Wirtschaft

"Operation Twist II" Was genau hat Bernanke vor?

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Der Mann, der für 400 Mrd. Dollar Anleihen umtauschen will: Ben Bernanke.

(Foto: dpa)

Mit einem gewagten Manöver aus dem geldpolitischen Krisenlehrbuch will Währungshüter Ben Bernanke den Vereinigten Staaten unter die Arme greifen. Wird "Twist II" der weltgrößten Volkswirtschaft helfen? Eilig blättern Analysten zurück bis ins Jahr 1961. Wie erfolgreich war Bernankes legendärer Vorgänger William McChesney Martin mit "Twist I"?

Die US-Notenbank Federal Reserve(Fed) greift zur Unterstützung der lahmenden Konjunktur einmal mehr in die Trickkiste. Sie werde bis Mitte kommenden Jahres 400 Mrd. Dollar in die Hand nehmen, um lang laufende Anleihen zu erwerben, teilte die Fed Mitte der Woche in Washington mit. Parallel sollen aus den Beständen der Fed kurz laufende Treasuries mit Laufzeiten unter drei Jahren verkauft werden.

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Drehen, tanzen, wirbeln: "Operation Twist" soll die US-Wirtschaft ankurbeln.

(Foto: REUTERS)

Fed-Chef Ben Bernanke lehnt sich damit an die so genannte " " der Fed von 1961 an. Durch diesen Schritt sollen die langfristigen Zinsen sinken. Dadurch werden - so das Kalkül - Kredite tendenziell billiger. Dies soll Wirtschaft und Verbrauchern helfen.

Was ist ein "Twist"?

Wer ein Wörterbuch aufschlägt, findet unter dem Begriff "Twist" zahlreiche deutsche Übersetzungen. Allen Einträgen ist gemein, dass sie eine Drehbewegung bezeichnen oder einen Wirbel - ganz wie im Tanzstil der 60er-Jahren.

Höhepunkt der Bewegung in kultureller wie geldpolitischer Hinsicht ist das Jahr 1961. Während der US-Sänger Chubby Checker mit "Let's twist again" einen Welthit landet, macht in jenem Jahr auch die US-Notenbank Federal Reserve einen zumindest in Fachkreisen stark beachteten "Twist": Sie wirbelt den Anleihemarkt durcheinander, indem sie in großem Stil lang laufende Staatspapiere kauft und parallel das Finanzministerium viele kurz laufende Anleihen emittiert.

Ziel der recht komplizierten geldpolitischen "Operation Twist" des damaligen Notenbankchefs William McChesney Martin war es, das Verhältnis von langlaufenden und kurzlaufenden Anleihen am Markt zu verändern. Auf diese Weise konnte Martin indirekt Einfluss auf die langfristigen Zinsen ausüben, sie absenken und damit der Konjunktur neuen Schub verleihen.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 vor Augen

50 Jahre später, im Jahr 2011, verfolgt Fed-Chef Ben Bernanke aus ganz anderen Gründen und in einem komplett veränderten Finanzsystem ein ähnliches Ziel. Martins Nach-Nachfolger an der Spitze der Fed hatte sich vor seiner Amtszeit als Ökonom ausführlich mit der Weltwirtschaftskrise und den Fehlern auseinandergesetzt, die 1929 in die große Weltwirtschaftskrise mit weltweit verheerenden Konjunktrueinbrüchen geführt hatten.

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Notenbankchef von 1951 bis 1970: William McChesney Martin.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Dieses Schreckensbild vor Augen pumpte Bernanke nach dem Zusammenbruch der Großbank Lehman Brothers und der nachfolgenden Finanzkrise Geld in großen Mengen in die US-Wirtschaft. Durch die gewaltigen Stütz- und Rettungsaktionen hat sich die Bilanz der Fed auf ungeheure 2,9 Billionen Euro aufgebläht. In bislang zwei großen Aktionen kaufte die Fed für hunderte von Milliarden Dollar US-Staatsanleihen auf.

Doch alle Bemühungen scheinen bislang nicht zu fruchten: Die Konjunktur lahmt weiter. Die Situation am Arbeitsmarkt stagniert. Derzeit finden gut 14 Millionen US-Amerikaner, die arbeiten wollen, keinen Job. Das politische Washington steht erheblich unter Druck.

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Die Fed stemmt sich mit ihren Maßnahmen gegen eine sich abzeichnende deutliche Abkühlung, wenn nicht gar eine neue Rezession, die den USA nach Ansicht vieler Ökonomen in den nächsten Monaten droht. Mit Blick auf die Job-Krise in den USA hatte Präsident Barack Obama erst kürzlich ein . Große Sorgen bereitet den Amerikanern zudem die Schuldenkrise in der Euro-Zone. US-Finanzminister Timothy Geithner hatte deshalb vergangene Woche sogar überraschend an einem Treffen der europäischen Finanzminister in Breslau teilgenommen.

Am Dienstag hatte zudem der Internationale Währungsfonds (IWF) Regierungen und Notenbanken zum Handeln aufgefordert, um eine Eskalation der Krise und eine Rezession zu verhindern. Experten halten es deshalb für gut denkbar, dass die Fed schon bald zu QE3 greift und ihre Bilanz weiter ausbaut. Das nächste Mal entscheidet der FOMC Anfang November über die weitere Geldpolitik.

Bereits im Vorfeld gingen Fachleute davon aus, dass die Fed fast exakt 50 Jahre nach "Twist" mit der Operation "Twist II" erneut versuchen dürfte, die Struktur ihrer Anleihen zu verändern. Dabei stehen der US-Notenbank theoretisch zwei Wege offen.

  • Variante 1: Alle auslaufenden Bonds werden durch neue lang laufende Papiere ersetzt.
  • Variante 2: Bernanke verkauft aktiv kurz laufende Treasuries und kauft neue, die länger laufen.

Bei ihren Anleihekäufen im Rahmen von "Twist II" peilt die Fed eigenen Angaben zufolge vor allem Treasuries mit Laufzeiten zwischen sechs und 30 Jahren Laufzeit an. Abgewickelt werden sollen die Geschäfte wie immer von der wichtigsten regionalen Notenbank der USA, der Federal Reserve Bank of New York (New York Fed).

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Das Ziel bleibt damals wie heute gleich: Ein weiterer belebender Impuls für die Konjunktur. Doch diesmal hat Sache einen Haken. Nach einer Studie der Fed von San Francisco drückte die Operation "Twist" 1961 die Rendite langfristiger Staatsanleihen um 0,15 Prozentpunkte. Eine solche dürftige Wirkung der Aktion dürfte niemandem reichen: Weder "Helikopter-Ben", noch dem US-Präsidenten oder der angeschlagenen US-Wirtschaft.

Den für den Dollar-Raum maßgeblichen Leitzins beließen die Notenbanker bei ihrer auf zwei Tage verlängerten September-Sitzung des für die Geldpolitik entscheidenden Offenmarktausschusses . Früheren Angaben zufolge wollen die Währungshüter von Washington dieses Niveau .

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts

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