Wirtschaft

Aktienkurs fast halbiert Thyssenkrupp feuert Kerkhoff

RTS2D7BG.jpg

Von Beginn an stand Kerkhoff in der Kritik einiger Investoren, die in ihm keinen Reformer, sondern eher einen Bremsklotz und Vertreter der alten Garde sahen.

(Foto: REUTERS)

Der Chef des angeschlagenen Traditionskonzerns Thyssenkrupp, Guido Kerkhoff, muss nach nur etwas mehr als einem Jahr im Amt schon wieder gehen. Gründe für den ungewöhnlichen Schritt nennt der Aufsichtsrat nicht.

Thyssenkrupp beendet nach nur 14 Monaten die glücklose Amtszeit von Vorstandschef Guido Kerkhoff und will mit einer neuen Führung Vertrauen am Markt zurückgewinnen. Aufsichtsratschefin Martina Merz solle vorübergehend den Posten von Kerkhoff übernehmen, bis dessen Nachfolge geregelt sei, teilte Thyssenkrupp mit. Thyssenkrupp, Hersteller von Stahl, aber auch von U-Booten und Fahrstühlen, steckt schon lange in der Krise.

Thyssenkrupp
Thyssenkrupp 13,49

Großaktionär Cevian begrüßte die Ankündigung und forderte Tempo beim Umbau des Konzerns mit seinen rund 160.000 Beschäftigten. "Wir erwarten, dass die neue Führung den von Thyssenkrupp so dringend benötigten Transformationsprozess beschleunigen und die Qualität der Umsetzung maßgeblich verbessern wird", sagte Cevian-Gründungspartner Lars Förberg. Cevian und der Finanzinvestor Elliott sprechen sich schon länger dafür aus, den über 200 Jahre alten Traditionskonzern effizienter aufzustellen.

Dabei geht es unter anderem um den Verkauf der lukrativen Aufzugssparte, wodurch der Konzern die Kassen füllen möchte. An der Sparte, deren Wert auf 12 bis 17 Milliarden Euro beziffert wird, haben eine Reihe von Finanzinvestoren und Unternehmen Interesse angemeldet, darunter der finnische Konkurrent Kone.

Jede Menge Probleme

Kerkhoff, bis dato Finanzchef, war im Juli 2018 Nachfolger des damals überraschend zurückgetretenen Heinrich Hiesinger geworden. Von Beginn an stand Kerkhoff in der Kritik einiger Investoren, die in ihm keinen Reformer, sondern eher einen Bremsklotz und Vertreter der alten Garde sahen. In den Folgemonaten nahm der Druck angesichts einer Reihe von Strategiewechseln und Gewinnwarnungen stetig zu.

So machte Kerkhoff die angekündigte große Konzernaufspaltung rückgängig, denn die geplante Fusion der Stahlgeschäfte mit Tata Steel war am Widerstand der Brüsseler Wettbewerbshüter gescheitert. Geschäfte wie der Anlagenbau oder Automotive schwächeln ebenso wie die Stahlsparte. Verluste und Schulden steigen. Der Aktienkurs hat in Kerkhoffs Amtszeit fast die Hälfte an Wert verloren.

Nun zog der Personalausschuss des Aufsichtsrates die Reißleine: Die ehemalige Bosch-Managerin Merz, die erst seit Februar das Kontrollgremium leitet, soll für maximal ein Jahr an die Vorstandsspitze rücken. In der Zwischenzeit soll der ehemalige Siemens-Manager Siegfried Russwurm die Funktion des Aufsichtsratschefs übernehmen. Russwurm war vor gut einem Jahr als Nachfolger Hiesingers gehandelt worden. Der gesamte Aufsichtsrat muss dem Stühlerücken noch zustimmen, was eine Formalität sein sollte.

Der größte Einzelaktionär von Thyssenkrupp, die Krupp-Stiftung, sagte Merz bereits Unterstützung zu. Das gilt auch für die Arbeitnehmervertreter, die von ihr eine schnellere Umsetzung der beschlossenen Strategie forderten. "An der Strategie ändert sich durch den Wechsel gar nichts", sagte Konzernbetriebsratschef Dirk Sievers - und kündigte eine konstruktive Zusammenarbeit an.

Auch der neue Aufsichtsratschef Russwurm genießt bei den Arbeitnehmervertretern einen guten Ruf. Die Gewerkschafter und Betriebsräte stellen die Hälfte der Mitglieder des Aufsichtsrats. Sie spielen damit neben den Großaktionären Krupp-Stiftung und Cevian eine Schlüsselrolle bei den Entscheidungen im Konzern.

Quelle: n-tv.de, jga/rts

Mehr zum Thema