Wirtschaft

Gold auf Sieben-Jahres-Hoch Virus-Angst lässt Börsen weiter abstürzen

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Der Dax verliert mehr als 2000 Punkte in nur zwei Wochen.

(Foto: imago images/Xinhua)

Erneut geraten die Börsen ins Taumeln - die Sorge vor einer weltweiten Wirtschaftskrise macht Anleger nervös. Ursache ist die sich ausbreitende Corona-Epidemie. Der Dax stürzt mehr als drei Prozent ab. Krisensichere Geldanlagen hingegen sind gefragt.

Die Angst vor einem weltweiten Konjunkturabschwung wegen der Coronavirus-Epidemie hat die Börsen erneut beben lassen. "Die Nerven bei den Anlegern liegen blank", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC. Der Dax fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit August vergangenen Jahres und büßte zum Handelsschluss 3,4 Prozent auf 11.542 Punkte ein. Auf Wochensicht bedeutet dies einen Verlust von 2,9 Prozent.

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In nur zwei Wochen verlor der deutsche Leitindex damit mehr als 2000 Punkte. Vom Rekordhoch Mitte Februar bei 13.795 Punkten hat er mittlerweile mehr als 16 Prozent eingebüßt. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel sank zum Wochenschluss um 3,6 Prozent auf 24.751 Punkte.

An den europäischen Handelsplätzen sah es ähnlich düster aus: Der Euro-Stoxx-50 als Leitindex der Eurozone fiel um 3,9 Prozent auf 3232 Zähler. Auch in Paris und London ging es auf diesem Niveau abwärts. Am New Yorker Aktienmarkt stand der Dow Jones Industrial zum europäischen Börsenschluss mehr als 2,0 Prozent tiefer.

Lufthansa-Aktie beendet Abwärtstrend

Die Aktien der Lufthansa beendeten erst einmal ihren steilen Abwärtstrend. Kurz vor Veröffentlichung der Meldung, dass wegen des Coronavirus in den nächsten Wochen die Flugkapazitäten gekürzt werden sollen, dämmten die Aktien ihre Verluste komplett ein. Zwischendurch notierten sie sogar im Plus. Die Maßnahme diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfrageeinbruchs zu verringern, hieß es vom Konzern. Aus dem Handel gingen die Lufthansa-Papiere mit minus 0,2 Prozent.

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Der europäische Branchenindex der Luftfahrt- und Touristik-Werte fiel bis auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief, grenzte seine Verluste dann aber auf minus 2,2 Prozent ein. In London verloren die Aktien von Carnival 7,8 Prozent, nachdem einem seiner Kreuzfahrtschiffe wegen Corona-Verdachts die Einfahrt in den Hafen von San Francisco verweigert wurde. Liquiditätssorgen ließen die Aktien des Billigfliegers Norwegian um 22,8 Prozent absacken.

Aus Furcht vor zunehmenden wirtschaftlichen Risiken durch das sich ausbreitende Virus entschieden sich Anleger gegen Aktien und für als sicher geltende Anlagemöglichkeiten: Kurse von Bundesanleihen stiegen stark. Das drückte die Rendite der zehnjährigen Titel um sieben Basispunkte auf ein Rekordtief von minus 0,746 Prozent. Damit unterschritt sie den bisherigen Tiefstwert von minus 0,743 Prozent vom vergangenen September, als der Brexit und der Zollstreit zwischen den USA und China Investoren verunsichert hatte.

"Sicherer Hafen" Gold mit neuem Hoch

Der Dollar stand wegen Spekulationen auf weitere US-Zinssenkungen unter Druck. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel auf ein Dreizehn-Monats-Tief von 95,7110 Punkten. Das Edelmetall Gold, welches in Krisenzeiten als "sicherer Hafen" gilt, stieg bis auf ein Sieben-Jahres-Hoch, bröckelte dann aber auf 1663 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ab und lag leicht im Minus.

Das Risiko einer kurzen, drastischen Rezession steige erheblich, warnte Nigel Green, Chef des Anlageberaters deVere. Dabei drohe eine Abwärtsspirale aus geringeren Konsumausgaben und Investitionen, die Stellenstreichungen auslösten, die wiederum zu geringeren Konsumausgaben und Investitionen führten. Die Rezessionsangst spiegelte sich auch am Rohölmarkt wider, wo der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 9,4 Prozent auf 45,28 Dollar je Barrel (159 Liter) auf den tiefsten Stand seit Juni 2017 einbrach. Russland hat Insidern zufolge die angedachten Produktionskürzungen der Ölförderländer blockiert. Die Opec-Staaten wollten zusätzliche Förderkürzungen von 1,5 Millionen Fässern pro Tag, um den Preis des Rohstoffs zu stabilisieren.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa