Wirtschaft

Millionen für "nutzlose" Anlage Warren Buffett bricht sein eigenes Tabu

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Ein nutzloses Produkt, aber aktuell so wertvoll wie nie.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Das Credo von Investorenlegende Warren Buffett ist seit Jahrzehnten, in Firmen und deren Wertschöpfung zu investieren, statt auf Kursgewinne zu spekulieren. "Nutzloses" Gold hatte in seinem Portfolio keinen Platz. Jetzt bricht der 89-Jährige mit seinem eigenen Dogma.

Es ist nur ein kleiner Posten in Warren Buffetts Portfolio: 562 Millionen Dollar oder gerade einmal 0,3 Prozent ihres Kapitals steckte seine Holding Berkshire Hathaway in den vergangenen Monaten in Aktien des Goldproduzenten Barrick Gold. Zum Vergleich: Der Apple-Anteil von Berkshire ist fast 90 Milliarden Dollar wert. Doch die Investition in einen der größten Goldschürfer der Welt, die durch eine Pflichtmitteilung Ende vergangener Woche bekannt wurde, sorgt für großes Aufsehen. Der Barrick-Aktienkurs reagierte jetzt zu Beginn des vorbörslichen Handels mit einem Sprung um zehn Prozent nach oben.

Das ist für Buffett, den fünftreichsten Menschen der Welt, ein bemerkenswerter Kurswechsel. Denn sein Credo ist seit Jahrzehnten das Value-Investment, das Investieren in Wertschöpfung durch Unternehmen im Gegensatz zur Spekulation auf Kursgewinne. Gold hat dagegen nach Buffetts bisheriger Ansicht keinen realen Wert, sondern verursacht sogar Kosten. "Es wird in Afrika oder irgendwo aus dem Boden ausgegraben. Dann schmelzen wir es, graben ein neues Loch, vergraben es wieder und bezahlen Leute, herumzustehen und es zu bewachen. Es hat keinen Nutzen", soll Buffett einmal gesagt haben. Wenn Marsmenschen das beobachten sollten, würden sie sich "am Kopf kratzen" vor Verwunderung. Genau mit diesem "nutzlosen" Geschäft verdient Barrick sein Geld - aktuell dank der Goldpreis-Rally sehr viel Geld.

Gleichzeitig mit seinem Schwenk auf das bisher von ihm verschmähte Gold reduzierte Buffett im vergangenen Quartal seine Beteiligungen an mehreren Großbanken erheblich. Bei Goldman Sachs stieg Buffett sogar ganz aus. Lediglich bei der Bank of America kaufte Berkshire zu. Diese Umschichtung von den Bankaktien, deren Entwicklung traditionell an die allgemeine Wirtschaftsentwicklung gebunden ist, hin zur als Krisenwährung geltenden Edelmetall wirft die Frage auf, ob Buffetts unerschütterlicher Glaube in die US-Wirtschaft Risse bekommen hat. Noch vor wenigen Wochen hatte Buffett auf der Hauptversammlung den Birkshire-Aktionären geraten: "Man sollte niemals gegen Amerika wetten."

Zwar hat Buffett selbst kein Gold in physischer Form oder als Wertpapier gekauft. Das Geschäft und damit auch der Aktienkurs von Goldproduzenten wie Barrick ist aber eng mit der Entwicklung des Preises für das Edelmetall verbunden, der Anfang dieses Monats ein neues Allzeithoch erreicht hatte. "Es ist schon spannend, dass Warren Buffett raus geht aus amerikanischen Bankaktien, die er sehr stark übergewichtet hatte, und jetzt das Gold entdeckt hat", sagte ntv-Börsenexperte Frank Meyer. Der betont, dass nicht nur der Goldpreis in den vergangenen Monaten bereits stark gestiegen ist, sondern auch der Barrick-Aktienkurs. "Die ersten 100 Prozent" Kursgewinn habe Goldskeptiker so schon verpasst.

Quelle: ntv.de, mbo