Wirtschaft

Streit um Straße von Hormus Trump will das tun, was er dem Iran verbietet

14.07.2026, 13:22 Uhr DSCF1383-2Von Jan Gänger
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Manche Positionen sind nur Zwischenstopps. (Foto: REUTERS)

Für Donald Trump geht es häufig nicht um Prinzipien, sondern um den Preis. Selbst die Außenpolitik betrachtet er als Geschäft: Wer vom Schutz der USA profitiert, soll dafür bezahlen. Das zeigt sich nun auch in der Straße von Hormus.

Donald Trump verfügt über ein bemerkenswertes Talent: Er kann sich innerhalb kürzester Zeit selbst widersprechen, ohne dass es ihm etwas auszumachen scheint. Bislang bestand er darauf, kein Staat dürfe Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus verlangen. Nun will der US-Präsident genau das tun.

"Die Straße von Hormus ist OFFEN und wird OFFEN bleiben, mit oder ohne den Iran", postete Trump in seinem Netzwerk Truth Social und fügte hinzu: "Die USA werden von nun an als 'DER WÄCHTER DER STRASSE VON HORMUS' bekannt sein, werden aber in dieser Funktion und aus Gründen der GERECHTIGKEIT eine Erstattung in Höhe von 20 Prozent aller transportierten Fracht erhalten, um alle Kosten zu decken, die für die Gewährleistung von Sicherheit und Schutz in diesem äußerst instabilen Teil der Welt erforderlich sind."

Mit einer ähnlichen Argumentation rechtfertigt das Regime im Iran, Gebühren für die sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu erheben. Die Regierung in Washington wies solche Pläne wiederholt als inakzeptabel zurück und betonte, dass für Schiffspassagen vor dem Krieg kein Geld verlangt wurde. "Kein Land darf auf einer internationalen Wasserstraße Mautgebühren oder Abgaben erheben", hatte etwa Außenminister Marco Rubio gesagt. Dies widerspreche internationalem Recht.

Weder in seinem Social-Media-Beitrag noch in späteren Interviews erläuterte Trump, inwiefern sich die von ihm angekündigten Gebühren von denen unterscheiden, die der Iran kassieren will. Er sagte auch nicht, wie sie umgesetzt werden sollen und wie lange sie gelten sollen.

Iran reagiert mit Spott

Trumps Ankündigung folgt einem vertrauten Muster: Wer von der militärischen Schutzmacht USA profitiert, soll dafür bezahlen. Deshalb sei es nur fair, wenn die reichen Golfstaaten die Kosten für den Einsatz der US-Marine übernehmen, damit sie ihr Öl verschiffen können.

Damit gibt Trump eine zentrale, grundsätzliche Position der USA auf: Jahrzehntelang traten sie als Garant der freien Schifffahrt auf. Zugleich verliert sein Argument gegen iranische Gebühren an Glaubwürdigkeit. Für Reedereien bleibt am Ende vor allem eine praktische Frage: An wen müssen sie zahlen?

Teheran ließ sich die Steilvorlage nicht entgehen. "Der Präsident der Vereinigten Staaten hat absolut recht", schrieb Außenminister Abbas Araghchi auf X. Wer für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus sorge, solle für diese Dienstleistung entschädigt werden. "20 Prozent sind natürlich zu viel", so Araghchi, "Wir werden fair sein."

Die USA eskortieren Schiffe auf der südlichen Route nahe Oman. Der Iran beansprucht dagegen die Kontrolle über die gesamte Meerenge und greift Schiffe an, die nicht durch seine Hoheitsgewässer fahren. Sollte Trump seine Gebühr tatsächlich durchsetzen, stünden Reedereien deshalb vor der absurden Wahl: Sie müssten entweder Washington bezahlen und zugleich das Risiko iranischer Angriffe eingehen - oder sich mit Teheran arrangieren und einen Konflikt mit der US-Regierung riskieren.

Transportkosten würden steigen

Seit Trump den Krieg gegen den Iran begonnen hat, ist die Straße von Hormus zu Teherans effektivstem Druckmittel geworden. Der Iran hat wiederholt gezeigt, wie stark er den Schiffsverkehr in der Meerenge blockieren kann. Über diese Route werden rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert.

Die geopolitische Kehrtwende Trumps hätte damit ganz konkrete wirtschaftliche Folgen. Zwar hat der US-Präsident nicht erläutert, wie die Gebühr in Höhe von 20 Prozent berechnet werden soll. Sollte sie jedoch auf den Wert der Ladung erhoben werden, könnten sich die Kosten für den Öltransport durch die Meerenge der "New York Times" zufolge mehr als verdoppeln.

Die Zeitung verweist auf eine Berechnung des Ökonomen Rico Luman von der Großbank ING. Demnach kostet der Transport eines Barrels Rohöl vom Persischen Golf nach Europa derzeit rund zehn Dollar. Würde Trump 20 Prozent auf den Warenwert erheben, kämen bei einem Ölpreis von 80 Dollar weitere 16 Dollar hinzu. Die Transportkosten würden damit von rund zehn auf etwa 26 Dollar steigen. Bei einem Supertanker mit zwei Millionen Barrel wären das Zusatzkosten von mehr als 30 Millionen Dollar.

Quelle: ntv.de

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