Wirtschaft

Kurs fährt Achterbahn Wie riskant ist Bitcoin?

Kryptowährung im Höhenflug: Der Bitcoin durchbricht die Schwelle von 30.000 Dollar, dann geht es plötzlich bergab, Wetten auf die digitalen Münzen bleiben riskant. ntv.de hat Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Bitcoin zusammengestellt.

Was ist Bitcoin?

Bitcoin ist eine Internet-Währung, deren Kurs allein von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Neue digitale Münzen werden dadurch geschaffen, dass Nutzer Rechenkapazitäten für die Verschlüsselung von Transaktionen zur Verfügung stellen und dafür in Bitcoin entlohnt werden. Dabei wird in regelmäßigen Abständen die Menge der in einem bestimmten Zeitraum ausgegebenen Bitcoin automatisch halbiert, um Inflation zu verhindern. Das bislang letzte "Halving" war im Mai 2020. Maximal können 21 Millionen Bitcoin geschaffen werden, derzeit gibt es 18,5 Millionen.

Erstmals skizziert wird der Bitcoin in einem am 31. Oktober 2008 unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlichten Papier - nur kurz nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, der damals die Unsicherheit im Finanzsystem massiv verschärft und damit die globale Finanz- und Wirtschaftskrise befeuert. Wer hinter dem Pseudonym steht, ist noch immer ein Mysterium.

Hinter dem Bitcoin steckt die Idee einer Währung, die unabhängig von Staaten, Zentralbanken und der Geldpolitik existiert. Anders als klassische Währungen werden digitale Zahlungsmittel nicht von einer zentralen Stelle kontrolliert, auch Buchungen müssen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden.

Damit trotzdem klar ist, wer an wen einen Bitcoin überwiesen hat, führt vereinfacht gesagt die gesamte Nutzergemeinschaft des Digitalgeldsystems ein gigantisches Kontenbuch, das alle jemals getätigten Transaktionen enthält - und das jeder jederzeit einsehen kann. In dieser dezentralen Datenbank, der sogenannten Blockchain, werden die Daten kryptografisch verschlüsselt, deshalb ist auch der Begriff Kryptowährung verbreitet.

Wie kommen Nutzer an das digitale Geld?

Alle Bitcoin-Zahlungen und Transaktionen erfolgen via Internet. Bitcoins können nicht nur per "Mining" hergestellt werden, sondern auch gekauft und verkauft, also in reale Währungen umgetauscht werden. Das Bitcoin-Schürfen wird inzwischen weitgehend von professionellen Akteuren dominiert, die dafür - möglichst in Ländern mit geringen Stromkosten - spezielle Hardware einsetzen. Für Privatnutzer lohnt sich das "Mining" beim Bitcoin kaum noch.

Wie hat sich der Wert des Bitcoin entwickelt?

Der erste Block von 50 Bitcoins, der sogenannte "Genesis-Block", entsteht im Januar 2009. Zehn Monate später, am 5. Oktober 2009, wird erstmals der Wert basierend auf den Herstellungskosten abgeleitet: Ein Bitcoin ist damals 0,00076 Dollar wert. Legendär ist auch die Geschichte, dass ein Entwickler in Florida am 22. Mai 2010 einen Pizzaboten davon überzeugt, ihm für 10.000 Bitcoins zwei Pizzas zu überlassen. 2013 durchbricht die Kryptowährung erstmals die 1000-Dollar-Marke.

Was treibt aktuell den Preis?

Spekulation. Steil aufwärts ging es zuletzt vor allem, als der US-Zahlungsanbieter Paypal am 21. Oktober 2020 ankündigte, Nutzern künftig auch die Zahlung mit dem Digitalgeld zu ermöglichen. Zudem wird - während gleichzeitig Zentralbanken rund die Welt im Zuge ihrer ultralockeren Geldpolitik das Finanzsystem mit frischem Geld fluten - die Menge an neuen Bitcoins verknappt.

Welche Kritik gibt es?

Kritiker warnen vor dem Platzen einer Blase und sehen den Bitcoin weiterhin vor allem als Spekulationsobjekt, das vor allem für Privatanleger riskant werden kann. Sie verweisen auch auf andere Schwachstellen. Dazu zählen neben den starken Kursschwankungen der hohe Energieverbrauch während der Bitcoin-Herstellung (Mining) und die Gefahr kriminellen Missbrauchs.

Zweck einer Währung ist zudem nicht, den Besitzer reich zu machen. Geld hat eine soziale Funktion. Es soll ermöglichen, dass damit jederzeit alle Güter gekauft und verkauft werden können. Von Regierungen gedecktes Papiergeld ist dafür nützlich – mit Bitcoin bezahlt dagegen kaum jemand. Schon allein wegen der heftigen Schwankungen ist Bitcoin als Zahlungsmittel ungeeignet. Es ist schlecht, wenn man nicht weiß, ob ein Gut in einer Woche 100 Bitcoin, 1000 Bitcoin oder 10 Bitcoin wert ist.

Außerdem misstrauen viele Bitcoin-Fans zwar den Notenbanken, stecken aber zugleich viel Vertrauen in eine Währung, die aus dem Nichts entsteht. Sie unterstellen dem Dollar, dem Euro oder dem Yen, im Grunde nichts wert zu sein – denn hinter ihnen stehe nichts anderes als das Versprechen, auch in Zukunft akzeptiert zu werden. Das ist bei Bitcoin allerdings nicht anders. Jeder, der eine Zahlung in Bitcoin akzeptiert, glaubt daran, dass die Cyber-Währung auch in Zukunft noch etwas wert ist und sich nicht in Luft auflöst. Die Begrenzung der Bitcoin-Menge bedeutet keinesfalls, dass Bitcoins auch mittel- oder gar langfristig einen Wert haben. Es ist schlicht eine Frage des Vertrauens.

Quelle: ntv.de, jga/AFP/rts

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