mrd. Euro kann wegen der erforderlichen Deckung nur rund 250 Mrd. Euro an Kreditvolumen für überschuldete Euro-Länder liefern. Die Euro-Staaten streiten schon seit Monaten darüber, wie die Diskrepanz überwunden werden kann. Im Januar verständigten sie sich auf ein effektives Kreditvolumen von 440 Mrd. Euro. Deutschland ist aber nur zur Aufbesserung des EFSF bereit, wenn sich die Euro-Länder zu Reformen verpflichten, um die Ursachen der Schuldenkrise zu bekämpfen. So fordern Deutschland und Frankreich einen Pakt für Wettbewerbsfähigkeit. Die Euro-Chefs wollen bei einem Sondergipfel am 11. März über das Reform-Paket beraten.

Viele Experten gehen davon aus, dass Portugal seine Schuldenkrise ohne Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds nicht lösen kann. Kreisen zufolge hat das Land den Tiefpunkt der Krise noch nicht erreicht, nähere sich ihm aber an. Mit ihrem drastischen Sparprogramm versucht Portugal, verloren gegangenes Vertrauen bei Investoren zurückzugewinnen. Sie will das Staatsdefizit in diesem Jahr von rund sieben auf 4,6 Prozent drücken - die EU-Verträge erlauben maximal 3 Prozent.

Quelle: ntv.de, rts

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