Wirtschaft

Daimler und Rolls-Royce Tognum-Übernahme geplant

Unerwartete Pläne sorgen am deutschen Aktienmarkt für Aufsehen: Daimler will gemeinsam mit Rolls-Royce den Friedrichshafener Motorenbauer Tognum übernehmen. Die Tognum-Aktien springen mit zweistelligen Aufschlägen ins Plus. Daimler hält bereits 28,4 Prozent an Tognum.

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Schwere Diesel für Schiffe und Stromerzeuger: Ein Mitarbeiter der Tognum-Tochter MTU montiert am Standort Friedrichshafen einen Motor der Baureihe 8000 (Archivbild).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Autokonzern Daimler und der Turbinenhersteller Rolls-Royce greifen nach der Macht beim Dieselmotorenbauer Tognum. Daimler und Tognum bestätigten Gespräche über eine Übernahme des Friedrichshafener MDax-Unternehmens, dessen Wert an der Börse postwendend um 23 Prozent auf nahezu drei Milliarden Euro nach oben sprang.

Rolls-Royce und Daimler sollten demnach je die Hälfte an Tognum halten. Das Geschäft werde möglicherweise schon in den kommenden Tagen unter Dach und Fach gebracht, hieß es in Verhandlungskreisen. Doch ein Aufschlag von 30 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag - das entspräche einem Preis von 24 Euro je Aktie - wären wohl weder dem scheidenden Tognum-Chef Volker Heuer noch dessen Großinvestoren genug.

Das Management und die Mitarbeiter halten rund zehn Prozent an Tognum. Um sie zu überzeugen, müssten Daimler und Rolls-Royce mehr bieten als die 24 Euro, zu denen die ehemalige MTU Friedrichshafen vor gut drei Jahren an die Börse gebracht worden war. Auch für einen der größten institutionellen Tognum-Investoren wäre das nicht genug. "Das wäre ein bisschen mager. Das wäre allenfalls ein Ausgangspunkt für weitere Gespräche", sagte Edwin Slaghekke von Delta Lloyd. Der niederländische Versicherer hält knapp 1,5 Prozent an Tognum.

Daimler hält bereits 28,4 Prozent an Tognum und will die Anteilsaufstockung den Kreisen zufolge bar bezahlen. Rolls-Royce will Kreisen zufolge seine norwegische Tochter Bergen in Tognum einbringen, die Motoren für die Energieerzeugung und für Schiffe herstellt. Mit den Gasmotoren von Bergen könnte Tognum einen weißen Fleck in seiner Produktpalette füllen.

Wichtiger Absatzkanal

Daimler und Tognum sind seit Jahrzehnten verbunden: 1966 schlossen sich Mercedes-Benz Motorenbau und Maybach Motorenbau zusammen, 1969 entstand daraus MTU Friedrichshafen. Ende 2005 verkaufte Daimler die Tochter für rund 1,6 Milliarden Euro an den Finanzinvestor EQT, da der damalige Vorstandschef Jürgen Schrempp nicht mehr in neue Motorenbaureihen investieren wollte. Nach dem Börsengang der in Tognum umfirmierten Gruppe stieg sein Nachfolger Dieter Zetsche im April 2008 aber zum höheren Preis wieder ein.

Für Daimler ist Tognum ein wichtiger Absatzkanal, da das Unternehmen vom Bodensee jährlich rund 20.000 Nutzfahrzeugmotoren von Mercedes-Benz kauft und in Kräne oder Baumaschinen einbaut. Zuletzt erzielte Tognum gut zehn Prozent seines Umsatzes von 2,5 Milliarden Euro mit dem Weiterverkauf von Daimler-Motoren.

Caterpillar soll draußen bleiben

Rolls-Royce ist vor allem für Turbinen und Flugzeugtriebwerke bekannt, will aber auch bei Motoren zur Energieerzeugung und bei Schiffsantrieben stärker Fuß fassen. Ein Einstieg bei Tognum wäre für Rolls-Royce deshalb sinnvoll, sagte Analyst Ross Cowley von Credit Suisse. Der Konzern habe genügend Kapital.

Aus Verhandlungskreisen verlautete, Daimler wolle mit der Tognum-Übernahme auch einen Einstieg von Großkonzernen wie Caterpillar verhindern. Rolls-Royce könne mit seinem weltweiten Netzwerk Tognum vor allem in den wachstumsstarken Schwellenländern einige Türen öffnen.

Quelle: ntv.de, rts

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