Wirtschaft

Abschiedsgala in Frankfurt Trichet erntet viel Lob

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Übergabe der Glocke: Jean-Claude Trichet (links) mit seinem Nachfolger Mario Draghi.

(Foto: dapd)

Mit Jean-Claude Trichet beendet der zweite Präsident seine Tätigkeit bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Franzose geht in einer turbulenten Zeit von Bord. Bei einem Festakt in der Alten Oper in Frankfurt würdigen europäische Politiker Trichets Wirken. Am 1. November übernimmt der Italiener Draghi das EZB-Ruder.

Mit einem Festakt haben sich Politiker aus ganz Europa vom scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Trichet sieht EZB am Limit , verabschiedet. Nach acht Jahren an der EZB-Spitze tritt der Franzose Ende Oktober turnusgemäß ab. Zu der Veranstaltung in der Alten Oper in Frankfurt waren unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und Trichets Nachfolger Wer ist Mario Draghi? geladen.

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Handkuss für die Kanzlerin.

(Foto: AP)

Trichet lenkte den Euro durch die Turbulenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Zuletzt geriet der 68-Jährige allerdings vor allem in Deutschland in die Kritik. Der Kauf von Staatsanleihen pleitebedrohter Euroländer durch die EZB ist heftig umstritten. Bundespräsident Christian Wulff kritisierte, die Notenbank gehe mit den Aufkäufen weit über ihr Mandat hinaus. Ex-Bundesbankpräsident Axel Weber trat im Streit um das EZB-Krisenmanagement zurück.

Van Rompuy mahnte in seiner Rede mehr Haushaltsdisziplin und wirtschaftliche Integration an. Nötig sei auch, dass Staaten Souveränität abgäben, sagte der ehemalige belgische Regierungschef. Nicht nur die Staaten mit wirtschaftlichen Problemen müssten auf Souveränität verzichten. Trichet habe perfekt die Rolle eines Zentralbankers gespielt, lobte Van Rompuy. In der Krise seien außergewöhnliche Maßnahmen notwendig gewesen, um den Euro zu sichern - dazu habe auch der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB gezählt.

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Helmut Schmidt findet klare Worte.

(Foto: dpa)

Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt warf der Politik Handlungsunfähigkeit in der Euro-Schuldenkrise vor. "Allein das EZB-Direktorium unter Leitung von Trichet hat sich in der Finanz- und Schuldenkrise als handlungsfähig erwiesen", sagte der 92-Jährige. Die politischen Spitzen Europas hätten sich dagegen unfähig gezeigt, die Krise einzudämmen.

Warten auf Draghi-Nachfolger

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi will am Donnerstag seinen Kandidaten für die Nachfolge von Notenbank-Chef Draghi vorschlagen. Nach monatelangem Koalitionszank über die Personalie kündigte Berlusconi die Nominierung an. Zu den Favoriten gehört auch Lorenzo Bini Smaghi, der nach anfänglichem Zögern mit dem Einzug Draghis aus dem EZB-Direktorium ausscheidet. Allerdings schien Berlusconi zuletzt noch Draghis Stellvertreter Fabrizio Saccomanni zu bevorzugen. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti machte sich dagegen für den Generaldirektor im Finanzministerium, Vittorio Grilli, stark.         

Draghi löst Trichet zum 1. November an der EZB-Spitze ab. Italien hätte mit Draghi zwei der sechs Stellen im EZB-Direktorium besetzt, da die Amtszeit Bini Smaghis eigentlich erst in zwei Jahren endet. Berlusconi hatte aber zugesagt, dass Italien für einen Vertreter Frankreichs Platz macht. Bini Smaghi hatte sich zunächst geweigert, dann aber doch einem vorzeitigen Abschied zugestimmt.

Quelle: n-tv.de, wne/rts/dpa

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