Wirtschaft

Große Hürde Bankenregulierung USA und Europa basteln am Kompromiss

Wird eine Reform der weltweiten Kapitalvorschriften für Banken Wirklichkeit? Anscheinend nähern sich die USA und Europa an. Es könnte nun eine Grenze beim Kapitalbedarf von 72,5 Prozent angepeilt werden.

Im zähen Ringen um eine Reform der weltweiten Kapitalvorschriften für Banken steuern die USA und Europa Insidern zufolge auf einen Kompromiss zu. Beim Hauptstreitpunkt - inwieweit Großbanken die Risiken in ihren Bilanzen mit internen Modellen herunterrechnen dürfen, um Kapital zu sparen - könne man sich wohl in der Mitte treffen, sagten Insider aus Aufsichtsbehörden und Banken der Nachrichtenagentur Reuters.

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Blick auf das Frankfurter Bankenviertel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die USA fordern, dass der nach internen Modellen errechnete  Kapitalbedarf ("Output Floor") nicht unter die Grenze von 75 Prozent des nach einem Standard-Modell ermittelten Werts fallen sollte. Europa dagegen hatte bis zuletzt auf ein Niveau von eher 70 Prozent gedrängt, womit Banken mehr Spielraum hätten.

Europas Institute befürchten, dass ihr Kapitalbedarf stark steigen würde, sollte die Prozentzahl sehr hoch angesetzt werden. Frankreich, Deutschland und die Niederlande hatten einen Wert von 75 Prozent abgelehnt. Nun sei ein Kompromiss bei 72,5 Prozent wahrscheinlich, sagten die Insider.

Jede Vereinbarung muss vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht noch genehmigt werden. Die Top-Bankenregulierer werden dieses Wochenende bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington vor Ort sein.

Die Verhandlungen zur sogenannten Basel-III-Reform ziehen sich schon seit langem hin. Die globalen Bankenregulierer hatten das Reformpaket im Auftrag der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) 2010 auf den Weg gebracht.

In Deutschland spricht man von "Basel IV"

Sieben Jahre später ist die Reform immer noch nicht komplett umgesetzt. Das letzte Stück der Reform, die neuen Regeln zu den Kapitalvorgaben, sollte eigentlich spätestens im Januar beschlossen werden. In Deutschland halten die Geldhäuser die geplanten Änderungen für so massiv, dass sie selbst stets von einer neuen Reform, "Basel IV", sprechen.

Einer der weiteren Gründe für die Verzögerung war zuletzt auch, dass nach dem Regierungswechsel in den USA dort einige für die Verhandlungen wichtige Regulierungsposten noch unbesetzt geblieben waren. So hatte US-Präsident Donald Trump erst unlängst seinen Kandidaten für die Bankenaufsicht, den Ökonomen Randal Quarles, bei der US-Notenbank Fed durchgebracht. Der Senat bestätigte Quarles in der vergangenen Woche.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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