Wirtschaft

"Fed demonstriert Unabhängigkeit"US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

28.01.2026, 20:26 Uhr
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Fed-Chef Jerome Powell (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Nach drei Senkungen in Folge bleibt die Zinsspanne bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Fed-Chef Powell ist ins Visier der US-Justiz geraten. Er sieht in den Ermittlungen einen Vorwand, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen.

Die US-Notenbank ist mit einer intern umstrittenen Zinspause ins Jahr gestartet. Nach drei Senkungsschritten in Folge beließ sie den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden. In dem für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschuss gab es allerdings zwei Gegenstimmen: Die Fed-Direktoren Christopher Waller und Stephen Miran votierten für eine Senkung.

Die Zentralbank hatte den Leitzins im vergangenen Jahr insgesamt um einen Dreiviertel-Prozentpunkt heruntergesetzt, um den Arbeitsmarkt zu stützen. Die Inflation bleibe "etwas erhöht", während der Arbeitsmarkt "Anzeichen einer Stabilisierung" zeige, erklärte die Fed nun.

Mit Spannung richteten sich die Blicke auf die Pressekonferenz von Fed-Chef Jerome Powell am Abend. Dieser ist ins Visier der US-Justiz geraten und sieht darin einen Vorwand, ihn zinspolitisch unter Druck zu setzen. Powells Amtszeit an der Spitze der von politischen Weisungen unabhängigen Zentralbank endet im Mai. Danach könnte er als Gouverneur weiterhin im Fed-Vorstand verbleiben - ob das dazu tatsächlich kommt, ist offen. Powell sagte bei der Pressekonferenz, dass er darüber noch nicht entschieden habe.

"Die Geldpolitik in den USA befindet sich an einem Scheidepunkt, und die Fed muss nun alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre institutionelle Unabhängigkeit von der Regierung zu verteidigen", meint Ökonomin Lena Dräger vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die Daten zeigten, dass ein konstanter Zins aktuell die richtige Entscheidung sei: Die Inflationsrate liege persistent oberhalb des Inflationsziels von 2,0 Prozent. Zusätzlich besteht ein hohes Risiko, dass die Inflationsrate 2026 weiter ansteigen könnte – dies auch, weil Zollkosten für Importe noch nicht komplett auf die Endpreise umgelegt worden seien.

"Die Fed demonstriert ihre Unabhängigkeit und lehnt sich gegen den politischen Zinssenkungsdruck", so Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Es sei sinnvoll, eine Auszeit zu nehmen, um belastbarere Daten abzuwarten. An den Terminmärkten wird nicht vor Juni mit einer Zinssenkung gerechnet. Ein zweiter Schritt könnte demnach noch im laufenden Jahr folgen.

Nach der Entscheidung der US-Notenbank traten die US-Aktienindizes weiter auf der Stelle. Am Anleihemarkt beschleunigten die Renditen ihren Anstieg. Die Verzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte um vier Basispunkte auf 4,265 Prozent, verglichen mit 4,259 Prozent unmittelbar zuvor.

Quelle: ntv.de, are/rts/dpa/DJ