Offerte unter Börsen-WertUnicredit verspricht Milliardeneinsparungen bei Coba-Übernahme

Wie viele Commerzbank-Aktionäre auf das Angebot der Unicredit eingehen, werden die kommenden Wochen zeigen. Die italienische Bank rechnet schon einmal vor, dass sich mit einer Fusion Milliarden einsparen ließen. Selbst die bloße Zusammenarbeit der beiden Banken könne äußerst lukrativ werden.
Die italienische Großbank Unicredit sieht in der angestrebten Übernahme der Commerzbank ein "Wertschöpfungspotenzial" von bis zu zwei Milliarden Euro. Im Fall des Zusammenschlusses beider Banken rechne man bis 2030 mit einem jährlichen Mehrwert von 1,1 Milliarden Euro vor Steuern. Erreicht werden sollen diese mit der Verschlankung der Zentrale, der Modernisierung der technischen Infrastruktur, einem besseren Rating und dem geringeren Finanzierungsbedarf durch einen Abbau risikogewichteter Aktiva (RWA). Das schreibt die Unicredit in ihrer Unterlage für das Übernahmeangebot an die Commerzbank-Aktionäre. Es werde aber zwei bis drei Jahre dauern, bis das Potenzial voll ausgeschöpft sei.
Am Übernahmeangebot selbst hat sich gegenüber der Ankündigung von Mitte März nichts geändert. Unicredit bietet 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Das ist weniger als die Commerzbank-Papiere derzeit an der Börse wert sind. Die Commerzbank-Aktionäre haben zunächst sechs Wochen bis zum 16. Juni Zeit, die Offerte anzunehmen. Darauf folgt eine zweiwöchige Nachfrist.
In der Unterlage heißt es weiter, die bloße Zusammenarbeit mit dem Großaktionär Unicredit könne bis zum Jahr 2028 schon 800 Millionen Euro Mehrwert bringen. Denn auch ohne eine Komplettübernahme kann die Commerzbank nach den Vorstellungen von Unicredit ertragreicher werden: Die Bank solle sich auf Deutschland und auf Polen konzentrieren und ihr internationales Netz ausdünnen. Die Italiener schlagen zudem Maßnahmen und Investitionen im Wert von 1,7 Milliarden Euro vor. Unter anderem für Vorruhestandsregelungen und umfangreiche Umschulungen. Mit ihrer Hilfe soll die Commerzbank ihre Aufwands-Ertrags-Quote auf das Niveau der Münchner Unicredit-Tochter HypoVereinsbank senken und so 1,3 Milliarden Euro einsparen.
Unicredit-Vorstandschef Andrea Orcel geht es mit dem Angebot vor allem darum, die Beteiligung an der Commerzbank auf mehr als 30 Prozent zu steigern, um danach freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben. Bisher hält Unicredit 26,77 Prozent an der Commerzbank und hat Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Zudem will Orcel den Commerzbank-Vorstand um Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch bringen. "Die Bieterin ist für einen Dialog mit der Commerzbank weiterhin offen, auch wenn sie dies nicht für ein wahrscheinliches Szenario hält, da die Commerzbank mitgeteilt hat, dass sie keine Grundlage für einen Dialog sieht", heißt es dazu im Prospekt.
Die Unicredit war Ende 2024 in großem Stil bei der Commerzbank eingestiegen und hat ihre Anteile seitdem weiter erhöht. Die Frankfurter Bank setzt auf eine Anhebung ihrer Finanzziele, um ihre Aktionäre davon zu überzeugen, dass sie mit einer weiterhin eigenständigen Commerzbank besser fahren.