Wirtschaft

Scheidung vom Problemkunden Warum die Deutsche Bank Trump verlässt

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Steht bei der Deutschen Bank in der Kreide: Donald Trump.

(Foto: USA TODAY Sports)

Schon lange wollte die Deutsche Bank ihre Geschäftsbeziehung mit Donald Trump beenden. Mit dem unschönen Ende der Präsidentschaft leitet das Geldhaus nun den Abschied ein.

Eine nicht besonders glückliche Beziehung geht zu Ende: Die Deutsche Bank macht Schluss mit Donald Trump. Doch wie das bei vielen Scheidungen so ist, droht nach der Trennung Zoff.

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Die Bank, die sich zu den Trennungsberichten verschiedener US-Medien nicht äußert, will dem Vernehmen nach ihre Geschäftsbeziehung zu Trump schon seit geraumer Zeit beenden. Und mit dem Ende der Präsidentschaft scheint die Gelegenheit nun gekommen.

Dabei gehört Deutschlands größte Bank zu den letzten Geldhäusern, die Trump die Treue gehalten haben. Als andere schon längst abwinkten, lieh sie ihm weiterhin Geld. In 18 Jahren bis zum Beginn der Präsidentschaft 2016 sollen es rund 2 Milliarden Dollar gewesen sein. Die Deutsche Bank ist damit der größte Kreditgeber Trumps.

In den nächsten vier Jahren werden der "New York Times" zufolge Kredite der Bank in Höhe von mehr als 300 Millionen Dollar fällig - Forderungen, für die Trump laut Zeitung persönlich haftet, nicht sein Firmengeflecht. Insgesamt muss Trump für Schulden in Höhe von 421 Millionen Dollar geradestehen. Derweil ist völlig unklar, ob Trump tatsächlich viele Milliarden Dollar schwer ist, wie er behauptet.

Der Anlass für die nun offenbar geplante Trennung ist womöglich das gewaltsame Eindringen von Trump-Anhängern ins Kapitol in Washington. Die US-Chefin der Deutschen Bank, Christiana Riley, hatte die Aktion deutlich kritisiert. "Wir sind stolz auf unsere Verfassung und stehen zu denen, die versuchen, sie aufrechtzuerhalten, um sicherzustellen, dass der Wille des Volkes gewahrt bleibt und ein friedlicher Machtwechsel stattfindet", so Riley.

Bankerin reicht Kündigung ein

Im vergangenen Jahr hatten verschiedene Medien berichtet, die Bank suche nach Möglichkeiten, ihre Geschäftsverbindung mit Trump nach den Präsidentschafts-Wahlen zu beenden. Der Trump Organization gehören mehrere Hotels und Golfclubs. Auf die Trennung deutete hin, als die seit Jahren für Trump zuständige Mitarbeiterin der Deutschen Bank im Dezember ihre Kündigung eingereicht hatte. Auch einer ihrer langjährigen Kollegen verlasse das Institut, so die Bank. Einen Grund für die Schritte nannte sie allerdings nicht.

Rosemary Vrablic hatte Trump zur Deutschen Bank gebracht und war dort seine Ansprechpartnerin. Der "New York Times" zufolge hatte sie dafür gesorgt, dass Trumps Firmengeflecht Kredite in Höhe von mehreren Hundert Millionen Dollar erhielt. Im August habe die Deutsche Bank dann eine interne Untersuchung zu einem zweifelhaften Immobiliengeschäft aus dem Jahr 2013 zwischen Vrablic und ihrem Mitarbeiter mit einem Unternehmen eingeleitet, das zum Teil Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gehöre.

Die Bank sei es leid, wegen Trump immer wieder in die Schlagzeilen zu geraten, hatte Reuters im vergangenen November berichtet und sich dabei auf drei hochrangige Manager berufen. Ein Managementausschuss, der sich unter anderem mit Reputationsrisiken beschäftigt, habe verschiedene Optionen diskutiert, um die Beziehung zu beenden. Ein Vorschlag sei gewesen, die Trump gewährten Kredite weiterzuverkaufen. Doch daraus sei nichts geworden, unter anderem weil unklar sei, wer die Darlehen überhaupt kaufen würde.

Trump ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Kunde der Deutschen Bank. Die Kredite, die für einen Golfplatz in Miami und Hotels in Washington und Chicago vergeben wurden, seien so gestaltet, dass die Trump Organization bislang nur Zinsen zahlen muss, hieß es. Die Tilgung des Darlehens findet also komplett am Ende der Laufzeit statt. Die Kredite werden 2023 und 2024 fällig. Das Problem: Die mit den Darlehen finanzierten Hotels und Golfclubs leiden unter der Corona-Krise, die Einnahmen sind wie in der gesamten Touristikbranche eingebrochen. Trump hatte zudem geplant, auf Golfplätzen wie dem in Miami Hotels und Häuser zu bauen, und so zusätzliche Einnahmen zu erwirtschaften. Doch bislang ist daraus nichts geworden.

Spenden für Schuldentilgung?

Die Deutsche Bank mache sich wegen der verbleibenden Zeit bis zur Fälligkeit der Kredite und Trumps persönlicher Bürgschaft aber keine allzu großen Sorgen, wie es weiter hieß. Manager hätten dennoch verschiedene Szenarien durchgespielt. Wenn Trump nicht mehr Präsident ist, sei es leichter auf der Rückzahlung der Kredite zu bestehen und sogar die Zwangsvollstreckung einzuleiten, wenn Trump die Darlehen nicht zurückzahlen oder refinanzieren könne. Hätte Trump die Wahl gewonnen, dann sähe das allerdings anders aus. Es wäre wohl undenkbar gewesen, Vermögenswerte eines amtierenden US-Präsidenten zu beschlagnahmen.

Außerdem hat Trump in den vergangenen Wochen Spenden von rund 200 Millionen Dollar eingesammelt. Der offizielle Grund: Damit sollten Klagen gegen den Wahlsieg Joe Bidens finanziert werden. Doch er kann das viele Geld auch völlig anders verwenden - beispielsweise zur Schuldentilgung.

Quelle: ntv.de, mit rts

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