Wirtschaft
Bitte recht freundlich: Auf einer Waffenmesse in Texas.
Bitte recht freundlich: Auf einer Waffenmesse in Texas.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 04. Oktober 2017

Massenmord in Las Vegas: Wieso Waffen-Aktien kräftig steigen

Von Jan Gänger

In den USA ermordet ein Mann 58 Menschen. Trotzdem legen die Aktien von Waffenherstellern zu. Denn für sie ist das Massaker das beste Verkaufsargument.

Nach einem Massaker geschehen in den USA regelmäßig zwei Dinge: Politiker sprechen Angehörigen mit "Gedanken und Gebeten" ihr Beileid aus, und die Papiere von Waffenfabrikanten gewinnen kräftig an Wert. Nach dem Attentat in Las Vegas mit 59 Toten und etwa 500 Verletzten ist es nicht anders.

In Zahlen ausgedrückt: American Outdoor Brands (früher Smith & Wesson) legten seit dem Massenmord 5,7 Prozent zu, ebenso wie der Hersteller von halbautomatischen Gewehren, Sturm Ruger. Die Aktien des Munitionsherstellers Olin, zu dem auch der Jagdgewehr-Fabrikant Winchester gehört, stiegen um 6,5 Prozent.

Woran das liegt? Investoren gehen davon aus, dass nach dem Attentat das Waffenrecht verschärft werden könnte - oder viele Amerikaner das zumindest befürchten. Ihre Kalkulation: Bevor es schwerer werden könnte, eine Waffe zu kaufen, wird zugegriffen. Und steigende Nachfrage sorgt für höhere Gewinne bei den Herstellern.

Dabei ist es höchst unwahrscheinlich, dass es in den USA tatsächlich zu schärferen Waffengesetzen kommt. Ob Orlando im Juni 2016, San Bernardino im Dezember 2015 oder das Aurora-Kino und die Sandy-Hook-Grundschule 2012 - keiner dieser Massenmorde hat zu strikteren Gesetzen geführt. Präsident Barack Obamas Forderungen nützten nichts.

Stattdessen stiegen die Verkaufszahlen von Schusswaffen in seiner Amtszeit deutlich - in der Annahme, dass die Gesetze auf Bundesebene oder in von Demokraten kontrollierten Bundesstaaten vielleicht doch spürbar verschärft werden könnten.

Trumps Sieg sorgt für fallende Kurse

Paradoxerweise war der Wahlsieg Trumps deshalb für die Waffenhersteller eine schlechte Nachricht - denn mit ihm im Weißen Haus ist es nun noch unwahrscheinlicher geworden, dass es schärfere Gesetze geben wird. Die Aktien von Sturm Ruger oder American Outdoor fielen nach seinem Triumph, obwohl sich die Waffenlobby rund um die NRA vehement für Trump ausgesprochen hatte.

Im August teilte Sturm Ruger mit, dass der Umsatz im abgelaufenen Quartal im Vergleich
zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent gesunken ist. Der Gewinn brach um mehr als 50 Prozent ein - was wohl vor allem daran liegt, dass 2016 der erwartete Wahlsieg von Hillary Clinton die Waffenverkäufe angekurbelt hatte.

Drohende schärfere Gesetze gelten aber nicht als einziger Grund für zunehmende Käufe. Analysten verweisen darauf, dass nach Amokläufen viele US-Amerikaner Waffen kaufen, um sich zu schützen – ein Teufelskreis.

Wie viele Amerikaner jährlich durch Schusswaffen sterben, ist schwer zu beziffern. Halbwegs aktuelle, belastbare Zahlen gibt es von der US-Gesundheitsbehörde CDC. Demnach starben landesweit im Jahre 2013 mehr als 33.600 Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen in Privatbesitz. In dieser Statistik sind knapp 21.200 Suizide enthalten.

Wie viele Waffen in den USA im Umlauf sind, ist nicht zu ermitteln. Einer 2012 veröffentlichten Statistik des US-Kongresses zufolge gab es 2009 in den USA etwa 310 Millionen Schusswaffen – und damit in etwa so viele wie Einwohner. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Zahl der Schusswaffen die Zahl der 320 Millionen US-Bürger mittlerweile übersteigt.

Die Waffenhersteller und ihre Aktionäre können sicher sein: Das nächste Massaker in den USA kommt bestimmt.

Quelle: n-tv.de