Wirtschaft

"Coca-Cola hat keine Angst" Wie unangepasst ist Fritz-Kola noch?

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Fritz: kein Konzern, sondern eine inhabergeführte unabhängige Cola-Marke.

(Foto: imago images/Marius Schwarz)

Wer Cola trinken will, muss nicht zwangsläufig zur Coke greifen. Inzwischen gibt es viele Alternativen. Im Interview mit ntv.de erzählt Fritz-Kola-Gründer Wiegert, wie viel vom anfänglichen Kampf "David gegen Goliath" noch übrig ist und wie es gelingt, das Image als Rebell aufrechtzuerhalten.

ntv.de: Vor 18 Jahren haben Sie mit einem Freund 7000 Euro zusammengekratzt und Fritz-Kola gegründet. Was ist während der Gründung Ihr größter Aha-Moment gewesen?

Mirco Wolf Wiegert: Unser größter Aha-Moment war tatsächlich, als wir gemerkt haben, dass das, was wir machen, auch funktioniert. Als uns klar wurde, dass sich Gastronomen freuen, auch mal eine andere Cola anbieten zu können und eine Auswahl zu haben.

Die Idee zu Fritz-Kola entstand noch während des Studiums. Wieso wollten Sie unbedingt ein eigenes Unternehmen gründen?

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Mirco Wolf Wiegert

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor meinem Studium hatte ich schon eine Berufsausbildung zum Speditionskaufmann gemacht und konnte so Arbeitserfahrung sammeln. Ich habe mich dann bewusst für ein Studium entschieden. Ich wollte mir einen Werkzeugkasten zulegen, damit ich mich selbstständig machen kann. Für mich stellte sich die Frage nach einer Festanstellung eigentlich nie.

Wieso nicht?

Der Vorteil, wenn man gleich nach dem Studium gründet, ist, dass die eigenen Lebenshaltungskosten und Ansprüche noch nicht so hoch sind. Ich habe damals gerade mal 180 Euro für mein Studentenwohnheim bezahlt und war für 80 Euro krankenversichert. Das macht es einfacher. Gleichzeitig nimmt es den Druck raus, gleich am Anfang davon leben zu müssen.

Fritz-Kola steht für eine rebellische, linksalternative Haltung. Wie wichtig ist Ihnen dieses Image?

Dadurch, dass wir gegen den Giganten Coca-Cola angetreten sind, haben wir grundsätzlich einen alternativeren Ansatz. Der Wettbewerb ist omnipräsent und deswegen werden wir immer das Image des Herausforderers haben, der Dinge anders denkt. Wir müssen deswegen auch frecher sein, weil wir natürlich nicht so breit aufgestellt sind wie der Marktführer.

Was gefällt Ihren Kunden an Fritz-Kola?

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Über seine Erfahrung als Gründer hat Wiegert auch ein Buch geschrieben.

Viele schätzen unsere konsequente Haltung, und dass wir nachhaltig produzieren und verpacken. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist auch: Wir sind kein Konzern, sondern eine inhabergeführte unabhängige Cola-Marke.

Was glauben Sie, wie groß ist die Angst bei Coca-Cola vor Ihrem Unternehmen?

Coca-Cola hat keine Angst vor uns.

Nichtsdestotrotz hat sich der Marktführer ja damals bei Ihnen nach einer konfrontativen Plakatkampagne gemeldet. Die Plakate zeigten eine Hand, die Coca-Cola auskippt, während Lippen genüsslich eine Fritz-Kola tranken.

Ja, davon waren wir auch überrascht. Wir haben damals ja nur wenige Poster in ein paar Kneipen in Hamburg aufgehängt. Das war eine harmlose Geschichte, die am Ende dann doch bei den Anwälten gelandet ist.

War das damals nicht die Absicht hinter der Aktion?

Nein, wir wollten damit eigentlich nur die Aufmerksamkeit von unseren Kunden. Das hat auch gut funktioniert.

Inzwischen hat Ihr Unternehmen fast 300 Mitarbeiter. Wie viel ist noch übrig vom anfänglichen Kampf "David gegen Goliath"?

Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei. Ganz im Gegenteil, er wird sogar erst noch relevant werden. Daran ändert auch die Anzahl der Mitarbeiter nichts. Auf globaler Ebene werden wir noch lange der Coca-Cola-Herausforderer bleiben. Das ist nicht nur spannend, sondern auch eine äußerst komfortable Position für uns.

Wie gelingt es dem Unternehmen, das Image des Unangepassten aufrechtzuerhalten, obwohl es nicht sonderlich anders wirtschaftet als die Konkurrenz?

Ich denke, unser Image passt immer noch gut zu uns. Klar müssen auch wir als Unternehmen erfolgreich wirtschaften. Das ermöglicht uns aber auch einen anderen Ansatz. Wir haben eben einen Fokus auf Glas und Mehrweg und verkaufen unsere Produkte nicht in Plastik - auch wenn das an der einen oder anderen Stelle aufwendiger und teurer ist. Wir können uns das leisten. Viele unserer Produktionspartner haben in sehr moderne Produktionsstätten investiert, die müssen auch profitabel arbeiten. Mit uns als Partner können wir das gemeinsam überhaupt erst stemmen.

Gab es schon Kaufangebote?

Ja, wir hatten schon sehr viele Angebote für unser Unternehmen. Mir ist es aber wichtig, dass wir unabhängig bleiben. Wenn man eine echte "Indie Brand" sein möchte, dann muss man auch die Inhaberstruktur dementsprechend organisieren. Ich bin Mehrheitsgesellschafter und das soll auch so bleiben.

Der Getränkemarkt ist hart umkämpft. Das Angebot wächst immer weiter. Wird das zum Problem für Fritz-Kola?

Wir haben viele Jahre Vorsprung an Erfahrung. Unser Vorteil damals war, dass wir einen fast monopolistischen Markt aufgebrochen haben. Es ist nur konsequent, wenn jetzt viele andere Anbieter Cola, Limonaden und Schorlen verkaufen wollen. Manchmal wird die eine oder andere Marke hier auch sklavisch kopiert. Bei den Kunden kommt das oft nicht gut an. Das merken dann auch die Unternehmen relativ schnell.

Welche Auswirkungen hatte das Ausnahmejahr 2020 auf Ihr Unternehmen?

Schwerwiegender als die Umsatzeinbrüche hat uns etwas noch mehr belastet: Die interne Kultur hat gelitten. Viele Monate im Homeoffice und wenig informeller Austausch unter den Kollegen haben Spuren hinterlassen. Daher versuchen wir jetzt, so viele Mitarbeiter wie möglich zurück ins Büro zu holen.

Mit Mirco Wolf Wiegert sprach Juliane Kipper

Quelle: ntv.de

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