Einkommensverhältnis bei 1:296US-Chefs erhalten 300-faches Arbeitergehalt

In den vergangenen 35 Jahren steigt das Einkommen normaler Arbeiter in den größten US-Konzernen um ein Zehntel. Die Bezüge in den Chefetagen klettern in dieser Zeit jedoch um das Zehnfache - und ohne Krisen wäre es sogar noch mehr.
Die Einkommen der US-Firmenchefs haben sich einer Studie zufolge in den vergangenen 35 Jahren verzehnfacht. Allerdings sind sie nicht mehr so hoch wie vor dem Platzen der Internetblase und der Finanzkrise. Die Einkünfte aus Gehältern, Boni und Aktienoptionen seien zwischen 1978 und 2013 um 937 Prozent angestiegen, schreibt das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsinstitut Economic Policy Institute (EPI) in einer Studie.
Im Schnitt verdienten die Chefs der 350 größten US-Unternehmen im vergangenen Jahr 15,2 Millionen Dollar. Im Vergleich dazu wuchs ein mittleres US-Einkommen in den vergangenen 35 Jahren um etwas mehr als zehn Prozent auf heute 52.100 Dollar im Jahr, wie das EPI weiter mitteilte.
Während das Verhältnis zwischen den Einkünften der Chefs und den Gehältern normaler Arbeiter 1978 noch bei 30:1 gelegen habe, habe es im vergangenen Jahr 296:1 betragen. "Jene an der Spitze der Einkommensverteilung, darunter viele Firmenchefs, erfahren einen starken Aufschwung, während die gewöhnlichen Arbeiter noch immer die schädlichen Effekte eines stagnierenden Arbeitsmarkts erleben", schrieb das Institut.
"In den vergangenen 30 Jahren ist die Bezahlung der Chefs deutlich schneller angestiegen als die der anderen besser bezahlten Arbeitnehmer", hieß es weiter. Einen besonders starken Anstieg der Chefgehälter habe es bis zum Platzen der IT-Blase zu Beginn dieses Jahrtausends gegeben. So liege das Durchschnittsgehalt der Chefs mit heute 15,2 Millionen Dollar unter dem des Jahres 2000, als die Konzernlenker im Schnitt 20,2 Millionen Dollar pro Jahr verdienten. Und vor Beginn der Finanzkrise lagen die Chefgehälter der Studie zufolge bei im Schnitt 18,5 Millionen Dollar.
Dem EPI zufolge hängt die Höhe des Einkommens der Firmenchefs stark von der Entwicklung der Aktienmärkte ab. Demnach brach es während der Finanzkrise 2008 stark ein und lag 2009 bei im Schnitt 10,4 Millionen Dollar, bevor es in den vergangenen vier Jahren wieder zulegte. Das Institut schloss daraus, dass der Anstieg des Einkommens vielfach nicht eine höhere Leistung der Manager widerspiegelt.
Laut einer Erhebung der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) bezogen die Vorstandsvorsitzenden der deutschen Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr im Schnitt rund 4,97 Millionen Euro gelegen. Damit sei die Marke von 5 Millionen Euro erstmals seit 2010 wieder unterschritten worden.