Wirtschaft

"Könnte Kryptowährung zerstören" Selbsternannter Bitcoin-Erfinder verurteilt

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Craig Wright in einem Youtube-Interivew: Würde Satoshi Nakamoto das tun?

(Foto: Screenshot Youtube/crypto finder)

Craig Wright behauptet von sich selbst, Bitcoin erfunden zu haben und mehr als eine Million der Münzen zu besitzen. Nun soll er die Hälfte davon an die Erben seines Ex-Partners auszahlen. Das könnte der Kryptowährung erheblich schaden. Doch Wright sorgt sich vor allem um seine Kinder.

Diese Entscheidung könnte das Bitcoin-Universum erschüttern: Ein Richter in Florida hat Craig Wright, der sich selbst als Erfinder der Kryptowährung ausgibt, dazu verurteilt, Bitcoin im Wert von angeblich rund fünf Milliarden Dollar an die Erben seines ehemaligen Geschäftspartners auszuzahlen. Gleichzeitig befand der Richter Wright des Meineids und der Urkundenfälschung für schuldig. Wright will nun 500.000 Bitcoin überweisen und warnte in einem Interview mit dem Krpyptomagazin "Modern Consensus", das könne "die ganze Krypto-Wirtschaft zerstören".

Seit Jahren behauptet der gebürtige Australier Wright, unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto die bis heute bedeutendste Digitalwährung, Bitcoin, erfunden zu haben. In der Anfangszeit, als die Kryptomünzen nahezu wertlos waren, will Wright mit seiner IT-Sicherheitsfirma mehr als eine Million Bitcoin erzeugt haben. Die hätten heute einen Wert von zehn Milliarden Dollar oder mehr. Auf diese Behauptungen hin klagte der Bruder und Nachlassverwalter von Wrights inzwischen verstorbenem Geschäftspartner Ira Kleinman vor dem kalifornischen Gericht. Kleinman beziehungsweise seinen Erben stehe die Hälfte des Bitcoin-Vermögens zu.

Der Prozess wurde von der Bitcoin-Community mit Spannung beobachtet. Denn erstens könnte er Hinweise liefern, ob Wright tatsächlich der ominöse Nakamoto ist. Und zweitens: Sollten Hunderttausende Bitcoin tatsächlich an die Erben ausgezahlt werden, könnten das den Kurs der Krpytowährung zum Einsturz bringen. Kleinmans Erben könnten, so die Befürchtung, einen Großteil ihrer Bitcoin auf den Markt werfen oder sogar gezwungen sein, das zu tun. Denn auf den milliardenschweren Nachlass fällt 40 Prozent Erbschaftssteuer an. Das dürften mehr als 1,6 Milliarden Dollar sein, die die Familie wohl kaum zahlen kann, ohne die entsprechende Menge an Münzen zu verkaufen.

"Denkt ihr, dass ich mich beschweren werde?"

Kann Wright die Münzen tatsächlich überweisen, wäre das zumindest ein starkes Argument dafür, dass er Satoshi Nakamoto ist. Beobachter bezweifeln aber, dass Wright wirklich so viele Bitcoin besitzt. Den Prozessausgang interpretierte er als Erfolg: Der Richter habe mit der Verurteilung anerkannt, dass Wright der Bitcoin-Erfinder sei. Denn sonst könnte er ja nicht über die Münzen verfügen, die er nun abgeben solle, erklärte sein Sprecher in einer E-Mail an "Bloomberg".

Der Richter wies diese Interpretation seiner Entscheidung allerdings ausdrücklich zurück: "Ich habe nicht zu entscheiden und ich werde nicht entscheiden, ob Dr. Wright Satoshi Nakamoto ist", betonte er. "Ich muss auch nicht entscheiden und ich werde nicht über die Zahl der Bitcoin entscheiden, die Dr. Wright heute kontrolliert." Das Urteil legt lediglich fest, dass die Hälfte von Wrights Münzen Kleinmans Erben zusteht. Die Angabe, dass es mehr als eine Million seien, stammt von Wright.

Wright selbst sagte, er wolle das Urteil akzeptieren: "Denkt ihr, ich werde mich beschweren, weil ich nur sechs Milliarden Dollar behalten darf?", gab er bei "Modern Consensus" zu Protokoll. Nur ein Gesichtspunkt an dem öffentlichen Urteil störe ihn: "Das ist beängstigend: Jetzt werden meine Kinder erfahren, dass wir die Milliarden haben. Das könnte ihr ganzes Leben verändern."

Das Urteil der Bitcoin-Anleger darüber, ob Wright Nakamoto ist und über die Bitcoin verfügt, die die Währung zerstören könnten, ist nach Ende des Prozesses eindeutig: Der Bitcoin-Kurs bewegte sich nach Bekanntwerden des Urteils fast gar nicht. Offenbar glaubt niemand Wright und seinen Warnungen.

Quelle: n-tv.de, mbo

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