Wirtschaft

Streitthema Anleihenkäufe Weidmann erhöht den Druck auf Draghi

Das Anleihenkaufprogramm der EZB ist Bundesbankpräsident Weidmann ein Dorn im Auge. Mehr als 2 Billionen Euro umfasst es mittlerweile - negative Nebenwirkungen inklusive. Und die seien "nicht vernachlässigbar", so Weidmann.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will das umstrittene billionenschwere EZB-Staatsanleihekaufprogramm in diesem Jahr auslaufen lassen und übt Druck auf die Zentralbank aus. "Das hielte ich aus heutiger Sicht für angemessen", sagte Weidmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Weidmann bekräftigte seine grundsätzliche Kritik an dem Staatspapierekauf durch die Notenbanken des Eurosystems. "Die Käufe haben nicht vernachlässigbare negative Nebenwirkungen. So sind die Zentralbanken dadurch inzwischen zu den größten Gläubigern der Staaten geworden."

Inzwischen wurden schon für rund 2,3 Billionen Euro Papiere gekauft. Weidmann hatte sich bei der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Herbst für ein klares Enddatum ausgesprochen, die Mehrheit des Rats war jedoch anderer Ansicht und folgte dem Kurs von EZB-Chef Mario Draghi.
Zuletzt hatten Spekulationen über ein früheres Ende der Anleihekäufe den Euro-Wechselkurs zum Dollar auf ein Dreijahreshoch geschickt.

Im EZB-Rat wird darum gerungen, wie locker die Geldpolitik sein soll. Weidmann ist sie zu locker. Wegen des Aufschwungs sollen die Löhne kräftiger wachsen. Nächstes Jahr erwartet die Bundesbank mehr als 3 Prozent Lohnwachstum, sagte Weidmann. Dieser Kostendruck werde auch die Inflationsrate anheben.

Auf die Frage, ob nach dem Amtsende Draghis im Herbst 2019 auch ein Deutscher EZB-Chef werden könnte, sagte Weidmann dem Blatt, man dürfe keine Nationalität ausschließen. Sonst könnte die Zustimmung zur Währungsunion beschädigt werden. Es sei aber auch keine Nationalität gesetzt. Entscheidend sei die Stabilitätsorientierung. Weidmann selbst gilt als aussichtsreicher Kandidat für die Draghi-Nachfolge.

Quelle: n-tv.de, bad

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