Wirtschaft

Heimliche Offshore-Geschäfte Was steckt hinter den "Pandora Papers"?

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Die meisten der in den "Pandora Papers" erwähnten Firmen wurden auf den britischen Jungferninseln eingerichtet.

(Foto: REUTERS)

Ein Steueroasen-Leak belastet weltweit hunderte Politiker, Oligarchen und Prominente. Wie illegal deren Geschäfte sind, ist allerdings unklar. ntv.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu den "Pandora-Papers".

Was sind die "Pandora Papers"?

Ein riesiges Datenleck - 11,9 Millionen Dokumente, die dem Internationalen Consortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) von einer anonymen Quelle zugespielt worden sind. Die insgesamt knapp drei Terrabyte umfassenden Daten stammen von 14 Unternehmen, die Offshore-Geschäfte anbieten. Von den fast tausend Briefkastenfirmen wurden mehr als zwei Drittel auf den britischen Jungferninseln eingerichtet. Hunderte Politiker, Regierungsvertreter, Oligarchen und Prominente haben demnach Geld in Steueroasen versteckt.

Was sind Offshore-Firmen?

Das sind Briefkastenfirmen, die ihren Sitz in Ländern haben, die mit besonders niedrigen Steuersätzen locken. Häufig ist dort die Geldwäschekontrolle eher lax. Die Firmen bestehen nur auf dem Papier und haben keinen Geschäftsbetrieb. An der angegebenen Adresse findet sich lediglich ein Briefkasten oder Postfach. Die Verwaltung dieser Firmen findet anderswo statt. Die Inhaber der Firmen bleiben in der Regel anonym.

Was sind typische Standorte von Briefkastenfirmen?

Viele finden sich in der Karibik, Beispiele sind die Jungferninseln, Bahamas, Barbados oder die Cayman-Inseln. Andere Orte sind Belize und Panama. Aber auch in Europa gibt es dafür bekannte Finanzplätze - etwa Liechtenstein, Luxemburg, die Schweiz und die britischen Kanalinseln. In Europa sind die Vorschriften allerdings strenger.

Wie entstehen solche Firmen?

Die Gründung ist problemlos. Es gibt zahlreiche darauf spezialisierte Dienstleister, die das im Auftrag von wohlhabenden Menschen erledigen. Ist das Unternehmen gegründet, werden ihm Vermögenswerte der Auftraggeber übertragen. Sie können zu völlig legalen Zwecken genutzt werden - etwa, um Steuern zu sparen oder den Besitzer etwa von Firmen oder Immobilien zu anonymisieren. Auch die Quelle von Vermögen kann so verschleiert werden. Häufig werden sie aber zur Geldwäsche oder Steuerhinterziehung verwendet.

Wer ist in den Dokumenten erwähnt?

In den Unterlagen tauchen die Namen von 35 amtierenden und früheren Staatsoberhäuptern und Regierungschefs auf, darunter Tschechiens Ministerpräsident, Zyperns Präsident und der jordanische König. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta nutzen demnach Offshore-Firmen. In den Unterlagen sind den Recherchen zufolge auch zahlreiche Namen von engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin als Begünstigte von Briefkastenfirmen zu finden. Daneben tauchen auch Prominente wie etwa Claudia Schiffer, Ringo Starr und Shakira auf.

Woher kommt das Geld?

Das ist von Fall zu Fall völlig unterschiedlich. Bei einigen Nutzern von Briefkastenfirmen wurde das Geld völlig legal verdient. Bei anderen stammt es - vorsichtig ausgedrückt - aus dubiosen Quellen.

Wie illegal sind die Geschäfte?

Das müssen die Behörden im Einzelfall prüfen. Geschäfte in Steueroasen sind nicht verboten. Der "SZ" zufolge scheinen viele der bei den Recherchen zutage getretenen Geschäfte "absolut legal" zu sein. Schiffer und Shakira verwiesen der Zeitung zufolge darauf, dass sie sich an sämtliche Gesetze und Vorschriften gehalten hätten. Illegal sind Geschäfte in Steueroasen beispielsweise, wenn steuerpflichtige Einnahmen dem heimischen Finanzamt nicht gemeldet werden. Unangenehm dürften die Recherchen für die Politiker sein, die sich als Gegner von Steueroasen inszenieren - etwa der ehemalige britische Premier Tony Blair.

Was hat Blair gemacht?

Blair und seine Ehefrau Cherie haben laut "BBC" beim Kauf einer Immobilie von einem Steuerschlupfloch profitiert. Sie haben dabei wohl nicht illegal gehandelt. Es geht um ein Gebäude in London, das die Blairs 2017 für 6,45 Millionen Pfund (heute 7,5 Mio Euro) erwarben. Es ist heute Sitz von Cherie Blairs Rechtsberatung sowie ihrer Stiftung. Vorheriger Besitzer war eine Offshore-Firma, die auf den Britischen Jungferninseln registriert war. Die Blairs gründeten ein Unternehmen, das die Offshore-Firma aufkaufte. Das bedeutete, dass sie ein Unternehmen erwarben und keine Immobilie - daher fiel keine Grunderwerbsteuer an, die 312.000 Pfund betragen hätte. Die übernommene Offshore-Firma wurde anschließend aufgelöst. Blair hatte sich wiederholt kritisch über Steuerschlupflöcher geäußert.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa

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