Wirtschaft

Handelsstreit geht weiter Trump droht EU mit hohen Zöllen auf Autos

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Der US-Präsident Donald Trump nutzte erneut Twitter für eine Drohung in Richtung der EU.

(Foto: AP)

Das Pingpong-Spiel dauert an: Kurz nachdem die EU eine Reihe von Gegenzöllen als Reaktion auf die US-Importzölle auf Stahl- und Aluminium in Kraft gesetzt hat, droht Präsident Trump mit neuen Gegenmaßnahmen. Diesmal betreffen sie Autoimporte aus Europa.

US-Präsident Donald Trump hat im Handelsstreit mit der EU erneut mit der Verhängung von Strafzöllen auf europäische Autoimporte gedroht. Wenn die Europäische Union nicht "bald" ihre Handelsbarrieren für US-Produkte beseitige, würden die USA "einen 20-prozentigen Tarif auf alle ihre Autos verhängen, die in die Vereinigten Staaten kommen", schrieb Trump auf Twitter.

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Die Strafzölle auf Autos würden besonders die deutschen Hersteller hart treffen. Deutschland exportierte im vergangenen Jahr Pkw im Wert von knapp 22 Milliarden Euro in die USA. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat entspricht das mehr als der Hälfte aller Autoexporte der EU in die USA.

Trump hatte im Mai beim Handelsministerium eine Prüfung in Auftrag gegeben, ob die EU-Autoeinfuhren den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden. Er hatte bereits die Strafzölle auf Aluminium und Stahl mit dem Schutz der nationalen Sicherheitsinteressen begründet. Autos aus der EU werden in den USA bislang mit 2,5 Prozent Zöllen belegt, umgekehrt sind es für US-Automobile in der EU zehn Prozent. Allerdings erheben die USA 25 Prozent auf Lastwagen und Pick-ups, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

Die EU hatte in der Nacht zu Freitag als Reaktion auf die US-Aufschläge auf Aluminium und Stahl Gegenzölle auf eine Reihe von US-Produkten in Kraft gesetzt. Bei Importen aus Europa werden in den USA seit Anfang Juli Zölle in Höhe von 25 Prozent bei Stahl und von 10 Prozent bei Aluminium fällig. Zahlreiche Länder halten die Zölle für nicht vereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Die EU-Zölle betreffen wiederrum unter anderem amerikanische Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter und traten in der Nacht zum Freitag in Kraft. Europäische Verbraucher müssen mit Preiserhöhungen bei einigen Produkten rechnen.

Die EU-Zusatzzölle sollen in einem ersten Schritt auf jährliche US-Importe im Gegenwert von 2,8 Milliarden Euro erhoben werden. "Wir wollten nicht in diese Lage kommen", betonte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström. Wegen der einseitigen Entscheidung der USA bleibe der EU aber keine andere Wahl. Wenn die USA ihre Zölle zurücknehmen, fielen auch die EU-Maßnahmen weg. Die EU hatte lange durch Gespräche auf allen Ebenen versucht, die Sonderabgaben auf Stahl und Aluminium zu verhindern.

Bald höhere Preise bei Lebensmitteln erwartet

Verbraucher in Deutschland könnten die neuen Zölle auf US-Produkte nach Einschätzung der Außenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels zumindest teilweise schnell zu spüren bekommen. "Im Lebensmittelbereich könnten höhere Preise schon bald spürbar sein, weil hier die Margen besonders gering sind. Bei der Mode wegen der langfristig vereinbarten Kollektionen etwas später", sagte AVE-Präsident Matthias Händle der Deutschen Presse-Agentur.

Nach seiner Einschätzung haben die Verbraucher allerdings noch eine Atempause, bis die Zölle auf die Endkundenpreise durchschlagen. "Es ist unwahrscheinlich, dass wir sofort höhere Preise sehen werden. Zum einen liegen Waren bereits in den Lagern. Zum anderen verhindert der harte Wettbewerb im deutschen Handel, dass höhere Importkosten eins zu eins an die Verbraucher weitergereicht werden", erklärte Händle. Neben amerikanischen Lebensmitteln, Kleidung und Motorrädern sind unter anderem auch Stahlerzeugnisse, Schiffe und Boote von den neuen Sonderabgaben betroffen. Der Zusatzzoll auf all diese Produkte beträgt 25 Prozent.

Die Planungen der EU-Kommission gehen jedoch weiter. In einem zweiten Schritt geht es demnach um US-Importe im Wert von weiteren 3,6 Milliarden Euro. Die Vergeltungszölle sind so konzipiert, dass sie in etwa den Schaden ausgleichen würden, der der EU durch die US-Zölle entstehen dürfte.

Streit auch mit anderen Ländern

Deutschland setzt weiter auf eine Beilegung des Konflikts. "Wir hoffen, dass diese klare Reaktion der EU dazu führt, dass auf allen Seiten schnell Vernunft und Sachlichkeit sich durchsetzen und man dann gemeinsam in Gesprächen nach Lösungen suchen kann", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Ministerium rechnet damit, dass deutsche Firmen von möglichen Zoll-Ausnahmen in den USA profitieren könnten. Die Sprecherin verwies darauf, dass das US-Handelsministerium 32 Anträge für sieben Unternehmen genehmigt habe, darunter auch für Stahl aus Deutschland. Es sei von weiteren Anträgen auszugehen, da es ein Interesse von US-Firmen an Spezialstahl aus Deutschland geben dürfte.

Die US-Zölle wirken sich auch auf die Wachstumsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Eurozone aus. Die Prognose werde wegen derlei Risiken gesenkt, kündigte IWF-Chefin Christine Lagarde an. "Der direkte Einfluss solcher Zollerhöhungen ist minimal, aber der Einfluss auf das Vertrauen und das Risiko einer Eskalation sind erheblich."

Wegen der Einführung von Strafzöllen stehen die USA derzeit auch mit anderen Ländern im Handelsstreit. Vergangene Woche hatte Trump zusätzliche Strafzölle von 25 Prozent auf 1102 Produkte aus China im Wert von 50 Milliarden US-Dollar (42,7 Mrd Euro) verhängt. Peking brachte daraufhin Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von ebenfalls 50 Milliarden Dollar auf den Weg. Auch Russland kündigte Zusatzzölle auf Importe aus den USA an, Indien zog am Donnerstag nach.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa