Wirtschaft

Europa beim Pkw-Absatz abgehängt "Wer in China verkaufen will, muss in China bauen"

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Eine Maut-Station in Shijiazhuang: China hat in den ersten beiden Monaten 2020 mehr als doppelt so viele Autos verkauft wie ein Jahr zuvor. In Deutschland wurde derweil ein Viertel weniger Fahrzeuge abgesetzt.

(Foto: imago images/VCG)

Die Volksrepublik hat ihren Vorsprung bei den Neuwagenverkäufen gegenüber West-Europa deutlich vergrößert. Die Wirtschaft habe die Corona-Krise hinter sich gelassen, so Autoexperte Dudenhöffer. Europas Schwächen in der Pandemiebekämpfung werden Folgen für den Autostandort haben, warnt er.

China konnte in den ersten beiden Monaten dieses Jahres seinen Vorsprung beim Pkw-Verkauf gegenüber Europa deutlich steigern. Dies belegt eine Studie des Duisburgers CAR-Center Automotive Research, die den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" vorliegt.

Während im Januar und Februar in Europa 1,52 Millionen Autos verkauft wurden, waren es laut der Studie in China 3,96 Millionen Fahrzeuge. Noch vor einem Jahr seien im selben Zeitraum in Europa 1,99 Millionen Fahrzeuge verkauft worden und in China lediglich 1,6 Millionen.

"In China wurden noch nie in den ersten beiden Monaten eines Jahres so hohe Pkw-Zulassungszahlen wie im Jahr 2021 realisiert", schreibt der Leiter der Studie Ferdinand Dudenhöffer laut "Abendblatt". Dies sei ein klares Zeichen, dass China wirtschaftlich die Corona-Pandemie hinter sich gelassen habe, während sich Europa noch sehr tief in der Krise befinde.

Allein in Deutschland wurden im Januar und Februar ein Viertel weniger Fahrzeuge verkauft als noch im selben Zeitraum des vergangenen Jahres, nämlich nur noch rund 364.000 anstatt der 486.000 Pkws aus dem Vorjahr, dem "Abendblatt" zufolge. Andere westeuropäische Länder waren demnach noch stärker betroffen.

In Portugal und Spanien gingen die Pkw-Neuwagenverkäufe um etwa 46 Prozent zurück und in Dänemark um 40 Prozent. Besser kam den Daten zufolge unter den EU-Ländern Irland davon – mit einem Minus von elf Prozent. Als einziges westeuropäisches Land verzeichnete Norwegen der Studie nach einen Anstieg bei den Pkw-Verkäufen mit 20.988 Fahrzeugen – fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

"Spätestens ab dem Jahr 2022 ist Chinas Automarkt doppelt so groß"

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"Von der Rückkehr zu den Verkaufsergebnissen vor Corona ist Europa noch viele Jahre entfernt", schreibt Dudenhöffer laut "Funke Mediengruppe". Dies habe auch Folgen für die Produktionsstandorte. So habe nach CAR-Berechnungen die Bilanz zwischen Gesamt-Absatz und Produktion in China im Jahr 2019 bei 99 Prozent gelegen.

"Wer in China Autos verkaufen will, muss diese in China bauen", schreibt der CAR-Direktor. "Die deutlichen Schwächen in der Pandemie-Bekämpfung in Europa werden damit den Automobilstandort Deutschland und Europa in der Zukunft weiter schwächen." Spätestens ab dem Jahr 2022 werde Chinas Automarkt doppelt so groß sein wie der europäische Markt, prognostiziert Dudenhöffer.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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