Wirtschaft

Durchbruch mit Datensicherheit Startup erzielt Weltrekord

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Eine Privat-Cloud gegen die Neugier der NSA: Die beiden Protonet-Gründer Ali Jelveh und Christopher Blum neben einem ihrer privaten Mini-Server.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit ihrer Idee privater Mini-Server für mehr Datenschutz kann eine junge Hamburger Firma bei Profi-Investoren nicht landen. Daraufhin starten die Gründer von Protonet eine Crowd-Funding-Kampagne. Die beschert ihnen wider Erwarten Millionen.

Nur dreieinhalb Stunden dauerte es bis zur ersten Million, wenige Stunden später waren es bereits 1,5 Millionen Euro: Mit dieser Summe hat das Crowd-Funding eines Hamburger Startups einen neuen Rekord aufgestellt. Nie zuvor wurde in so kurzer Zeit so viel Geld bei der Unternehmensfinanzierung mit Hilfe von Internetnutzern, der sogenannten "Crowd", gesammelt.

Das  Hamburger Unternehmen Protonet war zuvor bei Wagniskapitalgebern bislang auf taube Ohren gestoßen. Für deren Idee, eine eigene Daten-Cloud per Knopfdruck anzubieten, konnte sich in Deutschlands Venture-Capital-Szene zunächst niemand begeistern.

Ein möglicher Grund: Mit der Finanzierung eines Hardware-Start-Ups sind viele Risiken verbunden. Und für klassische Geldgeber aus der Finanzbranche sind technische Fragen tatsächlich schwer zu beurteilen. Die Experten für Chancen im High-Bereich sitzen schlicht woanders - nicht unbedingt bei Wagniskapitalgebern. Weil ihnen kein anderer Ausweg blieb, entschieden sich die Protonet-Gründer schließlich, bereits den Start des Unternehmens per Crowdfunding zu finanzieren.

Ende 2012 präsentierte Protonet auf der Crowdfunding-Plattform Seedmatch den "einfachsten Server der Welt" und konnte damit so viele Nutzer überzeugen, dass innerhalb von 48 Minuten 200.000 Euro an Kapital zusammenkamen. Europarekord, wie es in der jungen Crowdfunding-Szene hieß. Zwei Jahre später folgte Runde Zwei: 1,5 Millionen Euro binnen weniger Stunden - Weltrekord.

Private Daten-Cloud auf Knopfdruck

"Wahnsinn" sei das Ergebnis der aktuellen Kampagne, sagt der Gründer und Protonet-Chef Ali Jelveh - besonders, da ein deutsches Bankkonto Voraussetzung war, damit die von der Idee überzeugten Nutzer das Unternehmen unterstützen konnten. Viele Seedmatch-Geldgeber seien durch den Ansturm gar nicht erst zum Zuge gekommen. Wegen des durchschlagenden Erfolgs berät das junge Unternehmen nun, ob sich das Finanzierungslimit für diese Runde erhöhen lässt.

Die Zuversicht der bei Seedmatch spendenden Masse speist sich aus den Produktplänen des jungen Hightech-Unternehmens: Protonet stellt kleine knallorangene Mini-Server her, die eine private Daten-Cloud auf Knopfdruck bereitstellen soll - fertig konfiguriert und sofort einsetzbar. Weil diese "einfachsten Server der Welt" eine Cloud-Lösung ermöglichen, die im eigenen Haus oder im eigenen Unternehmen steht - und sämtliche Verbindungen durch starke Verschlüsselung geschützt werden - sollen die Protonet-Produkte besonders sicher und gut gegen eventuelle Hacker geschützt sein.

Im Unterschied zu den Speicher-Lösungen großer US-Unternehmen, bleiben die Daten im Land. Die Überlegung dahinter: Auf diese Weise sind sensible Daten - wie etwa Kundenlisten, Verhandlungsstrategien oder technische Patente - vor dem automatischen Zugriff fremder Geheimdienste geschützt.

Stichwort "Datenhoheit"

Auch die Software für die Server wird in Hamburg entwickelt, die Hardware dort zusammengebaut - "Made in Germany" prangt auf den Servern. Das Versprechen des Unternehmens: Statt Google, Apple und Co. zu vertrauen, sollen Unternehmer und Privatleute ihre Daten mittels der Server "Carla", "Carlita" und "Maya" einfach selbst bereitstellen. Das neue Produkt Maya sollen sich mit einem Einstiegspreis von 1200 Euro samt Software auch Privatleute leisten können.

"Was uns das zeigt ist, dass die Idee der Datenhoheit eine so starke Resonanz hat, dass diese Message überall greift", erklärte Protonet-Chef Jelveh. Nun will das Startup seine Bemühungen um eine Internationalisierung verstärken. Bereits Anfang 2015 will das Unternehmen in den USA durchstarten - verbunden mit einer weiteren großen Finanzierungsrunde, diesmal auch unter Beteiligung von Venture-Capital-Gebern. Jelveh glaubt an eine große Zukunft des Startups in den USA, weil dort "der Gedanke von Unabhängigkeit, Freiheit und Individualrechten noch stärker ist."

Quelle: ntv.de, apo/DJ