Wirtschaft

"Oft überfüllter als 2. Klasse" Weselsky verlangt mehr 1.-Klasse-Abteile

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Zu voll oder nicht zu voll: Da sind GDL-Chef Weselsky und die Deutsche Bahn verschiedener Ansicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit dem schnellen Sprinter etwa zwischen Berlin und München will die Bahn dem Flugverkehr Kunden abjagen. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL fordert deshalb mehr Platz für Reisende in der 1. Klasse. Die sei inzwischen oft voller als die 2. Klasse. Die Bahn widerspricht Weselsky.

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, fordert mehr 1.-Klasse-Abteile in den Zügen der Deutschen Bahn. Weil viele Geschäftsreisende vom Flugzeug auf die Bahn umstiegen, seien Plätze in der 1. Klasse oft knapper als die in der 2.: "Es gibt immer häufiger Fernzüge, in denen die 1. Klasse überfüllt ist, in der 2. Klasse hingegen viele Plätze frei bleiben. Darauf muss das Unternehmen reagieren", sagte Weselsky der "Wirtschaftswoche".

Ein Bahnsprecher widersprach dem Gewerkschaftschef: "Die Aussage, dass es immer mehr Fernzüge gibt, in denen die 1. Klasse überfüllt ist, können wir nicht bestätigen." Auch im Durchschnitt sei die Auslastung der 1. Klasse niedriger. In beiden Klassen liege die durchschnittliche Auslastung im Jahr 2018 bei 56 Prozent. Gesonderte Zahlen für 1. und 2. Klasse nannte die Bahn allerdings nicht. Der Sprecher verwies aber darauf, dass die Bahn die Sitzplatzkapazität im Fernverkehr in den kommenden Jahren insgesamt um 20 Prozent erhöhen wolle.

Dass die Bahn einem Ansturm von Millionen zusätzlicher Fahrgäste gewachsen sei, bezweifelte der GDL-Chef jedoch. "Die Bahn hat derzeit weder genug Züge noch genug Personal, um das zu schaffen", sagte Weselsky dem Magazin. Er schlug stattdessen vor, die Bahn solle im Fernverkehr auf Doppelstockzüge setzen, so wie es sie zum Beispiel in Frankreich gebe, sagte Weselsky der "Wirtschaftswoche". "Ein doppelstöckiger ICE kann etwa ein Drittel mehr Fahrgäste transportieren - bei gleicher Zahl von Lokführern und Zugbegleitern. Man braucht keine zusätzlichen Trassen, keine zusätzlichen Slots an den Bahnhöfen und es gibt keine Probleme mit zu kurzen Bahnsteigen." Er "hoffe sehr, dass der Fernverkehrsvorstand der Bahn in dieser Frage aktiv wird".

Derweil kündigte der Fernverkehr des Staatskonzerns tatsächlich eine Neuerung an: Laut "Wirtschaftswoche" sollen Fahrgäste ihre Bestellung von Essen und Getränken künftig per App aufgeben können. Das sagte Fernverkehrschef Michael Peterson dem Blatt. Reisende in der 1. Klasse bekämen dann ihre Bestellungen an ihren Sitzplatz gebracht, während Fahrgäste in der 2. Klasse wie bisher ins Bistro kommen müssen. Allerdings würden sie per App informiert, wann etwa Heißgetränke und Essen fertig seien, hieß es weiter.

Quelle: ntv.de, mau/AFP