Wirtschaft

United-Internet-Aktie fällt Streit zwischen 1&1 und Telefónica eskaliert

Der Preisstreit zwischen 1&1 Drillisch und Konkurrent Telefónica Deutschland verschärft sich.

Der Preisstreit zwischen 1&1 Drillisch und Konkurrent Telefónica Deutschland verschärft sich.

(Foto: picture alliance / Thomas Frey/d)

Der Ausbau eines 5G-Netzes braucht eigentlich Kooperation. Das klappt allerdings gar nicht zwischen Telefónica Deutschland und United Internet samt Tochter 1&1. Letztere werfen dem Konkurrenten unerlaubte Preiserhöhung für die Nutzung dessen Mobilfunknetzes vor. Telefónica weist jede Schuld von sich.

Der Streit über die Kosten zur Nutzung des Mobilfunknetzes von Telefónica Deutschland (O2) durch den Konkurrenten 1&1 Drillisch verschärft sich und setzen sowohl dem Mutterkonzern United Internet und Tochter Drillisch zu. Zum Handelsstart rauschten die beiden Papiere in die Tiefe und hielten im MDax mit Abstand die rote Laterne.

Für den Internet- und Mobilfunk-Anbieter United Internet ging es 15 Prozent nach unten und für seine Tochter 1&1 Drillisch fast 21 Prozent, während Streitpartner Telefónica Deutschland auf ein Plus von 0,8 Prozent kam. United Internet wie auch Drillisch hatten ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr gesenkt und dies mit Preiserhöhungen durch Telefónica Deutschland für Netzkapazitäten begründet.

Dabei werfen sie der Tochter des spanischen Konzerns Telefónica vor, die Kosten für die Nutzung des Mobilfunknetzes bereits ab Juli vor Abschluss der laufenden Verhandlungen erheblich erhöht zu haben. "1&1 Drillisch hält die von Telefónica ab 1. Juli 2020 geforderten Vorleistungspreise für nicht in Übereinstimmung mit den Selbstverpflichtungen von Telefónica unter der Freigabeentscheidung der EU-Kommission zum Zusammenschluss mit E-Plus", hieß es.

United Internet
United Internet 30,45

Zudem liegen die Preise nach Darstellung von United Internet nicht im Rahmen des bisher bestehenden sogenannten MBA MVNO-Vertrags (Mobile Bitstream Access - Mobile Virtual Network Operator) mit Telefónica. Hier laufe seit Juli die erste fünfjährige Verlängerungsphase, auch wenn es noch keine Einigung über Preise gibt.

Der in Montabaur beheimatete Konzern United Internet hält die in Rechnung gestellten Vorleistungspreise für Juli und August für nicht angemessen und will dagegen vorgehen. 1&1 stehe auch im Austausch mit der EU-Kommission.

In München, wo Telefónica Deutschland sitzt, sieht man das anders. So weist das Unternehmen den Vorwurf zurück und sieht die Preiserhöhung durch Verträge und Vereinbarungen gedeckt. Die 1&1 im Juli und August in Rechnung gestellten Preise basierten auf Grundlage des bestehenden Vertrags zur Nutzung des Mobilfunknetzes. "Dieser Vertrag wurde von 1&1 Drillisch im Dezember 2019 verlängert", teile Telefónica Deutschland auf Anfrage mit. Daher sei dies 1&1 seit langem bekannt.

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Ebenso wie 1&1 Drillisch behalte sich auch Telefónica Deutschland ihrerseits Maßnahmen zur Wahrung ihrer Rechte vor. Genau wie die Leistungserbringung sei auch die Rechnungstellung nicht einfach auszusetzen, nur weil beide Parteien in Verhandlungen zu einer längerfristigen Nutzung im Rahmen einer sogenannten National Roaming Vereinbarung stehen. Innerhalb dieser soll die Nutzung des Mobilfunknetzes so lange geregelt werden, bis 1&1 selbst ein leistungsfähiges 5G-Netz aufgebaut.

United und 1&1 passen Erwartungen an

Der Ausgang der laufenden Verhandlungen habe auch Auswirkungen auf den von 1&1 Drillisch geplanten Aufbau eines 5G-Netzes, hieß es bei United Internet weiter. Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica sowie 1&1 Drillisch haben für entsprechende Frequenzen des 5G-Netzes Milliarden auf den Tisch gelegt. Beim Ausbau ist Kooperation zwischen den Wettbewerbern gefragt, doch daran hakte es zuletzt. Anders als die Wettbewerber verfügt die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch bisher noch nicht über ein eigenes Mobilfunknetz. Da einige 1&1-Frequenzblöcke erst in einigen Jahren bereitstehen werden, mietet das Unternehmen bis dahin welche von Telefónica.

Aufgrund der Preiserhöhung erwartet United ein Betriebsergebnis (Ebitda) in diesem Jahr von etwa knapp 1,18 Milliarden Euro statt bislang knapp 1,27 Milliarden. 1&1 geht seinerseits von etwa 600 Millionen Euro statt bislang 684 Millionen aus. Wie das im MDax notierte Unternehmen mitteilte, wird es auch in den Folgejahren zu hohen Ergebnisrückgängen kommen, sollten die von Telefonica geforderten Preise dauerhaft anwendbar sein.

Im Zuge der Auflagen für den Erwerb von E-Plus im Jahr 2014 hatte sich Telefonica Deutschland verpflichtet, bis zu 30 Prozent der Netzkapazität an einen Wettbewerber zu verkaufen. Der Vertrag mit Drillisch ermöglicht eine Überprüfung der Konditionen zweimal im Jahr. Die Streitigkeiten um die Konditionen dauern bereits einige Zeit an. Telefonica Deutschland bekräftigte im Gegensatz zur Konkurrenz die Jahresprognose und den mittelfristigen Ausblick.

Quelle: ntv.de, ysc/rts/dpa