Wirtschaft

Horrende Kursziele Was ist der faire Wert eines Bitcoin?

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Eine Anzeigetafel mit dem Chart der Digitalwährung Bitcoin.

(Foto: picture alliance / Lee Jin-Man/A)

Die Meinungen über Bitcoin gehen weit auseinander: Während die einen den Höhenflug der Kryptowährung für eine Spekulationsblase halten, versuchen die anderen einen möglichen "Wert" zu berechnen. Wer liegt richtig?

Nach dem Start des Handels mit Bitcoin-Futures an der US-Derivatebörse CBOE am 10. Dezember ist der Hype ins Stocken geraten, und die Kryptowährung tendiert lediglich seitwärts. Durch den Futures-Handel können Investoren sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen, weshalb die Kursentwicklung zumindest kurzfristig keine Einbahnstraße mehr sein könnte.

Bitcoin in Dollar
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Dennoch zieht Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro, ein positives Fazit der Futures-Einführung: "Der Start der Bitcoin-Futures an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Die Leerverkäufe sind weitgehend ausgeblieben, was den gesamten Kryptomarkt positiv stimmte und die Preise sowohl für Bitcoin als auch für einige andere Währungen in Richtung neuer Allzeithochs trieb. Die Schutzmechanismen der CBOE, die den Handel stoppen, wenn die Kursschwankungen zu groß sind, mussten gleich zwei Mal greifen. Darüber hinaus erlebte die CBOE-Website einen bemerkenswerten Besucheransturm, der die Website mehrmals zum Absturz brachte."

Die Nachfrage bleibt groß, weshalb zahlreiche Profis die Pferde umsatteln. Der US-Hedgefondsmanager John Burbank hat angekündigt, er werde den Flaggschiff-Hedgefonds seiner Firma Passport Capital schließen und stattdessen einen neuen Bereich eröffnen, der sich auf Kryptowährungen, wie Bitcoin fokussieren werde. Burbank folgt damit einigen Kollegen, wie etwa dem ehemaligen Hedgefondsmanager Mike Novogratz, die ebenfalls in das Segment eingestiegen sind. Burbanks Einschätzungen haben in der Branche Gewicht, nachdem er die 2008er-Schuldenkrise rechtzeitig hatte kommen sehen, woraufhin sein wichtigster Fonds im Jahr 2007 einen Kurssprung um mehr als 200 Prozent verbucht hatte.

Auch die Produktanbieter hierzulande dürften bald nachziehen. Den ersten Schritt hat die Bank Vontobel mit Partizipationszertifikaten auf Bitcoin unternommen, die 1:1 an der Wertentwicklung der Kryptowährung partizipieren.

Spekulation oder Revolution?

Während also immer mehr Geld in den Bereich hineinfließt, versuchen manche Experten auszurechnen, wie hoch der mögliche "Wert" von Bitcoin sein könnte - und welches Potenzial der Kurs damit hat. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie die Kryptowährung eingesetzt wird, ob sie zum Beispiel den Dollar verdrängen könnte. Die Rechnung wäre dann wie folgt: Die US-Geldmenge liegt bei 3,64 Billionen Dollar. Gleichzeitig soll die Zahl der Bitcoins von aktuell 16,74 Millionen auf maximal 21 Millionen steigen. Das entspräche rund 173.250 Dollar je Bitcoin (3,64 Billionen geteilt durch 21 Millionen Bitcoins).

Wie wäre es, wenn Bitcoin die Währungen der G7-Länder, also der sieben wirtschaftlich stärksten Länder der Welt verdrängen würde? "Dürfen Banken keine Bitcoin-Guthaben offerieren und damit keine Kreditschöpfung betreiben (wie es im Sinne der Bitcoin-Anhänger ist), müssten die Bitcoin mindestens die Geldmenge ersetzen. Diese summiert sich in den G7-Ländern auf 21.450 Milliarden US-Dollar. Damit errechnet sich für den Bitcoin ein Wert von 1,021 Millionen Dollar. "Der Bitcoin wäre noch viel mehr wert, wenn er von außerhalb der G7-Länder nachgefragt würde", schrieb daher Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank zuletzt.

Der renommierte amerikanische Autor und Blogger Charles Hugh-Smith hatte bereits im Mai 2016 bei Kursen von um die 580 Dollar ein Kursziel von 17.000 Dollar ausgegeben. Seine Erklärung: Nach der Rekordfahrt der vergangenen Jahre am weltweiten Aktien- und Anleihenmarkt belaufe sich das Finanzvermögen auf rund 300 Billionen Dollar. Wenn nur 0,1 Prozent davon in Bitcoin fließen würden, würde das einen Preis von rund 17.000 Dollar bedeuten. Wenn stattdessen ein Prozent hineinfließen würde, wären das "irrwitzige 170.000 Dollar".

Ergeben diese Schätzungen Sinn?

Diese Herleitungen sind allerdings problematisch, weil man wohl kaum davon ausgehen kann, dass die US-Regierung und die Notenbank oder andere Länder tatenlos zusehen werden, wie ihre jeweilige Währung durch Bitcoin in Frage gestellt und verdrängt wird. Vielmehr nimmt die Gefahr zu, dass bei einem noch stärkeren Bitcoin-Anstieg, Politiker umso stärker einschreiten werden.

China hat bereits den Handel mit Bitcoins verboten. Das hat den Kurs allerdings nur kurz belastet, im Anschluss schoss er förmlich auf neue Rekordstände. "Wenn die Menschen auf privates Geld wechseln wollten, würde der Staat das behindern. Schließlich hat er ein großes Interesse, sein Geldsystem aufrecht zu erhalten. So profitiert er von den Gewinnen seiner Notenbank, kann die Zentralbank zum Kauf seiner Anleihen einspannen und die Finanzströme besser überwachen, um etwa Steuerhinterziehung zu erschweren", ergänzt Commerzbank-Experte Krämer.

Um Bitcoin den Garaus zumachen, müssten die Politiker allerdings nicht nur den Handel mit der Kryptowährung verbieten, sondern auch deren Besitz. Sollte ein Land, wie die USA oder Japan, wo der Großteil des Bitcoin-Handels stattfindet, einen derartigen Schritt unternehmen, könnte das nicht nur Bitcoin, sondern den Kryptowährungen insgesamt einen Tiefschlag verpassen, von dem sie sich nur schwer erholen dürften.

Welcher Teil des weltweiten Finanzvermögens jemals in Bitcoin fließen könnte, ist daher kaum vorhersagbar. Einerseits könnte es jederzeit zu einem deutlichen Kursrückschlag am weltweiten Aktien- oder Anleihenmarkt kommen, woraufhin sich Billionen von Dollar in Luft auflösen würden. Davon dürfte auch Bitcoin betroffen sein. Andererseits könnten Investoren in Krisenzeiten eventuell einen Teil ihres Geldes statt in Bitcoin in Gold stecken. Immerhin ist das Edelmetall im Vergleich zu US-Aktien so günstig wie seit Herbst 2007 nicht mehr.

Die Kursentwicklung bei Bitcoin hat sich zuletzt deutlich beruhigt. Die weitere Performance dürfte vor allem von möglichen Maßnahmen von Regierungen und Politikern aus verschiedenen Ländern abhängen. Wenn sie mehr unternehmen sollten, um den weiteren Aufstieg der Kryptowährung zu verhindern, wären sämtliche Rechenbeispiele reine Makulatur.

Quelle: n-tv.de