Adieu Alt LuxemburgVilleroy & Boch schließt

Das traditionsreiche Villeroy & Boch-Werk in Luxemburg wird geschlossen. Die Schließung ist Teil der Sanierung, mit der das Unternehmen aus den roten Zahlen kommen will.
Das seit 240 Jahren gefertigte Service Alt Luxemburg, das in so manchem Haushalt zu besonderen Anlässen aus dem Schrank geholt wird, wird es auch künftig geben. Nur kommt das Geschirr aus leicht cremefarbenem Porzellan und mit dem blauen Blütenzweig-Dekor nicht mehr aus dem Großherzogtum.
Das Villeroy & Boch-Werk an dem Traditionsstandort schließt am 29. Juni endgültig seine Tore. Dieser Schritt ist Teil des Sanierungsprogramms, mit dem V&B sein Überleben auch nach dem Einbruch infolge der Wirtschaftskrise sichern will.
Proteste sind bereits verstummt
Die Entscheidung zum Stopp der Maschinen im Großherzogtum hatte im vergangenen Herbst massiven Widerstand unter den 220 Arbeitern des Werks hervorgerufen. Organisiert von den luxemburgischen Gewerkschaften, waren sogar Demonstranten ins etwa 50 Kilometer entfernte Mettlach gezogen und hatten Steine auf die altehrwürdige V&B-Zentrale geworfen.
Seit im November ein Zwölf-Millionen-Euro-Sozialplan vereinbart wurde, ist es eher still um die "umkämpfte" Fabrik geworden. Nicht einmal Luxemburgs Wirtschaftsminister Jeannot Krécké will mehr etwas dazu sagen. Als der Schließungsplan im März 2009 bekannt wurde, hatte er sich noch empört: "Das ist nicht die Art, wie in Luxemburg normalerweise in solchen Fällen verfahren wird."
Produktion ist in Luxemburg zu teuer
"Uns gefällt es auch nicht, Ursprungwerke schließen zu müssen. Aber die Produktion in Luxemburg war einfach zu teuer", sagt V&B-Vorstandschef Frank Göring. Außer der dortigen Fabrik wurde das schon lange bestehende Werk in Lübeck-Dänischburg dicht gemacht.
Auch wurde bereits die Fabrik im schwedischen Gustavsberg verkleinert, Werke in Italien und Tschechien wurden verkauft, die Produktionszweige Sanitärkeramik und Wellness sind schon auf wenige Standorte konzentriert. Der Abschluss der Sanierung ist für das erste Quartal 2011 geplant. Dann soll die Produktion 15 bis 20 Prozent billiger sein als vor Beginn der Krise, die Zahl der Beschäftigten um 1200 auf rund 8500 geschrumpft sein.
V&B hat durch die Einsparungen nach Überzeugung von Vorstandschef Göring erst einmal seine Zukunft gesichert: "Villeroy & Boch ist deutlich fitter als noch vor einem Jahr. Wir sind auf dem richtigen Weg." Der Hersteller hatte im Krisenjahr 2009 einen Verlust von 96,5 Millionen Euro verbucht. Der Umsatz fiel um 14,9 Prozent auf 715,3 Millionen Euro.
EU verhängt Bußgeldstrafe
Nun könnte die EU-Kommission seine Pläne durchkreuzen, schon in diesem Jahr auch im Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Denn die Wettbewerbshüter verlangen satte 71,5 Millionen Euro als Bußgeld für angebliche Preisabsprachen mit anderen Badezimmer-Ausstattern.
V&B will zwar die EU-Forderung vor Gericht anfechten, und bis zu einer Entscheidung kann es Jahre dauern. Das börsennotierte Unternehmen will aber schon jetzt einen "angemessenen Betrag" zurücklegen, um notfalls doch problemlos zahlen zu können - und das könnte das Konzernergebnis auch in diesem Jahr belasten.
90 Mitarbeiter bleiben am Traditionsstandort
Indes bleibt Villeroy & Boch seinem Traditionsstandort Luxemburg weiter in gewisser Weise treu. Immerhin begann François Boch auf dem heutigen Gebiet des Großherzogtums Ende der 1760er Jahre mit der Serienproduktion von Keramik und führte 1770 das Brindille-Dekor für Alt Luxemburg ein. Künftig werden weiter rund 90 Mitarbeiter vor allem im Marketing und Export von Luxemburg aus arbeiten. Zudem steht dort das Gästehaus der Firma, das von den Gebrüdern Boch zwischen 1872 und 1874 gebaute Château de Septfontaines.