Wirtschaft
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Montag, 29. Mai 2017

Autos als Ärgernis: Warum Trump Deutschland-Bashing betreibt

Von Jan Gänger

Donald Trump ärgert sich über die vielen deutschen Autos, die auf den Straßen der USA herumfahren. So absurd seine Kritik auch ist: In einem Punkt hat der US-Präsident durchaus recht.

Eines kann Donald Trump offenbar überhaupt nicht ertragen: Wenn andere Länder etwas vermeintlich oder tatsächlich besser können als die USA. Das ist durchaus konsequent, schließlich hat sich der US-Präsident "America first" auf die Fahnen geschrieben. Und so muss sich auch Deutschland Kritik anhören.

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Trump ärgert sich über den deutschen Überschuss im Handel mit den USA - und wirft der Bundesrepublik zugleich unfaire Methoden vor. Auf dem G7-Gipfel bezeichnete er die "Millionen" verkauften deutschen Autos in den USA als "fürchterlich" - und kündigte an, diesen Anblick zu "stoppen".

Trump betrachtet Handel als einen Wettstreit. Handelsüberschüsse sind für ihn gleichbedeutend mit nationalem Wohlstand - und Defizite ein Zeichen von Schwäche. Das erklärt auch, warum er eine große Sympathie für Handelsprotektionismus hat.

Hinzu kommt: Der deutsche Überschuss im Handel mit den USA ist tatsächlich sehr groß. Im ersten Quartal übertrafen die deutschen Exporte in die USA die Importe von dort um knapp 14 Milliarden Euro. Mit keinem anderen Land erzielte Deutschland einen höheren Überschuss. Im vergangenen Jahr lag dieser bei insgesamt 49 Milliarden Euro.

Das ändert allerdings nichts daran, dass Trumps Ärger über deutsche Autos auf Amerikas Straßen auf unzutreffenden Annahmen basiert. So werden nicht ganz so viele deutsche Autos in den USA verkauft wie der US-Präsident suggeriert, im vergangenen Jahr waren es laut Branchenverbands VDA 1,33 Millionen Stück. Der Marktanteil deutscher Hersteller in den USA lag 2016 bei etwas mehr als sieben Prozent - während die Amerikaner in Deutschland demnach auf einen Marktanteil von 13,5 Prozent kamen.

Zudem bauen die deutschen Hersteller in den USA insgesamt mehr Autos als sie aus Deutschland dorthin importieren. BMW ist nach Konzernangaben vom Januar sogar der größte Auto-Exporteur der USA.

Schwacher Euro hilft

Doch Trump ist offensichtlich überzeugt davon, dass der Erfolg deutscher Autokonzerne in den USA zu einem wesentlichen Teil auf ungerechten Handelsvorteilen beruht. Für ihn ist die deutsche Automobilindustrie ein Beispiel dafür, wie die USA von ihren Handelspartnern übervorteilt werden. Anders als mit unfairen Methoden sind für Trump die Defizite der USA mit anderen Ländern offenbar nicht zu erklären. Deutschland wirft er beispielsweise vor, sich durch den schwachen Euro unfaire Handelsvorteile zu verschaffen.

Tatsächlich hilft der niedrige Euro den deutschen Exporteuren. Auf der anderen Seite ist es jedoch in Europa vor allem die Bundesregierung, die darauf drängt, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik verschärft. Sollte die EZB das umsetzen, würde der Kurs des Euro steigen. Das würde deutsche Produkte im Ausland teurer machen.

Das heißt aber nicht, dass die deutschen Exportüberschüsse kein Problem sind. Im Gegenteil. Nicht nur Trump prangert sie an, auch die US-Regierung unter Barack Obama kritisierte sie - ebenso wie der Internationale Währungsfonds oder jüngst Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron.

Der Grund: Deutschland stellt dauerhaft sehr viel mehr her als es verbraucht und sorgt damit für extreme wirtschaftliche Ungleichgewichte. Die deutschen Überschüsse sind zwangsläufig die Defizite anderer Länder. Vor allem in der Eurozone ist das ein Problem. Deutschland trägt mit seinen permanent hohen Ausfuhr-Überschüssen zur Verschuldung anderer Länder bei – und riskiert, diese dann mit Rettungspaketen bekämpfen zu müssen. Denn das deutsche Modell funktioniert nur dann, wenn die anderen Länder ihre Rechnungen auch begleichen können.

Das heißt natürlich nicht, dass Deutschland weniger exportieren soll. Stattdessen wäre es hilfreich, wenn Deutschland mehr Waren aus dem Ausland importieren würde. Wie das gelingen könnte, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Die einen wünschen sich eine straffere Geldpolitik der EZB. Andere schlagen Steuersenkungen vor, um den Konsum - und damit auch den Kauf ausländischer Produkte - zu erhöhen. Wieder andere favorisieren staatliche Investitionen, etwa in Infrastruktur, Bildung und Forschung. Ihr Argument: Das würde das Wachstum stärken und die Ungleichgewichte abbauen.

Ob es dazu kommt? Das wird sich wohl frühestens nach der Bundestagswahl im September zeigen. Bis dahin dürfte Trump noch mehrfach von sich hören lassen.

Quelle: n-tv.de