Wirtschaft

Angst vor Zahlungsausfall Spanien zupft am Rettungsschirm

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Hinter den europäischen Kulissen bewegt sich was.

(Foto: REUTERS)

Der Druck auf Spanien nimmt zu. An den Finanzmärkten wächst die Sorge, dass das Land möglicherweise komplett unter den EU-Rettungsschirm treten muss. Regierungskreise berichten, dass Madrid sich vorsorglich eine Unterschlupfmöglichkeit unter den EFSF sichern will, um einen Zahlungsausfall zu verhindern.

Spaniens Regierung erwägt nach einem Bericht der Zeitung "El Economista" nun doch, einen vollen Antrag auf Rettung vor einem Zahlungsausfall zu stellen. Wie das Blatt unter Berufung auf "der Regierung nahe stehende Kreise" schreibt, wird ein solcher Schritt für den Fall erwogen, dass sich die Europäische Zentralbank anhaltend weigert, wieder spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu kaufen.

Spanien bräuchte diese Hilfe nur vorübergehend, bis eine einheitliche europäische Bankenaufsicht und der Rettungsfonds ESM eine langfristige Lösung böten, heißt es. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte zu Wochenbeginn noch ausgeschlossen, dass sein Land umfassende Finanzhilfe aus dem Euro-Rettungsfonds beantragen werde.

Im Oktober wird es eng

Die Zeitung schreibt: "Die Analysten sind sich einig: Wenn der Druck auf die spanischen Anleihen anhält und das Schatzamt den Marktzugang verliert, wäre Spanien nicht in der Lage, die im Oktober anstehenden Anleihetilgung von nahezu 28 Mrd. Euro zu leisten."

De Giundos trifft an diesem Dienstag in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zusammen. Themen dürften die Milliardenhilfen für Spaniens marode Banken sowie die Auflagen der EU für diese Hilfen sein. Darüber hinaus will der spanische Wirtschaftsminister beide aber auch dafür gewinnen, sich bei den deutschen EZB-Vertretern für eine Wiederaufnahme der Staatsanleihekäufe einzusetzen.

Nervöse Zuckungen am Rentenmarkt

Kurz vor einer neuen Anleihe-Emission durch Spanien steigt die Nervosität an den Finanzmärkten wieder: Erstmals seit 2001 sind die Renditen für fünfjährige spanische Staatsanleihen über diejenigen der zehnjährigen Papiere gestiegen. Die Renditen der fünfjährigen Papiere lagen zuletzt bei 7,45 Prozent, die der zehnjährigen Anleihen bei 7,436 Prozent.

Üblicherweise erhalten Anleger für Anleihen mit einer kürzeren Laufzeit weniger Rendite als für Langläufer. Kehrt sich dies um, deutet das in der Regel darauf hin, dass das Risiko für einen Zahlungsausfall an den Märkten höher eingeschätzt wird.

Gleichzeitig wird die kurzfristige Geldaufnahme immer teurer: Bei einer Auktion von kurzlaufenden Schuldverschreibungen musste das krisengeschüttelte Euroland wieder höhere Zinsen bieten, um an frische Mittel zu kommen. Das geht wie aus Angaben des nationalen Schatzamts hervor. Insgesamt konnte Madrid 3,05 Mrd. Euro bei Anlegern aufnehmen und sein Maximalziel damit leicht übertreffen.

Allerdings steigt dabei der Zinsdruck. Um sich für drei Monate Geld zu leihen, wurde eine durchschnittliche Rendite von 2,43 Prozent fällig. Bei der letzten vergleichbaren Auktion im Juni waren es noch 2,36 Prozent. Im sechsmonatigen Laufzeitbereich stieg die Rendite von 3,24 auf 3,69 Prozent. Händler bezeichneten die Ergebnisse der Auktion als enttäuschend. Die heimischen Investoren hätten sich zurückgehalten und auch im Ausland sei das Interesse gering gewesen. Analysten bewerten die aktuelle Situation am spanischen Anleihemarkt äußerst kritisch.

EZB oder höhere Brandmauer könnten helfen

Auf der Suche nach Möglichkeiten dem krisengeschüttelten Spanien finanziell unter die Arme zu greifen, nannte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius die Aufstockung des europäischen Rettungsschirms oder Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. "Ich hoffe, dass es nicht notwendig wird, erneut einzugreifen", sagte Fabius dem Fernsehsender France 2. Aber "wenn wir einschreiten müssen, könnte es eine Erhöhung der Brandmauern sein oder Eingriffe durch die Zentralbank."

An den Finanzmärkten nimmt fast täglich die Sorge zu, dass Spanien möglicherweise komplett als Land unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen muss. Bisher hat der Euro-Rettungsfonds EFSF bis zu 100 Mrd. Euro für die Restrukturierung des spanischen Banksektors bereitgestellt. Am Montag hatte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos einen Antrag auf umfassende EU-Hilfen für sein Land allerdings ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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