Wirtschaft

Der Wahnsinn hat Methode So profitieren Sie von Börsen-Kapriolen

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Corona-Krise und ein Hilfspaket nach dem anderen bestimmen die Nachrichtenlage. An der Börse aber läuft eine ganz eigene Party. In der dunkelsten Stunde strahlen die Kurse ziemlich hell.

Vergangene Woche war es so weit: Der S&P 500, immerhin Leitindex in den USA, lag über seinem Stand vom ersten Januar und hat den Corona-Absturz damit überwunden. Der deutsche Aktienindex verzeichnete seit seinem Tief im März einen Anstieg von 55 Prozent. Alle weiteren Daten lassen sich zusammenfassen in einem Wort: Rally. Optimistische Anleger feiern eine Party, und sie distanzieren sich sozial damit von den Ängsten und Sorgen der Bevölkerung. Wie passt das zusammen?

Um die V-förmige Erholung am Aktienmarkt zu verstehen, muss man sich in die Psychologie von Investoren hineinversetzen. Im März sah es übel aus an den Börsen, und der Dax wies 45 Prozent Kursverlust binnen weniger Wochen auf.

Börsianer sind oft und fälschlicherweise pro-zyklisch. Sie verkaufen also, wenn es nach unten geht und kaufen, wenn es nach oben geht. Das führt dazu, teuer zu kaufen und billig zu verkaufen.

Dazu beschleunigen sogenannte Volatilitätsmodelle die Bewegungen. Dies bedeutet, dass aktive Fondsmanager absichern, wenn die Angst steigt und dass sie Positionen aufbauen, wenn die Angstbarometer sinken. Im Wesentlichen ist dies grundfalsch und genau das Gegenteil dessen, was man privaten Anlegern raten sollte: Nämlich, die Hand aufzuhalten, wenn es unruhig ist, und zu verkaufen, wenn alle entspannt sind. Entsprechend mies sehen durch die Bank aktive Fonds aus, wie die Auswertungen der letzten Wochen zeigen.

Kaufdruck und Zockerei bestimmen den Aktienhandel

Damit ist die aktuelle Kursrally aber nur teilweise erklärt. Fondsmanager, die nicht investiert waren, mussten hinein, und kauften den Markt weiter rauf. Zugleich aber kommt eine Portion Irrationalität dazu. Ein Beispiel: In den letzten Monaten gingen in den USA die Konzerne JC Penney und Hertz pleite. Beide wurden zuletzt aber mit Kurssteigerungen an einzigen Tagen von mehr als 100 Prozent belohnt - nach dem Motto vieler privater Anleger, einfach jede Aktie von noch so gefährdeten Unternehmen zu kaufen in der Hoffnung, dass andere genauso mitzocken.

Auch Aktien von Kreuzfahrtkonzernen sowie Airlines waren stark gesucht, allein aus der Perspektive, dass irgendwann wieder gefahren oder geflogen wird. Gewinne oder Umsatzperspektiven werden nicht beachtet, so scheint es zumindest. Die meisten Konzerne gaben nach dem ersten Quartal aufgrund von Corona keinen Ausblick. Die Schlussfolgerung war, dass dies positiv zu werten ist. Kein Ausblick bedeutet nämlich gleichzeitig kein negativer Ausblick. Klingt absurd, ist aber die aktuelle Wahrnehmung.

Alternative für ruhige Köpfe

Dennoch wird die Börse irgendwann wieder zur Realität zurückfinden, und dafür sollte man sich präparieren, wenn man jetzt stark investiert ist. Zumindest teilabsichern sollte man sein Depot nach dem größten Anstieg der US-Börsen in einem 50-Tage-Zyklus. Die Notenbanken können durch lockere Geldpolitik viele Probleme lösen, aber längst nicht alle.

Turbo-Bear-Papiere, mit dem Anleger auf fallende Kurse zur Absicherung setzen, sind daher aktuell eine Möglichkleit. Die Turbos mit der WKN UD3BLK (UBS) oder der WKN JM6HZ0 (JP Morgan) auf den Dax sind moderat mit 5 beziehungsweise 3 gehebelt.

Ein Turbo-Bear ist ein Hebelpapier, bei dem Anleger überproportional an der Kursentwicklung im Index partizipieren, hier mit dem Faktor 5 beziehungsweise 3. Da die Turbos als Absicherung eingesetzt werden, gleichen sie Verluste im Index bei fallenden Indexnotierungen aus, da Bear-Hebelpapiere in diesem Fall an Wert zulegen. Bei steigenden Kursen verlieren die Turbos dagegen, aber in diesem Fall gleicht der Gewinn im Index die Verluste bei der Absicherung mit Turbo-Bear-Papieren aus.

Auf den S&P 500 können die Bear-Papiere mit der WKN MF7K40 (Morgan Stanley) oder etwa die WKN DF90MK (DZ Bank) mit Hebeln von 4 und 6 in einem stark investierten Depot als Sicherung dienen.

Alternativ hält man einen hohen Cash-Anteil von mindestens 40 Prozent im Depot, um das Aktienkursrisiko gering zu halten. Diese Aufteilung lässt sich je nach Risikoeinstellung noch weiter erhöhen. So überstehen Anleger auch die verrückte Corona-Zeit.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten wie beispielsweise Turbo-Bear-Papieren dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Daniel Saurenz betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an

Quelle: ntv.de